Wenn die Malkunst zum Rettungsring wird

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 Heidrun Becker und Dorothea Schrade bei der Vernissage in der Galluskapelle.
Heidrun Becker und Dorothea Schrade bei der Vernissage in der Galluskapelle. (Foto: Otto Schöllhorn)
Otto Schöllhorn

Wärmende Harfenklänge hat es angesichts der winterlichen Temperatur zur Ausstellungseröffnung in der Galluskapelle auf dem Winterberg gegeben, die am Palmsonntag jedes Jahr den Start zum Jahresprogramm des Fördervereins Galluskapelle bildet. Linda Singer spielte Suiten von Pearl Chertok, rhythmisch, fantasievoll. Moderne Klänge mit Schlagrhythmen, eigentlich ungewöhnlich für das Harfenspiel, füllten den Kapellenraum.

Georg Zimmer, Vorsitzender des Fördervereins Galluskapelle, begrüßte eine große Anzahl von Besuchern, darunter die Malerin Heidrun Becker aus Bergatreute, die zum Thema „Meditation“ die vergangenen Monate hinweg die meisten Werke zielgerichtet auf diese Ausstellung hin geschaffen habe.

Über das Wesen der Meditation

Dorothea Schrade, Malerin und Galeristin, hielt die Laudatio, sprach zunächst über das Wesen der Meditation und stellte sodann die Hintergründe dar, wie Becker, einstmals Frisörmeisterin mit eigenem Salon, durch die Krankheit und zehnjährige Pflege ihres Mannes zum Kunstschaffen fand, wie dieses zum Rettungsring für sie wurde. Sie nahm Unterricht in künstlerischer Gestaltung und baute Räume zu einem Atelier um. Fortan experimentierte sie mit alten Techniken und entwickelte ein Verfahren, um Leuchtkraft, Tiefe und Lebendigkeit zu erzielen, indem sie Schichten von Wachs über Acryl legt. Auch setzt sie sich heute mit der Technik der Glasmalerei auseinander, die eine besondere Ausstrahlung ermögliche. Malen ist für sie zu einer Formsprache geworden, die sie strukturell und spirituell auf Ihrem Lebensweg begleitet.

Die Kreuzform, Senkrechte und Waagrechte bestimmen die kreative Arbeit von Becker und überwiegend auch die Werke, die in der Ausstellung gezeigt werden. Mit kompositorischem Feingefühl setzt die Malerin die Achsen, baut in den Zwischenräumen eine magische Innenwelt auf, füllt sie mit abstrakten und gegenständlichen Formen und Symbolen, die wiederum biblisch-religiöse Motive assoziieren. Besondere Stellen hebt sie mit Blattgold hervor. Auch Blau ist eine ihrer markanten Farben, die oftmals in unterschiedlichen Tonwerten, meistens als Hintergrund, in Erscheinung tritt.

Der Besucher kann sich in die Bild-und Formensprache hineindenken, kann Fenster entstehen lassen, die Blicke in eine Fantasiewelt eröffnen. Die Bilder, so Laudatorin Schrade, seien auf einem meditativen Weg entstanden, den nun auch die Betrachter der Werke nachvollziehen könnten. Vereinsvorsitzender Zimmer bedankte sich bei den Akteuren mit Blumengeschenken und stellte noch das Jahresprogramm in der Galluskapelle vor. Auf Wunsch des Publikums trug Singer zum Ausklang ein Harfenstück vor, diesmal mit melodisch-zartfließenden Läufen – wofür es anerkennenden Beifall gab.

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