„Was aber blieb, war immer die Liebe“

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 Alfons Notz (links) überbringt die Glückwünsche der Stadt und des Ministerpräsidenten.
Alfons Notz (links) überbringt die Glückwünsche der Stadt und des Ministerpräsidenten. (Foto: Schweigert)
Karl-Heinz Schweigert

Das Ehepaar Gisela und Richard Sitzler hat in Leutkirch seine eiserne Hochzeit gefeiert.

„So lange wir jeden Tag aufstehen können ist alles okay“: Diesen bescheidenen Wunsch hatten Gisela und Richard Sitzler bereits vor fünf Jahren, als ihnen der Erste Ehrenamtliche Vertreter des Oberbürgermeisters, Wolfgang Wild, die Glückwünsche zur Goldenen Hochzeit überbrachte. Und nun trifft man die „Eisernen Hochzeiter“, die sich vor 65 Jahren das Ja-Wort in der Dreifaltigkeitskirche gegeben hatten, wie wenn es erst gestern gewesen wäre, genauso geistig und körperlich fit an.

„Aber einen kleinen Durchhänger oder ein Schläfchen am Nachmittag gönnen wir uns auch schon“, so mit einem Schmunzeln die rüstige End-Achtzigerin Gisela, wie auch Gatte Richard, der vor kurzem schon seinen 90. Geburtstag feiern durfte. Das Geheimnis ihres Lebenselixiers liege in ihrem festen Tagesablauf mit „Ordnung und Disziplin“, an dem sie immer zufrieden und in Bewegung bleibend festhalten.

Nach der morgendlichen Gymnastik und dem Frühstück fährt Richard „ins Gschäft“, dem Friseursalon, der vor 25 Jahren an Sohn Uwe übergeben wurde. Bei Bedarf kommt auch Gisela mit dem Bus nach, die dann auch das vorgekochte Mittagessen („Er dreht das Fleisch und ich kümmere mich um das Gemüse“) „für die Mikro“ dabei hat. Im Winter werden die Sitzlers, die sich rundum selbst versorgen können, wöchentlich in die Sauna gehen, und bis heute frönen sie zweimal in der Woche der Leidenschaft des Rommé-Spiels. Die dann gut gefüllte Kasse wird einmal im Jahr für die Finanzierung eines mehrtägigen Ausfluges geleert.

Informiert durch die Tageszeitung und das Fernsehen nimmt das Jubelpaar aktiv am Geschehen „im Städtle“ teil: So wünschen sie sich unter anderem seit langem „eine autofreie Innenstadt und ein anderes Straßenpflaster“, denn „darüber beklagen sich alle Leute“. Bescheiden sind die eisernen Hochzeiter in ihren Wünschen geblieben: „Dass man morgens gut aus dem Bett kommt“, „den einen oder anderen Ausflug in die Berge und eventuell eine Mosel-Kreuzfahrt machen kann“.

Beim gemeinsamen Fest mit ihrer Familie (zwei Söhne, eine Tochter und vier Enkel) hat Gisela Sitzler mit selbstverfassten, wohlgeformten Versen das erfüllte Leben beschrieben und auswendig vorgetragen: „Es ist nicht zu glauben, aber wahr: Wir sind heute seit 65 Jahren ein Paar. Wo ist nur die Zeit geblieben? Ich weiß: Bei Arbeit, Kinder, Sport und Vergnügen. Es gab auch manche Stürme im Alltagsgetriebe. Was aber blieb war immer die Liebe. Nun können wir noch hoffen eine Weile miteinander zu schaffen. Und müssen wir dann einmal gehen, dann sagen wir: Das Leben war doch schön!“

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