Wenn dieser Leutkircher YouTube-Star auftritt gibt es Tumulte

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Schwäbische Zeitung
Florian Bührer

Leutkirch - Es wurde gedrängelt, geschubst und gekreischt. Kurz vor Ostern stürmten über 2000 Jugendliche die Kölner Domplatte. Als einige von ihnen in Panik gerieten, musste das Ordnungsamt einschreiten und die Lage beruhigen. Verantwortlich dafür war der 16-jährige Marco Strecker aus Gebrazhofen. Ein Jugendlicher, der im örtlichen Musikverein aktiv ist und gerne mit Freunden ins Kino geht. Und der seit etwa vier Jahren im Internet unter dem Namen „itsofficialmarco“ äußerst bekannt ist.

Marco investiert viel Zeit und Arbeit in seine Videos. Manchmal kann es bis zu drei Stunden dauern, bis er mit einem Video zufrieden ist und es dann im Netz teilt. „Je besser die Videos werden, umso beliebter sind sie anschließend bei den Followern.“ Und viele Jugendliche mögen Marcos sympathische Art und seine unterhaltsamen Videos. Auf Instagram folgen ihm etwa 130000 Abonnenten, auf musical.ly über 600000 und auf YouTube scharren sich bereits über 38000 Follower um ihn.

Er postet bis zu drei Videos am Tag. Ihn freut es, wenn er andere damit glücklich machen kann. Im Hintergrund läuft ein Lied und er bewegt sich dazu. Er zwinkert mit den Augen, fährt sich durch die Haare und blickt verschmitzt in die Kamera. Seinen Fans gefällt es. Sie reagieren mit zahlreichen Smileys und kommentieren die Videos mit „Du bist mein Idol“. Wie Iren Schulz, Expertin der Initiative „Schau hin! Was dein Kind mit Medien macht“ der „Schwäbischen Zeitung berichtet, sei dies kein neues Phänomen. „Was früher im Freundeskreis oder bei Familienfeiern stattfand, hat jetzt über die sozialen Medien die größere Bühne bekommen.“

Mit zwölf Jahren versuchte er sich an einem Profil bei Instagram, einem Online-Dienst zum Teilen von Fotos und Videos. Mit „mäßigem Erfolg“, wie er rückblickend sagt. „Ich hatte einfach Spaß daran, darüber mit Freunden zu kommunizieren“ erzählt Marco lachend. Vor etwa zwei Jahren brachte ihn eine Freundin dazu, mit musical.ly zu starten. Von dieser App ist er begeistert. Und viele Leute sind von ihm begeistert.

Musical.ly ist für „Jung und Alt“

Musica.ly wurde 2014 gegründet und durch kurze, selbstgefilmte Clips bekannt, bei denen die Nutzer ihre Lippen synchron zu bekannten Popsongs oder Filmzitaten bewegen. Man kann das Netzwerk als die moderne Mini-Playback-Show bezeichnen. In Deutschland sind aktuell rund 8,5 Millionen „Muser“, so nennen sich die Nutzer, registriert. Zum Vergleich: Der Stuttgarter Tatort lockt durchschnittlich etwa neun Millionen Zuschauer vor den Fernseher.

Geändert hat sich in den letzten Jahren so einiges. Er bewegt seine Lippen immer noch zum Playback. Und seit kurzem postet er auch Videos auf YouTube und lässt seine Follower an seinem Leben teilhaben. Mit solchen Videos ist der eine oder andere schon zu dem geworden, was früher Boybands oder Fußballer waren. Wie viel Geld sich damit verdienen lässt, ist schwer zu sagen. Die Online-Agentur Sumago geht davon aus, dass YouTuber, deren Videos täglich etwa 100000 mal angesehen werden, zwischen 1500 und 5000 Euro im Monat verdienen. Allerdings schaffen das nur die Erfolgreichsten. Marco hat, wie er sagt, „einfach Spaß daran“ und die Einnahmen seien „ein gutes Taschengeld“.

„Schauspielerei ist etwas Cooles“

In seinem neusten Video probiert Marco zusammen mit seiner Freundin Süßigkeiten aus Tschechien. Sogenannte „Candy-Challenges“ sind auf YouTube sehr beliebt und bekommen sehr viele Daumen nach oben – die Währung bei YouTube. So schnell seine Fangemeinde wächst – er wird nicht ewig diese Videos drehen können. Für viele talentierte junge Leute sind Plattformen wie YouTube oder Instagram ein Karrieresprungbrett. Oft fassen sie Fuß in der Musikbranche oder im Schauspielgeschäft. Auch Marco träumt davon. „Schauspielerei ist etwas cooles“, sagt er mit leuchtenden Augen.

Seine Eltern haben da aber auch noch ein Wörtchen mitzureden. Natürlich sind sie mächtig stolz auf ihren Sohn. Die mehreren Hundert Fan-Nachrichten, die ihn und seine Mutter täglich erreichen würden, die mehr als 2000 Fans in Köln, die Hunderttausend Klicks im Internet – all das habe er sich neben der Schule selbst erarbeitet, erzählt seine Mutter. Aber sie denkt auch an die Zukunft ihres Sohnes. Und so fängt Marco nach seinem Realschulabschluss demnächst eine Berufsausbildung zum Industriekaufmann in Bad Wurzach an. Etwas Solides. Wer aber von sich selbst sagt, aufgeben sei keine Option, der behält den Traum von der Schauspielerei gewiss im Hinterkopf.

 

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