Vertrautes in neuem Gewand: Alte Meister auf 88 Tasten

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 Würzbuger Klaviertrio und dazu der Pianistin Anna Walachowski vom gleichnamigen Klavierduo.
Würzbuger Klaviertrio und dazu der Pianistin Anna Walachowski vom gleichnamigen Klavierduo. (Foto: Helmut Littschwager)
Helmut Littschwager

Vertrautes in neuem Gewand, das vermag Ohren zu öffnen. So geschah es gleich zu Beginn, als das Würzburger Klaviertrio zusammen mit Anna Walachoski vom gleichnamigen Klavierduo Franz Schuberts „Unvollendete“ in einer Bearbeitung anstimmte. Was Kammermusik doch bewirken kann: Alle kennen wir Schuberts h-Moll-Symphonie. Doch so klar und nah geriet das zu einer bereichernden Begegnung mit Schuberts Moll-Melancholien, einem unmittelbareren Erleben der düsteren Intensität, beispielsweise der schroffen Übergänge zwischen den Hauptthemen in der Exposition des Kopfsatzes.

Nun, die zweite Hälfte des Duos, die Pianistin Ines Walachowski, setzte sich dann beim sechshändigen „Romance und Valse“ von Sergej Rachmaninow zu ihrer Schwester Anna und zu Katharina Cording an den Bösendorfer Flügel. Höchst brillant teilten sie sich die 88 Tasten und förderten spätromantisch Gewürztes zu Tage. Anfangs apart und elegisch, im Walzer dann wirbelnd und ausgelassen. Ganz in ihrem Element waren die Polinnen Anna und Ines Walachowski bei Antonín Dvoraks zwei „Slawischen Tänzen für Klavier zu vier Händen“.

Carl Czerny ist mit seiner Schule der Geläufigkeit bei Klavierspielerinnen nicht nur beliebt. Seine Bearbeitung von Wolfgang Amadeus Mozarts Ouverüre zu „Le nozze di Figaro“ für Piano zu sechs Händen hält dem Original nicht wirklich stand. Aber auch eine „Zirkusnummer“ hat ihren Reiz und macht aufmerksam, wie Musik sich verkleiden kann.

Das wusste auch der Verleger von Felix Mendelssohn Bartholdy, als er den Komponisten bat, von seiner 1. Symphonie gleich eine Bearbeitung für Klavier zu vier Händen, Violine und Violoncello anzufertigen. In Ermangelung von Tonträgern war das damals eine beliebte Möglichkeit, durchaus kaufmännisch zu profitieren und natürlich Orchesterstücke dergestalt im Kämmerlein nachspielen zu können: Alle Sinfonien großer Meister erschienen zumindest auch in vierhändigen Pianoversionen.

Schubert komponierte sein Adagio „Notturno“ hingegen ganz original für Klavier, Violine und Violoncello. Mit seiner späten „Deutsch-Verzeichnis“-Nummer lässt dieses Trio erahnen, dass der 30-Jährige bereits von unheilbarer Krankheit gezeichnet war; immer wieder verschattet und geheimnisumflort klingt diese Musik trotz seines unbändig virtuosen Klavierparts.

Cellist Peer-Christoph Pulc kümmerte sich ausdrucksstark um die Klang-Grundierung des wunderschönen Werkes. Als Zugaben erfreuten das Publikum zwei eigene Bearbeitungen der fünf jungen Musiker. Zum einen ein Ungarischer Tanz von Johannes Brahms und als „Rausschmeißer“ schließlich Mozarts Marsch „Á la Turca“ für sechs Hände am Klavier.

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