Tempo 30: Nutzlos und echt nervig?

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 Auch in der Memminger Straße gilt nun ab Schleifweg stadteinwärts Tempo 30.
Auch in der Memminger Straße gilt nun ab Schleifweg stadteinwärts Tempo 30. (Foto: Steffen Lang)
Redakteur Bad Wurzach

Mehrheitlich auf wenig Gegenliebe stößt im Netz die Einführung einer ganztägigen Tempo-30-Begrenzung auf mehreren Leutkircher Straßen.

In den Kommentaren zum am Montag erschienenen SZ-Artikel auf der Facebook-Seite „Du weißt, dass Du aus Leutkirch kommst, wenn ...“ wird unter anderem Kritik am sich ausbreitenden Schilderwald laut. „Was für ein Schilderchaos“, schreibt eine Userin. „Echt nervig“, sei die uneinheitliche Geschwindigkeitsbegrenzung. „Da 30, da wieder nicht ... dann wieder 30, dann wieder nicht.“ „Dann bitte überall 30. Das ist katastrophal“, kommentiert diese Situation ein anderer Nutzer. „Total dumm einfach, sollen sie überall 30 machen oder es einfach lassen“, schreibt ein dritter.

Mehrere Kommentatoren auf der Facebook-Seite bezweifeln auch, dass der Lärm weniger wird, wenn die Autos nur noch 30 statt 50 km/h fahren. „Ich habe es heute mal zum Spaß getestet. Wenn ich mit meinem 13 Jahre alten Auto mit 30 im zweiten Gang fahre, bin ich deutlich lauter als mit 50 im vierten“, will ein Nutzer festgestellt haben. „Also mein Auto macht im zweiten Gang deutlich mehr Lärm und verpestet die Luft mehr, als wenn ich 50 fahre“, schreibt ein anderer.

Dass ein Nutzer ankündigt „aus Protest nur noch im ersten Gang, bis die Tachonadel 30 zeigt,“ fahren zu wollen, wird von einem anderen freilich als „relativ kindisches Verhalten“ kritisiert.

In den Kommentaren wird zum Thema Lärm auch auf einen SZ-Artikel vom August dieses Jahres verwiesen. Zwei Studenten der Pädagogischen Hochschule Weingarten (PH) haben den Lärm gemessen. Einmal an der Gartenstraße in Ravensburg, wo ab 22 Uhr Tempo 30 gilt, und einmal an der Ravensburger Straße kurz vor Weingarten, wo auch nach 22 Uhr 50 Stundenkilometer erlaubt sind.

Das überraschende Ergebnis: Zwischen den beiden Messpunkten gab es keinen nennenswerten Unterschied. Im Gegenteil: „In der 50er-Zone war es zur selben Uhrzeit und bei höherem Verkehrsaufkommen minimal leiser als in der 30er-Zone“, schreiben die Studenten in ihrer Forschungsarbeit. Als Grund vermuten sie, dass „dies an der höheren Drehzahl der vorbeifahrenden Pkw liegt und dass der Lärm deutlich länger zu hören ist, wenn die Lärmquelle (Pkw, Lkw, Busse) nur 30 km/h fahren anstatt die üblichen 50 Stundenkilometer“.

In ihrer Forschungsarbeit weisen die Studenten darauf hin, dass ihre „Ergebnisse keine generellen Aussagen zulassen, da wir die Messungen und Zählungen nicht über einen längeren Zeitraum durchgeführt haben“. Doch genau das wäre aus Sicht der PH-Studenten wünschenswert: „eine Langzeitstudie über das Verkehrsaufkommen und den Lärm, damit eine generelle Aussage getroffen werden kann.“

Eine Facebook-Nutzerin, die sich als Anwohnerin einer betroffenen Straße äußert, schreibt allerdings: „Ich kann bestätigen, dass es leiser ist.“

Zwei Nutzer sehen wegen der örtlich begrenzten Tempolimits eine Zwei-Klassen-Gesellschaft etabliert. „So hat die Stadtverwaltung, was den ,Lärmschutz’ angeht, die Bürger in Bürger 1. Klasse (mit Lärmschutz) und Bürger 2. Klasse (ohne Lärmschutz) eingeteilt“, schreibt der eine. Und ein zweiter kommentiert dazu: „Finde ich auch nicht in Ordnung. Bei uns in Niederhofen werden auch Unterschiede gemacht. Nur ein kleiner Teil hat da ein Recht auf weniger Lärm.“

Ein weiterer Nutzer würde sich eine Reaktion der Stadtverwaltung auf die Diskussion an dieser Stelle wünschen: „Schade, dass hier in dieser Gruppe sich so gut wie nie jemand vom Stadtrat zu irgendwelchen Problemen zu Wort meldet. Hier, wo der Bürger Lob und Kritik äußert, wären doch Kommentare vom Stadtoberhaupt so manches Mal wünschenswert.“

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