5G: Mobilfunkkritiker warnen in Ravensburg vor Strahlenbelastung

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 Dem Besucherandrang kaum gewachsen war am Freitag der Kornhaussaal bei einer Infomationsveranstaltung zum Thema Mobilfunk und N
Dem Besucherandrang kaum gewachsen war am Freitag der Kornhaussaal bei einer Infomationsveranstaltung zum Thema Mobilfunk und Netzausbau nach dem neuen Standrad 5 G. Moderiert wurde der Abend von Wolfgang Blüher, Sprecher der Agendagruppe Mobilfunk. (Foto: Anton Wassermann)
Anton Wassermann

Beim großen Zukunftsthema Digitalisierung will die Stadt Ravensburg eine Vorreiterrolle spielen und als „Smart city“ im Gewerbegebiet Erlen das neue Mobilfunknetz 5 G erproben.

Doch nicht alle Gemeinderatsmitglieder sind sich sicher, ob das eine gute Idee ist.

Deshalb hat die Fraktion Bürger für Ravensburg (BfR) im Verbund mit mehreren anderen Veranstaltern zu einem öffentlichen Infoabend einen Experten eingeladen, der eine große Fülle an wissenschaftlichen Studien zum Thema Mobilfunk und Digitalisierung zusammengetragen hat, den Germanisten und Pädagogen Peter Hensinger aus Stuttgart.

Wir müssen im Gemeinderat entscheiden über ein Thema, über das wir wenig wissen.

BfR-Stadtrat Ulrich Höflacher

„Wir müssen im Gemeinderat entscheiden über ein Thema, über das wir wenig wissen“, begründete BfR-Stadtrat Ulrich Höflacher die Initiative seiner Fraktion für diesen Infoabend.

Und weil seitens der Verwaltungsspitze stets die Vorzüge von 5 G hervorgehoben würden, wolle man auch erfahren, welche kritischen Einwände es von seriösen Wissenschaftlern gibt.

Solche Einwände trägt das Netzwerk „Diagnose Funk“ zusammen, das Peter Hensinger mitbegründet hat. Es sammelt und veröffentlicht weltweit publizierte wissenschaftliche Studien, die sich mit den gesundheitlichen, ökologischen, aber auch gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung befassen.

„Die Digitalisierung kann man nicht rückgängig machen. Auch ich benutze ein Smartphone. Aber wir brauchen dringend eine starke Regulierung durch die Politik“, forderte Hensinger. Sie sei dabei, die Fehler der 1950er-Jahre zu wiederholen, als alles den Interessen der Automobilindustrie untergeordnet worden sei – mit den bekannten Folgen für Städtebau und Ökologie.

Durch das Internet der Dinge sei ein umfassendes System der Überwachung entstanden, das bis in die intimsten Sphären der Menschen hineinreiche, sich jeglicher demokratischen Kontrolle entziehe und bereits heute militärisch genutzt werde. Das alles habe großen Einfluss auf das Zusammenleben der Menschen, weil sie sich freiwillig dieser umfassenden Überwachung unterwerfen.

Dass es auch viele kritische Stimmen zu dieser Entwicklung gibt, zeigten die vielen Wortmeldungen im mit schätzungsweise 150 Besuchern besetzten Kornhaussaal. Sie knüpften vor allem daran an, was der Referent über die Strahlenbelastung durch den Mobilfunk vorgetragen hatte.

Er kritisierte vor allem, dass die von der Deutschen Strahlenschutzkommission empfohlenen Grenzwerte weit über den Marken liegen, die unabhängige Wissenschaftler auf der Basis umfassender Studien gefordert hätten. Eindringlich warnte Hensinger davor, an den Schulen WLan zu installieren, weil davon dauerhaft eine unverantwortbar hohe Strahlenbelastung für Kinder und Heranwachsende ausgehe: „Ich fordere ein WLan-Verbot an Schulen, weil es gehirnschädigend ist.

Es gibt andere Möglichkeiten der Digitalisierung.“ Unterstützt wurde der Referent bei dieser Forderung von Wolfgang Ertel, der an der Hochschule Ravensburg-Weingarten im Bereich Künstliche Intelligenz forscht und lehrt. Vernetzung mit dem Internet sei ebenso gut über die Raumbeleuchtung möglich. Nötig seien dazu LED-Leuchten. „Für das autonome Fahren und unser Smartphone brauchen wir kein 5 G“, erklärte Ertel.

Erhöhte gesundheitliche Risiken

Die wissenschaftlichen Studien, von denen Peter Hensinger berichtete, sprechen von deutlich erhöhten gesundheitlichen Risiken für die Menschen, weil 5 G-Strahlen tiefer in den menschlichen Organismus eindringen als bisherige. Wegen ihrer geringen Reichweite von höchstens 500 Metern erfordern sie aber auch eine enorme Dichte an Sendern.

Und jeder dieser Sender werde laut geltender Vergabeverordnung von allen drei Mobilfunkanbietern betrieben, die künftig zugelassen werden.

Was die Einflussmöglichkeiten der politischen Entscheidungsträger in den Kommunen betrifft, so hatte der Referent für Ulrich Höflacher keine gute Nachricht: „Sie müssen ausführen, was der Gesetzgeber vorgibt. Einfluss nehmen kann nur eine breite politische Willensbildung in der Bevölkerung. Sie sollte aber durch überprüfbare Fakten gestützt sein und nicht von esoterisch angehauchten Fake News, wie sie allenthalben durch das Internet geistern.“

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