Wenn Schlachtfest ist, dann kommen sie alle

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Wenn Schlachtfest ist, dann kommen sie alle (Foto: Winter)
Teresa Winter

In der Küche des Leutkircher Gasthaus Mohren herrscht Hochbetrieb. Es dampft und bruzelt überall. Manfred Pferdt wendet das Schweinscaree, dann schmeckt er das Rahmwirsing-Linsengemüse ab. „Wir sind sehr gut vorbereitet“, erklärt er. 90 Gäste haben sich zum Schlachtfest am Freitagabend angemeldet. Unter ihnen auch Moderator Frank Plasberg mit seiner Tochter Louisa.

„Schön, dass ihr gekommen seid“, ruft Christine Pferd den Gästen zu. Dann geht es los. Kellnerinnen servieren Bier und kleine Appetitmacher mit Blutwurst und Äpfelstückchen. „Sensationell“, sagt Peter Soelkner, der mit Ravensburger Freunden nach Leutkirch gekommen ist. Der Vetter-Geschäftsführer lebt in San Francisco. Einmal im Monat ist er in Ravensburg. „Solch deftige Hausmannkost gibt es in Amerika nicht. Es ist eine tolle Atmosphäre hier“, fährt er fort.

Während Soelkner spricht, erklingt zünftige Akkordeonmusik im Hintergrund. Die Gäste schunkeln, klatschen und singen mit. Auch Frank Plasberg und seine Tochter sind dabei. Einige Minuten später wird es still. Rudolf Schneider, der Inhaber des Restaurants Remise in Schmidsfelden, betritt den Raum. Er hält eine Tafel mit dem Wort „Ruhe“ in der Hand. Mit lustigen, selbst gereimten Versen stimmt er auf die verschiedenen Gänge ein. Auch auf die sauren Innerrein vom Schwein.

Rustikal gedeckte Tische

Große Schüsseln werden gereicht, aus denen die Gäste schöpfen dürfen. „Das schmeckt sehr gut“, sagt Karlheinz Vogt aus Ravensburg. Seit etwa sechs Jahren kommt er mit seiner Frau Ulrike zum Schlachtfest nach Leutkirch. „Jedes Jahr gibt es andere, tolle Gerichte“, schwärmt sie und greift nach dem Besteck, das liebevoll auf dem rustikal gedeckten Tisch platziert ist. Vor dem nächsten Gang erzählt Winzer Werner Knipser aus der Pfalz etwas über zwei Weine, die er für den Abend ausgesucht hat.

Dann werden Schweinskopfsalätle mit Linsen, Emmer, Gemüse und Rotweinbratwürschtle auf Spitzkraut gereicht. „Als Gag wurden bei diesem Gericht beide Weine verwendet, die der Winzer vorgestellt hat“, sagt Pferdt. Den Gästen schmeckt’s. Die Stimmung ist gut. Es wird gelacht und geschlemmt.

Auch Louisa Plasberg gefällt’s. Ein grünes Dirndl hat die 20-Jährige für den Abend ausgewählt. Mit acht sei sie zum ersten Mal in Leutkirch gewesen, sagt ihr Vater Frank Plasberg. 1975 war er zum ersten Mal hier. „Ich kam mit dem Zug von Köln nach Leutkirch zu einem Vorstellungsgespräch für ein Volontariat bei der Schwäbischen Zeitung“, erinnert er sich. Im Mohren habe er sich damals dann ein Zimmer genommen.

Bei der Hochzeit dabei

„Und die Freundschaft zu früheren Arbeitskollegen und zu Pferdts besteht bis heute. Sie waren sogar auf meiner Hochzeit in Köln.“ Bereits zum achten Mal ist Plasberg beim Schlachtfest dabei. „Mindesten drei Mal im Jahr bin ich in Leutkirch“, sagt er. „Denn hier ist meine Sehnsuchtsheimat.“

Und er werde auch im nächsten Jahr wieder zum Schlachtfest kommen, denn „wenn man den Schlachtfesttermin nicht halten kann, weiß man, dass einem das Leben entglitten ist.“ Neben Plasberg ist auch Jürgen Schulte, Plasbergs Geschäfts-Partner der Fernsehproduktionsfirma Ansager und Schnipselmann, beim Schlachtfest mit dabei. Seit drei Jahren hilft der Hobbykoch in der Küche mit. Und auch Markus Dassel aus Essen, Geschäftspartner von Schulte und gebürtiger Leutkircher, isst beim Schlachtfest mit. „Seit drei Jahren machen wir immer unseren Betriebsausflug nach Leutkirch zum Schlachtfest“, sagt er.

Eine Ode an das Schwein

Nach Bratwurschtcarpaccio mit Senfvinaigrette und Maronisüpple mit Portweinreduktion stehen Currywurstkreationen von Jürgen Schulte auf dem Programm. Bevor der Gang serviert wird, hält Rudolf Schneider eine Ode an das Schwein. „Drei Bio-Schweine mit einem Schlachtgewicht von jeweils 120 Kilogramm wurden zu Würsten und Fleischgerichten verarbeitet“, erzählt er.

Falk Oppel aus Bielefeld lauscht gespannt. „Wir haben ein Haus in Italien und auf dem Weg dorthin übernachten wir immer im Mohren“, sagt er. Am Nebentisch sitz Bernd Walter. Seit 15 Jahren ist er beim Schlachtfest mit dabei. „Es ist einfach toll hier“, erzählt er. Das bestätigt auch Jan Wolber, der in England lebt, und fürs Schlachtfest nach Leutkirch gekommen ist.

Einige Tische weiter genießt Anna Konzelmann aus Dubai das Menü. „Sie feiert hier ihren 14. Geburtstag“, sagt Papa Stephan Konzelmann. „Wir mussten extra aus der Wüst nach Deutschland kommen, weil es bei uns keinen Schnee hat“, erzählt er weiter. Seit zehn Jahren lebten sie dort. Jährlich seinen sie mindestens ein- oder zweimal in Leutkirch oder Isny zu Besuch.

Kurz vor dem servieren des Desserts, einer gesüßten Buttermilchsülze mit Beerenragout und Sorbet, kommt auch Christine Pferdt zum durchatmen. „Vor 16 Jahren haben wir mit unserem Schlachtfest angefangen. Damals waren es ein paar Tische, hauptsächlich mit Männern, in diesem Jahr gibt es die Veranstaltung sogar an zwei Abenden“, erzählt sie. Der Grund: Frank Plasberg war im vergangenen Jahr bei einer Fernsehsendung von Thomas Gottschalk zu Besuch. Dort sagte er, dass er jährlich zu einem Schlachtfest ins Allgäu komme. „Nach dieser Sendung hatten wir sehr viele Anfragen aus ganz Deutschland und haben die Veranstaltung auf zwei Abende ausgeweitet“, sagt Pferdt mit Blick auf den kommenden Tag. „Und deshalbkommen auch morgen wieder 90 Leute, auf die wir uns jetzt schon freuen.“

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