Weiter Wirbel um Haftbefehl-Auftritt auf Festival

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Das Festival wird wie 2017 (unser Foto) stattfinden. Die Stadt drängt aber darauf, dass auf keinen Fall antisemitische oder fra
Das Festival wird wie 2017 (unser Foto) stattfinden. Die Stadt drängt aber darauf, dass auf keinen Fall antisemitische oder frauenfeindliche Texte auf der Bühne interpretiert werden dürfen. (Foto: Archiv- Simon Nill)
Redaktionsleiter

Trotz des geplanten Auftritts des umstrittenen Rappers Haftbefehl stellen der Gemeinderat und auch die Leutkircher Stadtverwaltung das Highmatland-Festival nicht generell infrage. Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle machte am Dienstag aber im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ deutlich, dass bei der Open-Air-Veranstaltung am 27. Juli auf der Wilhelmshöhe auf keinen Fall Texte mit antisemitischen oder frauenfeindlichen Passagen geduldet werden. Darauf werde er auch bei einem Treffen mit Jugendhaus-Leiter Dietmar Müller drängen.

Integration und Gleichberechtigung sind unverrückbare Eckpunkte des politischen Zusammenlebens in unserer Stadt“

sagte Henle, der vom Gemeinderat autorisiert worden war, über den Verlauf der nicht öffentlichen Sitzung am Montagabend zu berichten. Tenor sei gewesen, dass die Veranstaltung Unterstützung verdient, „die Jugendlichen haben in der Vergangenheit viel Gutes auf den Weg gebracht“, betonte Henle. Ein formeller Beschluss wurde zwar nicht gefällt. Das Gros des Gremiums habe aber den Standpunkt vertreten, das Engagement des türkischstämmigen Rappers aus Offenbach sei problematisch. Henle sprach von einem Fehler.

Haftbefehl war in der Vergangenheit mehrfach durch Texte mit antisemitischen Tendenzen aufgefallen. „Es gehört zur DNA unserer Demokratie, dass so etwas nicht akzeptiert wird“, stellte Henle fest. Andererseits billige er auch dem Rapper das Recht zu, Fehler einzusehen und Meinungen zu korrigieren. Seine Erwartung sei, auf alle Künstler einzuwirken, dass auf der Wilhelmshöhe keine Anstoß erregenden Inhalte auf die Bühne kommen. Das könne durchaus vertraglich geregelt werden.

Gottfried Härle als Privatperson und das Bürgerforum waren zuletzt aus der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), die vor zwei Jahren zur finanziellen Absicherung des Festivals gegründet worden ist, ausgetreten, falls Haftbefehl auf der Besetzungsliste bleibt. Berthold König, Mitglied der Fraktion des Bürgerforums, und Elobau-Chef Michael Hetzer allerdings stehen zu ihrem Engagement in der GbR. Härle und König hätten vor dem Gemeinderat ihre Beweggründe erläutert.

„Junge Musik hat sehr wohl das Recht zu provozieren“, erklärte Henle gestern. „Doch es gibt Grenzen, und die sind in einigen Texten von Haftbefehl klar überschritten“, meinte er. Sorge bereite ihm aber der erkennbare Trend in der Hip-Hop-Kultur, vermehrt antisemitische Inhalte zu publizieren. Das hätten in den vergangenen Wochen die Proteste gegen die Verleihung der Echo-Preise an die Rapper Kollegah und Farid Bang gezeigt. So führte die Rapperin Reyhan Sanin mit dem Künstlernamen Lady Bitch Ray in einem Beitrag in der „Süddeutschen Zeitung“ aus: „Bei den Männlichkeitsbildern des Gangsterraps gehören ein reaktionärer, gewaltbereiter Islamismus und Antisemitismus eng zusammen. Israelkritik und Judenhass gehen bei vielen dieser Rapper undifferenziert ineinander über.“

Echo 2018
Campino von den Toten Hosen bezog bei der Echo-Verleihung Stellung und kritisierte die Nominierung und Auszeichnung von Kollegah und Farid Bang. (Foto: Jörg Carstensen / DPA)

Als größter Kritiker trat bei der Verleihung der Echo-Preise Campino von den Toten Hosen auf. Die Düsseldorfer starteten ihre Karriere in der Punkszene, durchaus provokant. Hans-Jörg Henle verbindet damit persönliche Erfahrungen. Als Jugendlicher organisierte er als aktives Mitglied im Jugendhaus Heidenheim ein Konzert mit den Toten Hosen. „Es ist uns dann über den Kopf gewachsen“ erinnert er sich, weil Hunderte Punker auf die Ostalb strömten und teilweise so aggressiv auftraten, dass eine Staffel der Bereitschaftspolizei aus Göppingen Sicherheit und Ordnung wiederherstellen musste.

Ähnliche Vorfälle blieben bei den beiden Highmatland-Festivals 2016 und 2017 aus. Auch deshalb bricht Henle nicht den Stab über die Macher des Jugendhauses. Ins Gewissen reden wird er diesen in den kommenden Wochen dennoch.

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