Vom Allgäu in die ganze Welt: Das zog zwei junge Leutkircherinnen nach Japan

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Frau sitzt an einem Tisch, auf dem Pflanzen stehen
Sabrina Paulenz hat ein Auslandsjahr in Japan verbracht. (Foto: Fotos: YFU)
Schwäbische Zeitung

Zwei Schülerinnen des Leutkircher Hans-Multscher-Gymnasiums sind seit März für ein Auslandsjahr in Japan. Im Rahmen der SZ-Serie „Vom Allgäu in die ganze Welt“ erzählen Sabrina Paulenz und Anastasia Schmakov in einem Interview unter anderem, warum sie sich gerade für Japan entschieden haben, wie der Schulalltag dort ist und was sie bisher in Japan besonders witzig oder komisch fanden.

Was hat euch auf die Idee gebracht ein Auslandsschuljahr zu machen? Wie haben eure Familien darauf reagiert?

Sabrina: Unsere beste Freundin hat schon in der siebten Klasse angekündigt, dass sie ein Auslandsjahr machen möchte. Zu Ende der Achten habe ich dann selber angefangen Interesse zu zeigen. In diesen und auch in dem Jahr darauf hat uns unser französisch Lehrer immer wieder von seiner Zeit im Ausland erzählt, was mich auch motiviert hat mich für eins zu bewerben. Als ich es meinem Vater dann erzählt hatte, hat er ganz gelassen reagiert und mich ermutigt eins zu machen.

Anastasia: Ich wollte schon immer mal für eine längere Zeit alleine ins Ausland und das am Besten noch vor dem Abitur. Da viele meiner Freunde ein Auslandsjahr machen/gemacht haben, dachte ich es wäre die perfekte Möglichkeit meinen Traum zu verwirklichen. Außerdem wollte ich unbedingt noch eine Sprache lernen und mich als Person weiterentwickeln.

Wieso ist es Japan geworden? Wo lebt ihr dort: in einem Dorf oder in einer Stadt?

Sabrina: Japan ist ein sehr interessantes Land. Viele Dinge sind hier anders und ich wollte einfach mal gerne erfahren wie es sich hier so lebt. Ich hab mich vor allem für das japanische Schulleben interessiert. Ich lebe in der Präfektur Shiga am größten See Japans und meine Stadt heißt Omihachiman. In der Stadt gibt es einen Fluss, der wegen den traditionellen Häusern neben dran, als Kulisse für viele, vor allem traditionelle, Filme dient.

Anastasia Schmakov hat ein Auslandsjahr in Japan verbracht.
Anastasia Schmakov hat ein Auslandsjahr in Japan verbracht. (Foto: YFU)

Anastasia: Ich wollte nach Japan weil es ein Land ist in dem praktische Technologie und traditionelle Kultur ausgeglichen sind. Ich lebe in der Stadt Yonago, sie liegt direkt am Meer und ist die zweitgrößte Stadt in Japan's kleinster Präfektur Tottori. Obwohl die Stadt 150.000 Einwohner hat wird sie von den Japanern als Kleinstadt bezeichnet, was mich sehr überrascht hat. Die Menschen in Yonago lieben Mount Daisen, das ist ein Berg hier in der Nähe und man kann ihn hier von fast überall sehen.

In was für einer Gastfamilie seid ihr?

Sabrina: Meine Gastfamilie besteht aus einem Vater, einer Mutter, einer etwas älteren Gastschwester und einem Kater. Mein Gastvater arbeitet in einer großen Firma und meine Gastmutter als Kosmetikerin. Wir verstehen uns ziemlich gut.

Anastasia: Die ersten vier Monate habe ich bei einer 70-jährigen Frau gelebt. Sie war früher mal Englisch Lehrerin aber ist jetzt in Rente, gibt aber trotzdem ein paar mal die Woche Englisch Unterricht für ältere Leute. Sie war die einzige Person in meiner Gastfamilie und wir haben zu zweit in einem ihrer zwei, aneinandergereihten Häuser, gelebt.

Jetzt bin ich mitten im Gastfamilienwechsel und lebe für einen Monat bei meinem Area Representative/YFU Betreuer bevor ich dann in meine neue Gastfamilie umziehe. Meine neue Gastfamilie hat viel mehr Familienmitglieder und sie besitzen einen Matcha-Shop. Ich habe eine Gastmutter, einen Gastvater, eine Gastoma, eine kleine und soweit ich weiß auch eine ältere Gastschwester.

Ich habe auch einen 20-jährigen Gastbruder aber der ist vor kurzem nach England gezogen weil er dort Work and Travel macht, dort bleibt er jetzt für 2 Jahre. Ich freue mich schon auf meine neue Gastfamilie!

Wie sieht der Schulalltag dort aus?

Sabrina: Meine Schule ist eine Privatschule in Omihachiman. Ich bin in einer International Communication Class, dass heißt, dass ich mehr Stunden Endlich habe als in anderen Klassen. Ich hab 7-8 Stunden Schule plus etwa jeweils zehn Minuten am Anfang und am Ende des Tages für Gebete, da meine Schule eine christliche Schule ist. Die Leute in meiner Klasse sind aller offen und voller Energie. Ich verbringe auch außerschulisch viel Zeit mit ihnen.

Anastasia: Ich gehe auf die Yonago Nishi High School, in das zweite Jahr was für uns die 11te Klasse wäre. Meine Schule beginnt morgens um 8.30 Uhr und endet meistens Nachmittags um 15.35 Uhr außer ich muss länger bleiben oder habe einen Club in den ich gehen muss. Montags gehe ich nach der Schule noch in den ESS-Club, ESS steht für English Speaking Society und es ist ein Club in dem wir auf englisch reden und englische Spiele spielen und Filme auf englisch schauen.

Meine Freunde haben leider außerhalb der Schule nicht sehr viel Zeit für mich weil die meisten Clubs hier in Japan jeden Tag für mehrere Stunden besucht werden, auch am Wochenende.

Was war bisher euer schönstes Erlebnis in Japan?

Sabrina: Im April hatten wir zwei Austauschschülerinnen aus Tasmanien, mit denen ich mich angefreundet hab, an der Schule. Weil sie nur für einen Monat da waren, haben meine Klassenkameraden und ich viel mit ihnen gemacht. Wir sind zum Beispiel zu Karaoke gegangen oder ins Kino und haben auch eine Barbecue Party veranstaltet.

Anastasia: Ich habe mehrere schöne Erlebnisse. Letztens bin ich mit einer Austauschschülerin aus Finnland in die Mall gegangen und wir haben einfach nur den Tag zusammen verbracht, waren im Kino und haben Udon Nudeln gegessen.

Dieses Wochenende habe ich bei einem älteren Paar verbracht und sie waren mit mir in einem Detective Conan Museum und Nachts sind wir zum Meer gegangen um ein Hanabi (Feuerwerk) anzuschauen. Am Tag danach waren wir in Matsue in einem Kunstmuseum und haben uns eine Kunstausstellung mit alten Bildern von berühmten japanischen Künstlern angeschaut.

Was war/ist für euch besonders fremd? Was besonders witzig oder komisch?

Sabrina: Besonders fremd war mir hier so gut wie alles, natürlich. Mittlerweile hab ich mich gut eingelebt, und es gibt auch nichts was ich nicht schon in Deutschland gesehen hab. Oder generell nicht schon wusste.

Besonders witzig ist es, wenn ich mit meinen Freunden rede. Da ich mit so ziemlich null japanisch Kenntnissen hierher gekommen bin sind die Unterhaltungen meist ein Mix aus Englisch und Japanisch.

Anastasia: Was ich sehr komisch hier fand war, dass die Jungs und Mädchen in der Schule so viel Abstand voneinander halten wie möglich. Ansonsten hatte ich eigentlich keinen Kulturschock. Was ich immer sehr witzig finde ist die Reaktion der Japaner auf meine langen Haare und meine weiße Haut, sie finden das unglaublich schön. Was ich jedoch komisch finde ist, dass 'Du hast eine hohe Nase' hier ein Kompliment ist.

Was vermisst ihr am meisten?

Sabrina: Ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals sagen würde aber am meisten vermisse ich tatsächlich die deutsche Schule und den Schuldruck.

Anastasia: Ich vermisse ein wenig meinen Alltag in Deutschland weil er so anders ist als der in Japan. Ich vermisse es auch jeden Morgen aufzustehen und selber meine Kleidung für die Schule auszusuchen weil ich hier in Japan eine Schuluniform habe.

Ich stimme Sabrina auch zu, ich vermisse den Schuldruck den ich in Deutschland hatte auch sehr, hier in Japan muss ich mich nämlich in der Schule nicht wirklich anstrengen weil ich keine Noten bekomme.

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