Westermayer tritt sein neues Amt „mit Schwung“ an

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Waldemar Westermayer (Foto: Archiv)
Schwäbische Zeitung
Sabine Centner

Wer Waldemar Westermayer am Montag erreichen wollte, brauchte viel Geduld - oder noch mehr Glück. Das Telefon meist besetzt, das Handy ebenso. Jeder wollte ihn sprechen, den frisch nachgerückten CDU-Abgeordneten des Deutschen Bundestags aus Leutkirch. Die Anruferin am Sonntagabend hatte da weniger Probleme: „Gegen 21 Uhr hat mich Annette Schavan angerufen und mir mitgeteilt, dass sie nach Rom wechseln will“ , blickt Westermayer im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung auf die Mitteilung zurück, die sein Leben einigermaßen umkrempeln dürfte. Ab 1. Juli wird er im Deutschen Bundestag Platz nehmen - als einer von insgesamt 311 Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion. „Den Sitzungsplan habe ich schon“, sagt Westermayer, „auf die neue Aufgabe freue ich mich sehr.“

Der 60-jährige Landwirtschaftsmeister war seit September als erster Nachrücker auf der Landesliste der Christdemokraten aus Baden-Württemberg auf Rang 44 platziert, 43 Sitze stellt die CDU aus dem Ländle im Bundestag. Nun, da Annette Schavan als Botschafterin in den Vatikan wechselt, wird es ernst für Westermayer: Er tritt die Nachfolge der ehemaligen Bundesministerin für Bildung und Forschung an, die den Wahlkreis 291 Ulm in Berlin vertritt. Berührungsängste gibt es keine: „Ich kenne Annette Schavan schon lange“, sagt Westermayer, „wir saßen vor zehn Jahren zusammen im Bundesvorstand der CDU.“ In ihrem gut 20-minütigen Telefonat habe sie ihm am Sonntag schon mal einige wichtige Dinge mitgeteilt - etwa, dass sie ihm gern ihr gesamtes Büro in Berlin samt den beiden Mitarbeitern übergeben und ihn auch in ihrem Wahlkreis gebührend einarbeiten möchte.

„Ich weiß, wie der Hase läuft“

Westermayer weiß das zu schätzen „Das ist natürlich ein großer Vorteil, mit einem eingearbeiteten Team beginnen zu können.“ Und auch vor der neuen Aufgabe selbst ist ihm nicht bang: „Wenn man solange in der Politik ist, weiß man schon, wie der Hase läuft und wie man sich einbringen kann.“ Immerhin ist er seit rund 25 Jahren politisch aktiv. Dass er dann Ulm und den Alb-Donau-Kreis vertritt, schließt für Westermayer nicht aus, auch Leutkircher Interessen im Auge zu behalten. Beispiel Krankenhaus: „Ich bin dann näher dran und kann zum Beispiel im Bundesgesundheitsministerium nachbohren.“

Ein Punkt, der auch Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle am Herzen liegt. „Ich finde es toll, dass ein Leutkircher in den Bundestag einzieht. Das ist immer ein Gewinn für eine Stadt und eine Region“, machte er am Montagabend klar „Und ich erhoffe mir noch mal einen Schub in Sachen Krankenhaus, dafür, dass das Modellprojekt kommt. Einen Ansprechpartner zu haben, ist immer gut.“

Der Kontakt mit Leutkirch soll ein enger bleiben, wünscht sich auch Westermayer. „Die Sitzungswoche in Berlin geht immer von Dienstag bis Freitag.“ Das heißt für den Vollblutpolitiker, dass er dem Gemeinderat und dem Kreistag erhalten bleiben möchte: „Ja, ich werde bei der Kommunalwahl wieder kandidieren.“ Schließlich sei er beruflich bald deutlich entlastet: Der 23-jährige Sohn Alexander schließt derzeit sein Studium ab, schreibt bis Ende Mai seine Bachelorarbeit und wird den Hof anschließend übernehmen. „Das ist ein nahtloser Übergang“, freut sich der Vater von fünf Kindern zwischen 17 und 33 Jahren und Opa eines Enkelkinds.

Voraussichtlich am 1. Juli wird Waldemar Westermayer in Berlin vereidigt, dann beginnt seine erste Sitzungswoche. „Ich geh’s mit Schwung an, freu’ mich drauf, auch die Familie steht voll dahinter.“ Und um den körperlichen Ausgleich ist dem künftigen Bundestagsabgeordneten ebenfalls nicht bang: „Am Wochenende kann ich dann meinem Sohn auch mal den Stall machen.“

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