Trotz Sturmschäden bleibt der Stadtwald rentabel

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Ein Vollernter bearbeitet Schäden im Leutkircher Wald.
Ein Vollernter bearbeitet Schäden im Leutkircher Wald. (Foto: Simon Nill)
Herbert Beck
Redakteur

Vor allem die heftigen Sturmschäden bereiten im Leutkircher Stadtwald Sorgen. „Es ist schon zum Heulen, was der Wind alles anrichtet“, gestand Stadtförster Karl-Josef Martin am Montag vor dem Gemeinderat ein, als er dem Gremium den Haushaltsabschluss für 2017 und die Planungen für 2018 präsentierte.

Nun fällt die Bilanz für 2017 aus wirtschaftlicher Sicht mehr als zufriedenstellend aus. Der Stadtwald sei ein rentables Unternehmen, führte Martin aus. Das zeigten auch die Ergebnisse der vergangenen fünf Jahre. Im Schnitt wurde ein Überschuss in Höhe von 268 000 Euro erzielt, im Jahr 2017 waren es sogar 274 000 Euro – trotz der kurzfristig nach dem Sturmtief „Kolle“ im August angefallenen Mehrarbeit.

Allein nach diesem Unwetter fielen 2570 Festmeter Sturmholz an. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr auf den 860 Hektar Stadtwald 11 836 Festmeter Holz eingeschlagen. Darunter fielen auch 1173 Festmeter wegen Insektenbefalls und rund 700 Festmeter Esche wegen Pilzbefalls als Folge des Eschentriebsterbens.

Auch im laufenden Jahr muss voraussichtlich mehr Holz eingeschlagen werden, als es Martin lieb ist. Kalkuliert hat er mit 8500 Festmetern. Schon Ende April sind aber rund 5000 Festmeter angefallen. Die Sturmtiefs „Burglind“ und „Friederike“ zum Jahresbeginn setzten dem Wald schon wieder außerplanmäßig heftig zu. Auf eine Nachfrage von Alois Peter (CDU) meinte Martin, die Preise und die Nachfrage seien stabil. Nicht gelingen werde voraussichtlich, das Schadholz schnell genug aus dem Wald zu bekommen. Wegen des überwiegend frostfreien Winters und der Nässe zu Jahresbeginn sei erst im März mit der Aufarbeitung des Sturmholzes begonnen worden, um „Schäden an Boden, Bestand und Wegen zu minimieren. Wir werden Probleme mit Insekten bekommen“, meinte er. Als Ausgleich für die vielen Fällungen seien im Frühjahr rund 5000 Pflanzen gesetzt worden. Eine erste Analyse zeige, dass insbesondere die Nadelbäume Douglasie, Lärchen und Fichte aber anfällig seien.

Wichtig für Naherholung

In der Unterlage führte Karl-Josef Martin auch Vorteile des Stadtwaldes auf, die nicht in Geld auszudrücken seien. Er nennt Faktoren wie die Naherholung, den Naturschutz und die Luftreinhaltung. Der große Stadtwald sei für Leutkirch eine Art von „Glücksfall“. Kosten in Höhe von rund 14 000 Euro fallen demnach aber für die Instandhaltung des Trimm-Dich-Pfades, pflegerische Maßnahmen auf der Wilhelmshöhe und die Sauberhaltung des Waldes an.

Das große Thema in den kommenden Monaten wird aber sein, wie sich die Stadt Leutkirch in Zukunft bei der Holzvermarktung generell aufstellen wird. Vieles deutet darauf hin, im Zusammenarbeit mit anderen Kommunen eine neue Vermarktungsgesellschaft zu gründen. Ein Urteil des Bundeskartellamtes zwingt dazu, auf Landesebene die Vermarktung und die Bewirtschaftung des Waldes ganz neu zu organisieren.

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