Viel Applaus beim Konzert der Stadtkapelle

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Hans Reichert

Beim Konzert der Stadtkapelle in der Festhalle hat der Applaus für das Jugendblasorchester lang angedauert, bis alle Mitwirkenden auf der Bühne waren. Schon die große Zahl zeigte die erfolgreiche Arbeit der Jugendmusikschule, deren Leitung Stadtmusikdirektor Wolfgang Halder inne hat. Beim Konzert sind verdiente Mitglieder für insgesamt 180 Jahre Dienst in der Stadtkapelle ausgezeichnet worden, darunter Klarinettist Albin Marx für 60 Jahre.

Gebannt, höchst aufmerksam folgten die jungen Instrumentalisten den klaren und fordernd gegebenen Einsätzen ihres Meisters. Kräftig griffen die Bässe bei den Höhepunkten aus dem Soundtrack von „Avatar“ ein. Strahlend das Trompetensolo „Nächtliche Tränen“, ein Arrangement von Markus Mikusch, der unter anderem auch die Musikkapelle Hauerz leitet. Tim Futscher erreichte mit seinen Glissandos mühelos triumphale Höhen, vom Orchester einfühlsam begleitet. Weiter ging es mit einem Stück der Schweizer Gruppe Fääschtbänkler. Hier gaben die Musikanten auch ihr Bestes mit der Stimme. Kräftig sangen sie „Ein Leben lang…“.

Einst war es der Dirigent von Reichenhofen und Schloss Zeil, der legendäre Xaver Lerch, bei dem Albin Marx aufwuchs und Klarinette lernte. Seit 1963 ist er mit dem Fahrrad von Herbrazhofen bei Wind und Wetter zu den Proben ins Schulhaus am Oberen Graben gefahren. In all der Zeit bis heute hat er kaum eine Probe oder einen Auftritt versäumt. Die drei Töchter sind auch bei der Musik.

„Für viele junge Musikanten ist Albin Marx ein Vorbild an Pflichterfüllung,“ lobte Klaus Wachter vom Kreisverband. Mehrere Dirigentenwechsel habe Marx erlebt, und immer sei er der Stadtkapelle dabei geblieben. Der städtischen Einrichtung habe er treu gedient. Der oberste Dienstherr Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle hat es wohlwollend verfolgt.

Klaus Wachter hat selten so eine hohe Auszeichnung zu vergeben. „Es ist die Wertschätzung, die heute gefragt ist, wenn man mit Menschen zu tun hat,“ sagte er in seiner Ansprache. „Ich seh’, mit welcher Leidenschaft und hohem persönlichen Einsatz hier musiziert wird!“ Leutkirch habe in der Stadtkapelle ein Magnet für das Kulturleben der Region. Geehrt wurden außerdem Katrin Hegele (10 Jahre), Florian Kimmerle (10 Jahre), Tanja Pfeffer (10 Jahre), Luis Hutter (20 Jahre), Daniel Spohr (20 Jahre) und Thomas Utz (40 Jahre).

Leuchtend rote kleine Boxhandschuhe gibt es als Geschenk für Wolfgang Halder, speziell für das nächste Stück „Gonna Fly Now“ über die Boxlegende Rocky. Die Treffer der Boxer hallten in den Bongos wider, schwere Kracher im Schlagzeug markierten den Krafteinsatz der Boxchampions. Halder dirigierte seine Leute exakt und feinfühlig. Sie belohnten dies und folgten den Gesten aufmerksam. Boxhandschuhe brauchte er sicher nicht.

Mit vielen solistischen Einsätzen (Bariton Roland Mahr) präsentierte die Stadtkapelle eine Auswahl von „The Woman in White“. Andrew Lloyd Webber hat dieses Erfolgsmusical sehr „operatic“ und orchestral fordernd geschrieben. Kein Augenblick an Eintönigkeit oder gar breiiges Gegurke. Die Bearbeitung durch den so erfahrenen Arrangeur Johan de Meij wurde so lebendig gespielt, man meinte sich in einem der großen Musical-Theatern des West Ends in London.

Ebenso interessant das Arrangement von James Barnes über „Der Zauberer von Oz“. Ein Wirbelsturm in Kansas bedrohte eine Farmersfamilie. Der Kampf mit der Naturgewalt spiegelte sich im Orchestergeschehen (Tuba-Solo von Felix Wurm) bis sich der Sturm legte und der Blick zum Regenbogen am klaren Himmel ging und zu „Somewhere over the Rainbow“. Auch Märsche gehörten zu einem Herbstkonzert, diesmal „Euphoria“ und „Tiroler Adler“.

In seinem besinnlichen Schlusswort richtete Wolfgang Halder den Wunsch ans Publikum: „Hektik aus der Zeit nehmen, das Zusammensein genießen und eine besinnliche Weihnachtszeit genießen.“ Die Stadtkapelle verabschiedete sich in den Advent mit der Hymne von Dietrich Bonhoeffer „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.“

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