Sollten ältere Menschen den Führerschein abgeben? Leser von Schwäbische.de reden Klartext

Die Zahl der Verkehrstoten sinkt seit Jahren deutlich. Menschliches Fehlverhalten wie zu schnelles Fahren, zu kurzer Abstand oder Missachtung der Vorfahrt bleibt jedoch die Hauptursache für Unfälle.

Lange Zeit galten Fahranfänger und jüngere Menschen als Hauptverursacher von schweren Unfällen, da sie häufiger zu schnell oder unter Alkoholeinfluss fahren und Risiken allgemein unterschätzen. Ältere Menschen sind heute jedoch deutlich mobiler als früher. Zudem ist der Verlust der Fahrtüchtigkeit häufig ein schleichender Prozess, den die Betroffenen selbst nicht oder nur zum Teil wahrnehmen.

Wenn Menschen über 64 Jahren als Autofahrer an einem Unfall beteiligt sind, tragen sie in 68,7 Prozent der Fälle die Hauptschuld. Bei Menschen über 75 Jahren sind es sogar 76 Prozent der Fälle. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor. Zudem ist rund jeder dritte Verkehrstote über 65 Jahre alt, obwohl diese Altersgruppe nur 22 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. 

Auch in der Region kommt es immer wieder zu schweren Unfällen, die von älteren Autofahrern verursacht werden. So nahm am Mittwoch ein 78-jähriger Mann bei Niederwangen einer Frau die Vorfahrt. Bei dem Unfall wurden vier Menschen schwer verletzt.

In vielen anderen Ländern wie den Niederlanden, Spanien, Großbritannien, Frankreich, Italien, Schweiz oder Schweden werden Menschen ab einer bestimmten Altersgrenze regelmäßig auf ihre Fahrtüchtigkeit überprüft. In Deutschland ist dies freiwillig.

Wir haben deshalb die Leser von Schwäbische.de gefragt: Sollten ältere Autofahrer ihren Führerschein abgeben?

Eine Auswahl der Kommentare, die uns über Schwäbische.de und unsere Seiten bei Facebook erreicht haben: 

Kann man das immer nur vom Lebensalter abhängig machen?

Christoph G.: Kann man das immer nur vom Lebensalter abhängig machen? Es würde wohl Sinn ergeben, alle Verkehrsteilnehmenden, die in motorisierten Fahrzeugen unterwegs sind, ab 30 einem Seh-, Reaktions- und Gesundheitstest zu unterziehen, der erst alle 5 Jahre, später alle 3 Jahre wiederholt und bestanden werden muss.

Selbst die Initiative ergreifen.

Josef H.: Es sollte jeder selbst merken, ob Er/ Sie noch gesundheitlich so gut beieinander ist und somit keine Gefahr für die Allgemeinheit ist, d.h., dass Er /Sie dann selbst die Initiative ergreift und den Lappen abgibt.

Überprüfung ab 75 ist o.k.

Martina V.: Überprüfung ab 75 ist o.k. Bin selber 77 und habe keine Angst vor einer Überprüfung. Es ist auch zu berücksichtigen, welche Assistenzsysteme die Autos haben. Beim Rückwärtsfahren umschauen ist überflüssig, Auffahrunfälle werden meist verhindert, selbst auf das Verlassen der Spur wird man aufmerksam gemacht, und das alles bereits bei Kleinwagen. Ansonsten müssen wir alle auch mit älteren Mitmenschen leben.

Sollte man denn nicht den Führerschein wie ein Personalausweis mit Verfall belegen?

Susanne B. via Facebook: Ist leider nicht so einfach das zu beurteilen – manche Jüngere machen den Führerschein und können nie sicher, vorausschauend und rücksichtsvoll Auto fahren. Dann Ältere fahren umsichtig, dem Straßenverkehr entsprechend Auto. Sollte man denn nicht den Führerschein wie ein Personalausweis mit Verfall belegen? Möglicherweise dann immer mit einem Fahrcheck up verlängern? Ist ganz schwer auch mit dem abgeben in einem gewissen Alter. Ich möchte das nicht entscheiden, ich konnte gesundheitlich auch schon kein Fahrzeug fahren und bin dann auch nicht gefahren.

Fahrer mit erhöhtem Risiko gibt es in jeder Altersklasse.

Hartmut H.: Was sind Ältere? Fahrer mit erhöhtem Risiko gibt es in jeder Altersklasse, hat mit dem biologischen Alter nicht viel zu tun. Das wäre es doch sinnvoll, alle Fahrerlaubnisinhaber zum Prüfen der Fahrereignung regelmäßig zu testen. Dass alte Menschen nach Unfällen öfters versterben, hängt wohl von der körperlichen Verfassung zusammen.

Der Verkehr und die Teilnehmer haben sich dramatisch erhöht.

Fabian D. via Facebook: Ja, an das Renteneintrittsalter individuell angepasst. In der Regel ist man auch jährlich beim Arzt, der die 5min dann auch noch investieren kann bzw. einfach abrechnen kann. Wer gesund und munter ist, der hat ja nichts zu „befürchten“ - im Sinne von „Risiko für andere“. Weiteres Argument meiner Meinung nach: Der Verkehr und die Teilnehmer haben sich dramatisch erhöht / verändert. Ein Beispiel: Hört man heute noch jedes Auto? Gab es Scooter, die mit 20km/h lautlos über den Gehweg sausen?

Der Führerschein ist kein in der Verfassung verbrieftes Grundrecht, er ist ein Privileg.

Harald S.: Ich bin 70 Jahre und habe bereits als 45-Jähriger den Abbau körperlicher Leistungsfähigkeit feststellen müssen. Der geistige Verfall dürfte etwa im gleichen Alter einsetzen. Den Führerschein bei Entfall der Voraussetzungen zu entziehen ist nicht diskriminierend, sondern bei unjungen Mitmenschen biologisch bedingt und notwendig. Ich hätte nicht das geringste Problem mit einer Überprüfung meiner Fahrtüchtigkeit und den Konsequenzen daraus. Auch die theoretischen Kenntnisse müssen überprüft werden. Der Führerschein ist kein in der Verfassung verbrieftes Grundrecht, er ist ein Privileg.

Auch ältere Menschen haben ein Recht auf Mobilität.

Robert B.: Bevor man in diesem Bereich zu weitreichenden Entscheidungen kommt, müssen die Statistiken genau angeschaut werden. Werden durch ältere Personen vorwiegend Unfälle mit Bagatellcharakter (Blechschäden beim Ein- und Ausparken und ähnliches) verursacht oder wirklich schwere Unfälle. Das alleine reicht nicht, denn auch ältere Menschen haben ein Recht auf Mobilität, also muss es auch im ländlichen Raum bezahlbare Angebote geben. Ein gewisses Risiko muss auch toleriert werden, denn eine risikolose Gesellschaft gibt es nicht. Bevor jemand ganz der Führerschein genommen wird, kann auch überlegt werden, ob ein Führerschein ab dem 80 zigsten Lebensjahr mit Einschränkungen belegt werden kann, wie 0-Promille, anlassbezogene Kontrollen der Fahrtüchtigkeit bei schweren Verkehrsverstößen, die zu Fahrverboten führen. Junge Fahrer erhalten einen Vertrauensvorschuss, der auch für ältere Fahrer gelten sollte, die schon lange am Verkehr unfallfrei teilnehmen.

Hier geht es nicht um Stigmatisierung einer Altersgruppe, sondern um den Schutz von zum Beispiel Kindern.

Thomas L.: Ja, eine Fahrtauglichkeitsprüfung ab zum Beispiel 70 in einem definierten Rhythmus würde Sinn machen. Hier geht es nicht um Stigmatisierung einer Altersgruppe, sondern um den Schutz von zum Beispiel Kindern an Zebrastreifen, Fahrrad etc.

 Raser für immer von den Straßen nehmen

Karl B.: Aber Hallo, schauen Sie besser auf die Jüngeren, da ist der Prozentsatz wesentlich höher als bei den älteren. Besser wäre es, wenn man die Raser für immer von den Straßen nehmen würde, da muss man den Hebel ansetzen und nicht wenn mal ein älterer ein Unfall baut.

Autofahrer, die das 70. Lebensjahr überschreiten, sollten eine kleine Führerscheinprüfung ablegen.

Manfred G.: Gegen Zahlen kann man nichts sagen, das ist nun mal Tatsache. Ich vertrete schon seit Jahren die Meinung, dass Autofahrer, die das 70. Lebensjahr überschreiten, eine kleine Führerscheinprüfung ablegen, weil sich ja in den Regeln des Autofahrens viel Neues gibt. Gleichzeitig soll eine ärztliche Untersuchung stattfinden, dasselbe gilt bei 80 Jahren und erst recht bei 90 Jahren. Ich habe vor wenigen Jahren einen Unfall durch eine Vollbremsung gerade noch verhindern können. Die Hauptstraße machte eine Linkskurve und ein jüngerer Fahrer, den ich noch zur Rede stellen konnte, sagte mir mit großer Selbstverständlichkeit "Wer abbiegt muss warten".

Ich kenne viele ältere Menschen, die besser und sicherer und vor allem vorausschauender fahren, als viele "Greenhorns".

Elvira N.: Ich bin der Meinung, dass der Führerschein nicht nur aufgrund des Alters abgegeben werden sollte. Ich kenne viele ältere Menschen, die besser und sicherer und vor allem vorausschauender fahren, als viele "Greenhorns". Es ist doch immer so viel die Rede von Inklusion, warum sollten wir dann Mitmenschen von der Mobillität ausschließen, nur weil sie ein gewisses Alter erreicht haben? Und das mit dem kostenlosen ÖPNV ist ein Witz, auf dem Land kann man ohne PKW nirgends hinkommen, zu keinem Arzt und zu keiner Apotheke geschweige denn zum Einkauf. Unsere Politiker sollten sich lieber darum kümmern, dass auch auf dem Land der ÖPNV ausgebaut wird, als populistische Reden zu schwingen. Da hätten sie mal Arbeit, Reden schwingen kann jeder.

Auch in unserer Region kommt es immer wieder zu schweren Unfällen, die von älteren Verkehrsteilnehmern verursacht werden. Wie sollte man mit dem Thema umgehen?

Wenn es überall regelmäßig kostenlose Fahrdienste geben würde, müssten die meisten nicht mehr selber fahren.

Carina P. via Facebook: Ehrlich gesagt finde ich es schade, dass die älteren Leute, auch wenn sie oft gar nicht mehr fahren wollen, aufs Auto angewiesen sind, weil sie nicht mit Bus und Bahn einkaufen gehen können oder zum Arzt kommen. Wenn es überall regelmäßig kostenlose Fahrdienste geben würde, müssten die meisten nicht mehr selber fahren und würden es dann auch nicht. Aber Taxen sind zu teuer und Alternativen gibt es kaum.

Jeder Unfall, der durch altersbedingte Ausfälle passiert, ist einer zu viel.

Jürgen E.: Es sollten ab dem 65. Lebensjahr Tests im Abstand von 3 Jahren gemacht werden. So wie in einigen anderen Ländern. Ich selbst bin 60 und möchte natürlich auch so lange wie möglich fahren, aber jeder Unfall, der durch altersbedingte Ausfälle passiert, ist einer zu viel. Die Tests müssen natürlich altersgerecht sein.

Ab 70 alle 2 Jahre Seh-/Hörtest und Reaktionstest machen

Sabine D. via Facebook: Nein, sie sollten nicht generell ihren Führerschein abgeben. Jedoch ab 70 alle 2 Jahre Seh-/Hörtest und Reaktionstest machen müssen. Ab 80 dann gerne jährlich.

Man will die älteren Menschen ja nicht entmündigen. Aber sie sollten eben auch keine Gefahr für sich und andere darstellen.

Simone M. via Facebook: Meiner Meinung nach sollte man ab 75 circa alle 3 Jahre zu einem Gesundheitscheck müssen. Einfach um zu kontrollieren, ob Sehkraft, Hören, Reaktionszeit und körperlicher Gesamtzustand noch in einem verkehrstauglichen Bereich sind. Man will die älteren Menschen ja nicht entmündigen. Aber sie sollten eben auch keine Gefahr für sich und andere darstellen. Klar sind auch jüngere Menschen oft nicht gerade optimale Verkehrsteilnehmer, aber im höheren Alter steigt die Wahrscheinlichkeit einen Unfall zu verursachen aufgrund von eines Mangels der oben genannten Sinne/Körperteile einfach deutlich höher/häufiger.

Nicht auch noch der Führerschein

Elke B.: Nein. Den alten Menschen wird in Deutschland so viel genommen bzw. nicht gegeben – da muss es nicht auch noch der Führerschein sein.

Ab einem gewissen Alter eine ärztliche Untersuchung zur Pflicht machen.

Michael K.: Ich finde, dass pauschal abgeben nicht richtig ist. Es wäre sinnvoller, ab einem gewissen Alter eine ärztliche Untersuchung zur Pflicht zu machen, wie beim LKW.

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