Taxifahren im Landkreis Ravensburg wird deutlich teurer

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Wer sich unter anderem im Kreis Ravensburg mit dem Taxi chauffieren lässt, zahlt künftig mehr. (Foto: Archiv Felix Kästle)
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Entwicklung der Kosten

Zum Jahreswechsel 2014/15 hatten viele Landkreise ihre Taxitarife erhöht, weil ab Januar 2015 der Mindestlohn gezahlt werden musste. Seither wurde das Mindestlohn-Niveau angehoben. Auch die Spritkosten sind gestiegen: Ein Liter Diesel kostete im Januar 2015 laut ADAC noch 113,4 Cent, im Juli 2018 aber 128,1 Cent (plus 13 Prozent). Super E10 ist in diesem Zeitraum sogar um 14 Prozent auf 144,5 Cent gestiegen.

Zahl der Taxis

Derzeit sind 78 Taxi-Genehmigungen im Landkreis Ravensburg vergeben. Der Gutachter des Landratsamtes hat für eine optimale Versorgung 79 Genehmigungen vorgeschlagen. Ein Antrag auf die 79. Genehmigung ist derzeit in Bearbeitung bei der Behörde. Die Ravensburger Taxifahrerin Monika Götzmann hält die Zahl der Taxis für mehr als ausreichend. „Nur zu Stoßzeiten am Wochenende haben Leute ein Problem, ein Taxi zu bekommen. Sonst sind wir eher schon zu viele.“

Die Preise fürs Taxifahren im Landkreis Ravensburg steigen zum 1. September deutlich an. Das hat das Landratsamt mitgeteilt. Eine zehn Kilometer lange Fahrt beispielsweise kostet künftig drei Euro mehr als bisher – nämlich 26,50 Euro. Damit ist Taxifahren im Kreis Ravensburg jetzt teurer als in allen umliegenden Landkreisen und in der Landeshauptstadt Stuttgart.

Im Durchschnitt seien die Preise um 13,5 Prozent gestiegen, teilte das Landratsamt mit – zum ersten Mal seit vier Jahren. Die Behörde setzt den Preis fürs Taxifahren im ganzen Landkreis fest. Dazu ist sie wie jeder andere Landkreis in Deutschland berechtigt. Grundlage dafür ist das bundesweite Personenbeförderungsgesetz. Die Erhöhung der Tarife pro Kilometer sei notwendig, weil unter anderem die Personalkosten der Taxiunternehmen gestiegen seien, argumentiert das Landratsamt.

Der Leutkircher Taxi-Unternehmer Steffen Böhm begrüßt den Preisanstieg: „Die letzte Erhöhung liegt vier Jahre zurück. Es musste nun etwas geschehen, um unsere Kosten zu decken – auch wenn der Preisanstieg für die Kunden heftig ausfällt.“

Böhm geht davon aus, dass in zwei oder drei Jahren noch einmal eine Preiserhöhung nötig sein könnte. Steigende Spritkosten setzen seinen Angaben zufolge den Taxiunternehmen genau so zu wie die steigenden Wiederbeschaffungskosten für ein neues Auto, das man als Taxifahrer alle paar Jahre brauche. Zudem schlügen die Kosten für die nötige Versicherung stark ins Kontor.

Die Preiserhöhung im Kreis Ravensburg beruht auf einer gutachterlichen Einschätzung: Ein Fachmann wertet die anonymisierten Jahresbilanzen der Taxiunternehmer aus und macht Vorschläge, wie stark die Preise steigen sollen. Offenbar hat er eine Erhöhung des Grundpreises auf 3,80 Euro empfohlen. Aus dem Kreis der Taxi-Betreiber heißt es, so weit habe man nicht gehen wollen, ansonsten werde es dem Kunden zu viel.

Der Landkreis Ravensburg sei mit seinem auf 2,50 Euro festgelegten Grundpreis im landesweiten Vergleich besonders günstig, teilte das Landratsamt weiter mit. Der Vergleich mit umliegenden Kreisen stützt diese Einschätzung – im Kreis Biberach liegt die Grundgebühr bei 2,80 Euro, im Bodenseekreis bei 3,20 Euro, im Kreis Lindau sogar bei 3,50 Euro.

Auch auf einen teureren Nachttarif, wie es ihn im Kreis Lindau gibt, oder einen pauschalen Nachtzuschlag wie in Biberach (2,50 Euro extra) wurde im Kreis Ravensburg bisher verzichtet. Entscheidend ist aber das gesamte Preisgefüge – und das zeigt, dass Taxifahren im Landkreis vergleichsweise viel kostet (siehe Grafik).

Weitere Preiserhöhungen könnten künftig außerdem in kürzeren Intervallen auf die Taxigäste zukommen: Laut Mitteilung des Landratsamtes wird ein Gutachter nämlich ab jetzt alle zwei Jahre bewerten, ob die Preise weiter erhöht werden müssen. Taxiunternehmen dürfen nach dem Personenbeförderungsgesetz den Fahrpreis nicht frei bestimmen, wodurch beispielsweise Dumping-Preise vermieden werden können.

Trotz gestiegener Kosten sehen andere Landkreise keinen Bedarf für eine Tarifsteigerung. Im angrenzenden Bodenseekreis ist in nächster Zeit keine Erhöhung der seit 2014 geltenden Preise geplant, wie Robert Schwarz, der Sprecher des Landratsamtes sagte. Zwar habe kürzlich ein einzelnes Taxi-Unternehmen angefragt, ob die Tarife nicht angehoben werden könnten – nach der Prüfung habe man sich aber dagegen entschieden. „Die letzte Erhöhung war recht groß“, sagt Schwarz.

Auch im Kreis Biberach ist aktuell laut Aussage des Landratsamtssprechers Bernd Schwarzendorfer keine Änderung der Tarife vorgesehen. Seitens der Taxibetreiber im Landkreis sei hierzu kein Antrag eingegangen. Die Preise dort gelten seit dem 1. Februar 2015.

Hintergrund dafür, dass viele Landkreise die Preise zum Jahreswechsel 2014/15 erhöht hatten, war der Mindestlohn, der ab 2015 gezahlt werden musste. Seither wurde das Mindestlohn-Niveau angehoben. Auch die Spritkosten sind gestiegen: Ein Liter Diesel kostete im Januar 2015 laut ADAC noch 113,4 Cent, im Juli 2018 aber 128,1 Cent – ein Plus von 13 Prozent. Super E 10 ist in diesem Zeitraum sogar um 14 Prozent auf 144,5 Cent pro Liter gestiegen.

Entwicklung der Kosten

Zum Jahreswechsel 2014/15 hatten viele Landkreise ihre Taxitarife erhöht, weil ab Januar 2015 der Mindestlohn gezahlt werden musste. Seither wurde das Mindestlohn-Niveau angehoben. Auch die Spritkosten sind gestiegen: Ein Liter Diesel kostete im Januar 2015 laut ADAC noch 113,4 Cent, im Juli 2018 aber 128,1 Cent (plus 13 Prozent). Super E10 ist in diesem Zeitraum sogar um 14 Prozent auf 144,5 Cent gestiegen.

Zahl der Taxis

Derzeit sind 78 Taxi-Genehmigungen im Landkreis Ravensburg vergeben. Der Gutachter des Landratsamtes hat für eine optimale Versorgung 79 Genehmigungen vorgeschlagen. Ein Antrag auf die 79. Genehmigung ist derzeit in Bearbeitung bei der Behörde. Die Ravensburger Taxifahrerin Monika Götzmann hält die Zahl der Taxis für mehr als ausreichend. „Nur zu Stoßzeiten am Wochenende haben Leute ein Problem, ein Taxi zu bekommen. Sonst sind wir eher schon zu viele.“

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