Unlackiert, ungeniert und unplugged

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 Außergewöhnlich brillante Blasmusik gab es von jedem einzelnen Ensemblemitglied, allen voran Lokalmatador Bernd Geser (vorne li
Außergewöhnlich brillante Blasmusik gab es von jedem einzelnen Ensemblemitglied, allen voran Lokalmatador Bernd Geser (vorne links) am selbstgebauten Bariton, beim Solo mit Moderator Lukas Weiss am Flügelhorn. (Foto: Carmen Notz)

Ein wahrer Lichtblick am verregneten Lichtmeß-Sonntag ist das Konzert des jungen Ensembles Blechverrückt im Bocksaal gewesen. Etwas ungewöhnlich, ja geradezu in intimer Atmosphäre, fühlte sich das Blasmusikkonzert zu dieser Stunde an diesem Ort an, wo doch diese fetzigen und sehr charmanten Lederhosen-Jungs eigentlich vor Tausenden Besuchern im Festzelt spielen oder auch mal im Fernsehen.

Für beide Seiten fühlte es sich gut an und was die rund 80 Besucher, darunter viele Musikanten und Fans zu hören bekamen, war erstklassige Blasmusik, wie versprochen „unlackiert und ungeniert“ und dazu unplugged, also ohne technische Hilfsmittel, was die leidenschaftlichen Vollblutmusiker ohnehin nicht nötig hätten. Sechs mal Blech und Schlagzeug zauberten fast gar Egerländer- Orchestersound, präsentierten ein Michael-Jackson-Medly ebenso ungeniert wie Brass vom Feinsten.

Virtuose Einlagen, das Wechselspiel zwischen rasant-fetzig und zart-einfühlsam gekonnt, die Lautstärke sehr kontrolliert, in Harmonie vereint wie aus einem Guss und oft nur mit kurzem Augenkontakt „dirigiert“, diese Perfektion beeindruckte. Die „glorreichen Sieben“ aus Bayern und Allgäu-Schwaben, zwischen Diepoldshofen und Augsburg daheim, zwischen Mitte 20 und Mitte 30 in fescher Tracht, überzeugten ihr Publikum, wobei die meisten zum ersten Mal ihr „blechverrücktes Konzert“ erleben durften.

Schöne Erinnerungen an die traditionelle böhmische Blasmusik gab es mit fast vergessenen Titeln aus den Zeiten des „Urvaters“ Ernst Mosch, bestens arrangiert auf die nur sieben Musiker von Blechverrückt. Dank dem jungen Komponisten Alex Stütz, Trompete und Flügelhorn beim Ensemble, durfte man viele eigene Kreationen genießen, manches nur wenigen Wochen alt und druckfrisch. Aus dessen „Notenmanufaktur“ mit Riedblick kamen Polkas, Konzertmärsche, Balladen, teils mit Solo-Einlagen einzelner Musiker.

Moderator Lukas Weiss stellte seine Musikerkollegen amüsant vor, darunter einen, der in Leutkirch schon bestens bekannt ist: Bernd Geser aus Diepoldshofen, seines Zeichens Instrumentenbauer und natürlich spielte er brillant auf dem selbst gefertigten Tenorhorn, mit kleiner Büffelhorn-Verzierung. Frisch verheiratet zeigte sich Bandorganisator Andy Seger und sein Ehering glänzte logischerweise mehr als sein unlackiertes Bariton. Johannes Jäger alias JJ gab den Rhythmus, setzte Trommelwirbel und typisch böhmische Akzente.

Scheibchenweise gab Lukas mehr aus dem Nähkästchen preis, auch das Datum Ostersonntagabend, wenn man Blechverrückt bei der Sendung „Wirtshausmusikanten“ im bayrischen Fernsehen erleben kann. Mit viel Beifall und einigen Zugaben endete ein besonderer Abend, den die sympathischen Blechmusiker ganz exklusiv den Leutkirchern geschenkt haben.

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