Agendagruppe: CDU verunsichert Eltern

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Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Die CDU im Ravensburger Gemeinderat verunsichere Eltern, die nach der idealen Schule für ihr Kind suchen: Das wirft die Agendagruppe „Schule neu denken“ der Fraktion um August Schuler vor. Die CDU hatte in einem Brief an Oberbürgermeister Daniel Rapp einen Schulbeirat für Ravensburg verlangt und in diesem Zusammenhang behauptet, die Eltern hätten der Gemeinschaftsschule in Ravensburg eine „deutliche Absage“ erteilt. Nur eine einzige Klasse an der Kuppelnauschule sei für die Stadt „finanziell nicht tragbar“ (Schwäbische Zeitung vom 8. Juni).

Dagegen wehrt sich die Agendagruppe, die vor zwei Jahren eine groß angelegte Elternbefragung durchgeführt hatte. „Wenn sich Eltern für eine Schule für ihr Kind entscheiden, tun sie das im Vertrauen in das Angebot dieser Schule. Sie brauchen die Gewissheit, dass dieses Angebot für viele Jahre verlässlich bestehen bleibt“, so die ehrenamtlich tätigen Ravensburger in einer Stellungnahme. Ungewissheit darüber, ob eine Schulform auf Dauer Bestand hat, lasse Eltern befürchten, dass ihre Kinder als „Versuchskaninchen“ missbraucht und sie Nachteile im Wettbewerb um Lehrstellen und Studienplätze haben würden. Die Agendagruppe weiter: „Wenn die CDU-Fraktion das Anmeldeverhalten der Ravensburger Elternschaft als ,deutliche Absage‘ an die Schulform Gemeinschaftschule interpretiert und dies öffentlich kundtut, trägt sie zur Verunsicherung der Eltern ganz erheblich bei.“ Die Agenda kritisiert zudem, dass die Lokalpolitiker nicht den direkten Dialog gesucht hätten.

Wer sich mit Elternbefragungen befasst habe sowie mit den zahlreichen Bildungsstudien unter anderem des Bundesfamilienministeriums, „sollte wissen, was Eltern wollen und Bildungsexperten für den Umbau des Bildungssystems eindringlich empfehlen“. Die Agendagruppe weiter: „Erstaunlicherweise zeigen aktuelle Anmeldezahlen, dass Eltern vielerorts Schulen wählen, die eigentlich nicht ihren Wünschen und Vorstellungen für eine optimale Ausbildung, Förderung und Persönlichkeitsentwicklung ihrer Kinder entsprechen. Zu vermuten ist, dass ihnen das Altbekannte verlässlicher erscheint als das Neue, Unbekannte. Man kennt die Defizite und Fehler des tradierten Schulsystems eben auch aus eigener Erfahrung und weiß sich darauf einzustellen. Für viele Kinder hat das fatale Folgen.“

An dieser Stelle brauchten Eltern Gewährleistung für das inhaltliche Angebot und die Rahmenbedingungen der neuen Schulform durch alle Verantwortlichen, eben auch durch die Fraktionen eines Gemeinderats, die die Entscheidung für die Einrichtung mitgetragen haben. Die CDU Ravensburg solle „in Erwägung ziehen, dass die Eltern nicht der Gemeinschaftsschule eine Absage erteilt haben, sondern der Unsicherheit und Unklarheit über den Fortbestand dieser Schulform“. Bereits die „leidige Standortfrage und die Entscheidung über die Köpfe der Betroffenen hinweg“, habe hier sicherlich Wirkung gezeigt. Die Agenda: „Was glauben die Fraktionsmitglieder, wie es den Eltern geht, die sich für die Gemeinschaftsschule entschieden haben, wenn sie mit ihren Aussagen konfrontiert werden?“

Es sei nichts Überraschendes, dass neue Konzepte einige Jahre brauchen, ehe sie eine breite Akzeptanz finden. Eltern brauchten positive Beispiele und positive Signale von den politisch Verantwortlichen. Die ersten Anmeldezahlen zum Start der Gemeinschaftsschule an der Kuppelnau zu nutzen, den langfristigen Erfolg dieser Schulform in Frage zu stellen, habe mit Sicherheit den gegenteiligen Effekt. Bei „allen Versäumnissen der Landesregierung“ bei der Einführung der Gemeinschaftsschule, verdienten in Ravensburg gerade auch die am Entwicklungsprozess der Stefan-Rahl-Schule und der Kuppelnau beteiligten engagierten Akteure Unterstützung, Zuspruch und Ermutigung , dass das Projekt Gemeinschaftsschule gelingt und sich der immense Einsatz gelohnt hat.

„Unterstützung, Zuspruch und Ermutigung geben, anstatt Ängste und Unsicherheit zu erzeugen – eine Option, über die die Fraktion der Ravensburger CDU einmal nachdenken sollte“, so die Gruppe „Schule neu denken“.

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