Bei „Arctic“ geht es um Stellen und Weihnachtsgeld

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Damit die Maschinen bei „Arctic“ in Mochenwangen weiterlaufen treffen sich Geschäftsleitung und Gewerkschaft am Verhandlungstisc (Foto: Arctic)
Adelinde Schwegler

Geschäftsführer Lothar Burchardt hat in der außerordentlichen Betriebsversammlung am Dienstag auf Geheiß des Betriebsrats die Karten auf den Tisch gelegt: Die kleinste der drei Papiermaschinen wird stillgelegt, und es wird ab 19. Juli für eine Woche Kurzarbeit an einer weiteren Papierstraße geben. Außerdem soll die Belegschaft auf die Weihnachts- und Urlaubsgratifikation verzichten. Ein Ansinnen, das der Betriebsrat nicht ohne Weiteres unterschreiben wird. Gewerkschaft, Betriebsrat und Geschäftsführung werden nun in Verhandlungen gehen. „Denn für die Mitarbeiter hier steht wahnsinnig viel auf dem Spiel“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Roland Bodenmüller. Beispielsweise würden manche damit Vorsorgeversicherungen fürs Alter bedienen.

Und er sagt auch, dass die Zulagen im Tarifvertrag festgesetzt sind und nur mit Zustimmung beider Tarifparteien, also Arbeitgeber und Arbeitnehmer, geändert werden können, wenn wirtschaftliche Gründe dies verlangen. Wie gravierend die Situation ist, und ob die wirtschaftlichen Zwänge für Änderungen ausreichen, müssen nun Gespräche ergeben – und dafür müsste die Firma dem Betriebsrat alle notwendigen Zahlen vorlegen. Im Moment bestünden die Informationen nur aus Worten, nicht aus Ziffern.

Die Leute im Dorf sollen nicht länger Angst haben, dass auf diese ersten Hiobsbotschaften weitere folgen und „Arctic“ als internationaler Konzern das Mochenwangener Werk opfern könnte, um innerhalb der generell darbenden Papierindustrie ihre Fabriken in den Mutterländern zu festigen. Dies wäre für Mochenwangen mit der Papierfabrik als größtem Arbeitgeber der Gau. Entsprechend emotionsgeladen war dem Vernehmen nach auch die Betriebsversammlung. Dem Geschäftsführer werde ein neuer Audi A6 vor die Tür gestellt, derweil Familienväter um ihre Gratifikationen bangen, hieß es da. Momentan stehen die Signale wohl auf „hart bleiben“. Die Belegschaft habe schon in früheren Jahren Lohnverzicht geleistet, sagt Bodenmüller und Nachzahlungen bis heute nicht erhalten.

Gewerkschaftsversammlung

Gewerkschaftssekretär Frank Plückelmann von der IG BCE (Bergbau, Chemie, Energie) sieht die Problematik genauso. Allerdings sagt er im Gespräch mit der SZ auch, dass der Blick nicht in die Vergangenheit, sondern zukunftsgerichtet sein muss: „Es geht um viele Arbeitsplätze, die wir halten wollen.“ Nämlich nicht nur um die 14, die durch Stilllegung der Papiermaschine 1 frei werden, sondern auch um die rund 180 verbleibenden Beschäftigten an den anderen Maschinen. Und sei es um den Preis der Öffnungsklausel (Verzicht auf Tarifvereinbarungen). Zur aktuellen Situation habe es ein Gespräch zwischen ihm und der Geschäftsführung gegeben, wonach er zu einer Mitgliederversammlung am 15. Juni in Mochenwangen eingeladen habe. Bei diesem Termin wolle die Gewerkschaft mit den Beschäftigten und Betriebsräten, die in der Mehrzahl Gewerkschaftsmitglieder sind, das Weitere besprechen.

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