Tanzender Aufschrei gegen Gewalt an Frauen und Kindern

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Redakteur Leutkirch

Im Rahmen der weltweiten Kampagne „One Billion Rising“ haben am Donnerstagvormittag mehrere hundert Kinder und Jugendliche in Leutkirch ein großes Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen gesetzt, indem sie bei einem Flashmob auf dem Kornhausplatz tanzten.

„Nehmt euch Platz zum Tanzen. Wir haben heute den ganzen Platz“ – ruft Maria Hönig von der Koordinierungs- und Fachstelle der Stiftung St. Anna den Mädchen und Jungen vor dem gemeinsamen Tanz zu. Was die Schüler, die den gesamten Kornhausplatz in Beschlag nehmen, dann auch tun. Wie wichtig es sei, sich den Platz und die Rechte, die einem zustehen, lautstark einzufordern, betont auch Landrat Harald Sievers in seinem Grußwort. „Bringt euch ein, organisiert euch, seid laut“, ruft er vor allem den Schülerinnen zu.

Frage des „sozialen Respekts“

Es ist nicht akzeptabel, dass auf der Welt jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens Opfer von Gewalt werde, sagt Sievers. Umso wichtiger sei es, dass man sich dagegen engagiere – so wie die Leutkircher Schüler. Die Gewalt zu stoppen, die es auch in Deutschland gebe, sei dabei nur ein erster Schritt. „Beim Umgang von Männern und Frauen geht es um Werte, den Respekt vor anderen Menschen“, so Sievers. Es sei eine Frage des „sozialen Respekts“, sich auch im öffentlichen Raum und im Alltag so zu verhalten, dass daraus für andere keine Atmosphäre der Belästigung entstehe.

Schüler tanzen bei der Aktion „One Billion Rising“
Laut UN-Statistik wird jede dritte Frau auf der Welt Opfer von Gewalt oder Misshandlung. Das sind eine Milliarde Frauen – eine schockierende Zahl. Bei der Aktion „One Billion Rising“ – zu deutsch „Eine Milliarde erhebt sich“ – gehen Menschen weltweit auf die Straße, um gegen Gewalt an Frauen und Mädchen anzutanzen. Wir waren beim Tanzflashmob in Leutkirch im Allgäu und in Tuttlingen dabei!

Der letzte Schritt sei dann geschafft, wenn Frauen und Männer auf allen Ebenen gleichberechtigt sind. Das funktioniere aber nur, wenn sich die Frauen einmischen und ihre Stimme erheben. Für dieses Zeichen ist Leutkirch auch deswegen ein guter Ort, da die Stadt eine von fünf im Landkreis ist, in denen eine Frau das Bürgermeisteramt inne hat, erklärt der Landrat. Auch sei der Tag mit dem Valentinstag gut gewählt, denn dadurch stehe die positive Botschaft der Liebe genauso im Raum.

Erstmals mit Infoständen

Beim anschließenden Höhepunkt der Aktion, dem gemeinsamen Tanz, merken die Zuschauer, dass viele der Schüler schon geübt haben müssen, so gut klappt alles. Zahlreiche Eltern und Passanten schauen zu und fordern lautstark eine Zugabe, sodass der Tanz ein zweites Mal aufgeführt wird. Mittendrin ist jeweils auch Sievers. „Ich habe letztes Jahr in Ravensburg schon mitgetanz und dafür gut geübt“, erzählt er. Da das allerdings schon ein Jahr her sei, sei er froh gewesen, dass vor ihm eine Lehrerin getanzt habe, bei der er abschauen durfte.

Maria Hönig, die die Aktion mitorganisiert hat, ist zufrieden. „ Es ist gut gelaufen, viele begeisterte Leute waren da und die Stimmung auf dem Platz war sehr positiv“. Sie freut sich auch, dass mehrere Betriebe ihre Mitarbeiter freigestellt hätten, damit diese kommen können. Generell gehe die Initiative zur Aktion, die vom Bundesprogramm „Demokratie Leben!“ unterstützt wird, immer von den Schulen aus, erklärt Hönig. In diesem Jahr gibt es zum ersten Mal Stände, an denen sich Passanten zum Thema Gewalt an Frauen und Mädchen informieren konnten. Vertreten waren die Caritas, der Verein Frauen und Kinder in Not sowie der Verein Mosaik, der sich für inhaftierte Frauen einsetzt.

Das ist One Billion Rising

One Billion Rising – englisch für „Eine Milliarde erhebt sich“ – ist laut eigener Beschreibung eine weltweite Kampagne für ein Ende der Gewalt gegen Frauen und Mädchen und für die Gleichstellung. Sie wurde im September 2012 von der New Yorker Künstlerin und Feministin Eve Ensler initiiert. Die Milliarde soll auf eine UN-Statistik hindeuten, nach der eine von drei Frauen in ihrem Leben entweder vergewaltigt oder Opfer einer schweren Körperverletzung werden. Es ist eine der größten Kampagnen weltweit zum Kampf gegen Gewalt gegen Frauen, mit Tausenden von Events in bis zu 190 Ländern.

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