17-Jähriger gewinnt Selinka-Kunstpreis

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 Gewinner Izak Hochuli, hier mit Stifterin Gudrun Selinka, hat in einen Wurzelstrunk eigene Schnitzarbeit integriert, vorne rech
Gewinner Izak Hochuli, hier mit Stifterin Gudrun Selinka, hat in einen Wurzelstrunk eigene Schnitzarbeit integriert, vorne rechts in Form einer liegenden Frau zu erkennen. (Foto: Dorothee L. Schaefer)
Dorothee L. Schaefer

Sehr überraschend und anziehend wirken die drei von einer dreiköpfigen Jury ausgewählten Arbeiten – diesmal nur von Schülern des Welfen-Gymnasiums – für die großzügig dotierten Preise der Selinka Stiftung, die von Gudrun Selinka zum dritten Mal verliehen wurden. Dabei fällt ein Zug handwerklich anspruchsvoller Ausarbeitung ins Auge, die einen zumindest in die analoge Welt zurück holt.

Wie von der Stiftung gefordert, gestalteten die jungen Schüler im Neigungsfach Kunst unter der Leitung der Kunsterzieher Elisabeth Klass und Uli Schubert und unter dem Eindruck von individuell ausgewählten Werken der Sammlung Selinka eine eigene künstlerische Arbeit. Diese über ein Schuljahr hinweg zu entwickeln und den Prozess durchzuhalten, verlange Mut und Beharrlichkeit, betonten die Veranstalter, allen voran Gudrun Selinka, der Schulleiter des Welfen-Gymnasiums Tilmann Siebert, der Kunsterzieher Uli Schubert und die Organisatorin Andrea Dreher, die an die diesmal acht Schülerinnen und einen Schüler Preise und Urkunden überreichte.

Gudrun Selinka freute sich über die „große kreative Energie“ der jungen Leute und über den weiter bestehenden engen Kontakt zum Kunstmuseum, dessen neue Leiterin Ute Stuffer zusammen mit den Künstlerinnen Silvia Brosig aus Stuttgart und Amrei Bidmon aus Bregenz zu den drei Jury-Mitgliedern zählte.

Jury zeichnet Stickarbeit einer 17-Jährigen aus

Uli Schubert sprach die Funktion des Wettbewerbs an, der dazu beitrage, die „Schüler in die Selbstständigkeit zu führen“, ein Begriff, der sich auch in den Begründungen der Jury wiederfand. Der dritte Preis wurde an die 17-jährige Kamilla Albert, die schon lange Stickarbeiten macht, für ihre an Jawlenskys „Spanisches Mädchen“ angelehnte Arbeit „Das gestickte Mädchen“ vergeben. Das Portrait ist auf ungebleichtes Naturleinen mit verschieden dicken Garnen und Wollfäden gestickt, als Modell diente das Foto einer Freundin in lebhaften Farben. Eine Vorzeichnung – zum Teil mit Filzstift – konturierte die ausschließlich mit Plattstich ausgefüllten Stickfelder, so dass auf Entfernung der Eindruck zwischen Bildnis und modernem Icon oszilliert – ebenso altbekannt wie modern verfremdet.

Die beiden knapp 18-jährigen Preisträgerinnen des zweiten Preises, Stella Samarskij und Elisabeth Spiridonov, hatten sich in Pierre Alechinskys starkfarbiges Märchenthema „Once upon a time“ von 1978 vertieft und konstruierten ein kompliziertes, fünfstöckig-quadratisches Geflecht aus beweglichen Papierstreifen, dessen Oberseite die Farben Alechinskys zitiert, welche in den Stockwerken darunter immer weiter bis zum Graphitgrau schwinden. Den Aufbauprozess dieses von einem großen Klappumschlag umgebenen „Buches“, das eher wie ein Spiel wirkt, zeigt ein Video daneben.

Wurzelstock offenbart figürliche Teile

Izak Hochuli (17), der Gewinner des ersten Preises, fand in einem Wildgehege einen stark verwitterten Wurzelstock – aus Lärche, innen tiefrot und intensiv duftend –, an dem ihm bei näherer Betrachtung zwei menschenähnliche „Beine“ auffielen. Beim behutsamen Reinigen und Abschälen der Restborke – wobei er einige Moosflechten stehen ließ – entdeckte oder besser enthüllte er weitere figürliche Teile, die er vorsichtig – und in Erinnerung an Darstellungen der Brücke-Künstler – bearbeitete. Der aller Natur innewohnenden Wesenhaftigkeit kommt er dadurch nahe, ohne ihr eigentliches Wirken – nämlich die Verwitterung und Verdichtung von Materie – zu stören. Eine ebenso schöne wie anrührend nachdenkliche und – wie die anderen auch – eine elementar taktil erfahrbare Arbeit.

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