1500 Schüler schwänzen für das Klima

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1500 Schüler gehen für den Klimaschutz auf die Straße
Was mit dem Schulstreik einer einzigen jungen Schwedin angefangen hat, hat mittlerweile große Wellen geschlagen. Unter dem Titel “Fridays for Future” sind nun auch in Ravensburg 1.500 Schüler auf die Straße gegangen und haben damit für den Klimaschutz demonstriert.
Florian Peking und Franziska Hirschnel und Katarzyna Romer

Etwa 1500 Ravensburger Schüler haben am Freitag die Schule geschwänzt, um für die Umwelt auf die Straße zu gehen. Sie demonstrierten friedlich für eine bessere Klimapolitik, wie zum Beispiel einen schnelleren Kohleausstieg. Die Demonstrierenden folgten dem Vorbild der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg. Sie schwänzt jeden Freitag die Schule, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen.

 Organisator Nico Weck freut sich über die zahlreichen Teilnehmer der Demo.
Organisator Nico Weck freut sich über die zahlreichen Teilnehmer der Demo. (Foto: Florian Peking)

Die Aktion war Teil der Bewegung „Fridays for Future“, die in mehr als 50 deutschen Städten zu Schülerstreiks aufgerufen hatte. Die Kundgebung in Ravensburg wurde unter anderem von Nico Weck organisiert. „Wir wollen Aufmerksamkeit bekommen. Und wir wollen zeigen, dass die Jugend für ihre Zukunft einsteht“, sagt der 19- Jährige.

Jung und laut

Die Demonstration begann um 11 Uhr am Ravensburger Bahnhof. Viele Schüler brachten Plakate und Schilder mit, um ihrer Botschaft Ausdruck zu verleihen. Vom Bahnhof zogen die Jugendlichen über die Charlottenstraße zum Marienplatz. Immer wieder schallte ihre Parole durch die Gassen Ravensburgs: „Wir sind jung, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft raubt!“

 Mit bunten Transparenten taten die Demonstrierenden ihre Meinung kund.
Mit bunten Transparenten taten die Demonstrierenden ihre Meinung kund. (Foto: Paul Martin)

„Ich muss mir von über 50-Jährigen nicht die Zukunft kaputt machen lassen“, sagt Tizio Pfänder, ein Teilnehmer der Demonstration. Den Kohleausstieg halte der 18-Jährige für einen „Witz“. Auch Christian Hofmann, Schüler am Spohngymnasium, sieht Politiker in der Pflicht, mehr für den Umweltschutz zu tun. „Es kann nicht sein, dass die Politik unsere Zukunft bestimmt und sogar ruiniert“, so der 18-Jährige.

Kritische Erwachsene

So manch erwachsener Ravensburger beäugte die die Menschenmasse, die sich zwischen Leder- und Waaghaus eingefunden hatte, kritisch. „Das sind Schüler, die sich von den Eltern jeden Meter mit dem Auto fahren lassen. Und dann kommen sie hierher und demonstrieren gegen den Klimawandel“, sagt eine Passantin.

Andere Erwachsene freuten sich über das Engagement der jungen Leute. Eine Frau sagt, sie finde die Aktion „toll“. „Den Kindern gehört die Welt. Und deswegen müssen wir Erwachsenen auch immer ein Ohr für sie haben. Sie bestimmen mit“, erklärt sie.

Doch auch aus den eigenen Reihen kam leise Kritik. „Wir müssen etwas ändern, nicht nur demonstrieren. Ich glaube, es sind viele Schüler hier, die einfach nur anderen hinterher reden“, sagt ein Schüler, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Bereits im Vorfeld der Aktion war Kritik an der Aktion geäußert worden. So bemängelte etwa der CDU-Ortsverband Ravensburg, dass Schule schwänzen nicht das Klima rette. Die Redner am Marienplatz, allesamt selbst noch Schüler, wiesen diese Kritik entschieden zurück. „Es geht manchmal nicht darum, das Legale zu tun. Sondern darum, das Richtige zu tun“, entgegnet Lachlan Eckardt (18). Gerade ihr Fernbleiben vom Unterricht sei für die Schüler ein wichtiges Mittel, um Aufmerksamkeit für ihre Sache zu bekommen.

Die meisten Schüler auf dem Marienplatz scheinen sich einig, mit der Demo ein Zeichen gesetzt zu haben. „Es ist es wichtig, dass gerade wir, die vielleicht noch nicht wählen können, auf die Straße gehen. Um den Politikern zu zeigen, dass sie etwas bewegen müssen, weil wir es noch nicht können“, sagt Skjöld Almstädt (18), einer der Organisatoren.

Nächste Demo im März

Zu Auseinandersetzungen mit der Polizei kam es bei der Demonstration nicht. Vereinzelte Beamte besichtigten das Geschehen, doch eingreifen mussten sie höchstens, um Platz für die Busse zu schaffen, die über den Marienplatz fuhren. Die Veranstaltung sei friedlich verlaufen, sagt Einsatzleiter Armin Rau. Auch hätten das Organisationsteam und die Ordner der Demo einen guten Job gemacht.

Die Veranstalter hatten ursprünglich nur mit 400 bis 500 Teilnehmern gerechnet. Doch es kamen laut Schätzung der Polizei fast dreimal so viele. „Es ist großartig, dass sich heute so viele Schüler versammelt haben. Wir sind total stolz auf alle, die sich hier zeigen und Stellung nehmen“, sagt Organisator Almstädt.

Auch zukünftig wollen die Schüler nicht locker lassen. Die Organisatoren kündigten für den 15. März die nächste große Demo in Ravensburg an. Sie hoffen, dass beim nächsten Mal sogar noch mehr Menschen kommen, um für den Klimaschutz einzustehen.

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