2500 Klimaaktivisten ziehen durch Ravensburger Innenstadt

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Julius Böhm

„Veränderung – jetzt!“ lautet die Forderung an die Politik, die am Freitagmittag aus rund 2500 zumeist jungen Kehlen durch die Ravensburger Innenstadt hallte. Die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg hat im August 2018 mit ihren Schulstreiks vor dem Parlament in Stockholm eine Welle losgetreten, die um die gesamte Erdkugel schwappt und auch in Oberschwaben dafür sorgt, dass Kinder und Jugendliche bereits zum dritten Mal den Schulunterricht schwänzen, um für mehr Klimaschutz auf die Straße gehen.

Mit Papptafeln, Megafonen und Schlachtrufen marschierten die Schüler und Studenten vom Bahnhof quer durch die Stadt zum Marienplatz, wo es mehrere Ansprachen und Informationsangebote gab. In über 120 Ländern der Erde gab es am Freitag Klimastreiks. Allein in Deutschland waren Hunderttausende junge Menschen in mehr als 280 Städten auf der Straße.

Die Lebensbereiche, in denen jeder Einzelne für weniger Emissionen, Müll und Ressourcenverbrauch sorgen kann, sind vielfältig: Ernährung, Mobilität, Wohnen und Konsum. Doch eine Handlung, genauer gesagt eine Entscheidung, die jeder Bürger ab seinem 18. Geburtstag hat, sollte an diesem Freitag im Mittelpunkt stehen. Schließlich wird am morgigen Sonntag das EU-Parlament gewählt.

„Kreuzchen für eure Zukunft“

„Machen wir die Europawahl zur Klimawahl“, rief Sander Frank von „Fridays for Future“ (FFF) ins Mikro. Dabei ließ der 19-jährige Politikstudent nicht außer Acht, dass die allermeisten der Demonstranten minderjährig sind und noch gar nicht wählen dürfen: „Wenn wir die Politiker mit unseren Demos nicht erreichen, dann lasst uns zumindest mit unseren Eltern, Freunden und Kollegen sprechen. Redet über die Wahl und macht ihnen klar, dass sie mit ihrem Kreuzchen entscheiden, wie eure Zukunft aussieht.“

Unterstützung bekamen die FFF-Aktivisten auch aus dem Bundestag. Die heimische Grünen-Abgeordnete Agnieszka Brugger schnappte sich das Mikrofon und bedankte sich bei den Kindern und Jugendlichen für ihren Einsatz – auch im Namen ihrer erst zehn Monate alten Tochter: „Es darf uns nicht egal sein, was für eine Welt wir unseren Kindern und Enkelkindern hinterlassen. Deshalb habe auch ich mich damals als Jugendliche politisch engagiert. Umso trauriger, wie wenig sich seitdem beim Thema Klima und Umweltschutz verändert hat.“

Nicht die jungen, ältere Menschen waren es dann, – Passanten, Interessierte, Eltern und Großeltern –, die die Smartphones zückten und die Bilder festhielten, die sich auf dem Marienplatz abspielten und bei den meisten für Gänsehaut sorgten. Zu „Heal the World“ von Michael Jackson bildete sich eine mehrere Hundert Meter lange Menschenkette als Symbol dafür, dass die Menschheit zusammenhalten muss, um die Klimakatastrophe abzuwenden.

Ravensburgs Oberbürgermeister Daniel Rapp hat sich das Spektakel diesmal nicht aus seinem Büro, sondern aus nächster Nähe angeschaut. Auch der Erste Bürgermeister Simon Blümcke hörte sich die Forderungen der Schüler an. Rapp zur „Schwäbischen Zeitung“: „Dieses Engagement der jungen Menschen finde ich klasse. In der Anfangsphase dieser Bewegung finde ich es auch richtig, dass die Schüler den Unterricht schwänzen, um Aufmerksamkeit zu bekommen – das ist sicher notwendig.“

Dass die Schüler auch ihn und die Kommunalpolitik in der Region kritisieren, weiß Rapp sehr genau. Sein Baubürgermeister Dirk Bastian sei vor einer Woche erst Gast bei einer FFF-Podiumsdiskussion gewesen und habe davon berichtet, wie gut die Aktivisten in die regionalen Themen vertieft seien: „Die Probleme sind zwar global, doch wir müssen sie lokal anpacken. Wir machen deutlich mehr als früher und geben zehnmal so viel Geld aus für Umweltthemen. Aber keine Frage: Gerade in den Bereichen Öffentlicher Nahverkehr, Fahrrad- und Fußgängerfreundlichkeit ist noch viel Luft nach oben.“

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