Sven Plöger zum Klima: „Noch ist es nicht zu spät“

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Wettermoderator aus Leidenschaft: Sven Plöger (links) begeistert beim Talk im Bock in der Festhalle.
Wettermoderator aus Leidenschaft: Sven Plöger (links) begeistert beim Talk im Bock in der Festhalle. (Foto: Sabine Centner)
Sabine Centner

Wetter kann so unterhaltsam sein – und der Klimawandel so erschreckend: Wenn Sven Plöger über diese Themen spricht, dann tut er dies mit Leidenschaft und Herzblut, ist Wetterfrosch und Warner, Erklärer und Mutmacher zugleich. Als Gast beim 203. Talk im Bock redet der Meteorologe („Das Wetter im Ersten“) am Montagabend Klartext: „Wir erleben derzeit eine weltweite Klimaveränderung.“ Aber, zeigt er sich überzeugt: „Noch ist es nicht zu spät, etwas dagegen zu tun.“

Die Leutkircher Festhalle platzt aus allen Nähten, immer weitere Stühle werden aufgestellt. Schließlich sind es weit mehr als 400 Besucher, die den Mann live erleben wollen, der ihnen fast allabendlich Hochs und Tiefs, Wind und Wolken, Sonnenschein und Regenschauer ins Wohnzimmer (über)trägt. Und sie erleben einen höchst unterhaltsamen und erkenntnisreichen Abend.

Mit „Wetter-Gen“ ausgestattet

Sven Plöger, 52 Jahre alt, im Rheinland aufgewachsen, seit zwei Jahrzehnten in Ulm zu Hause, versteht sein Metier. Ist gewitzter Entertainer und profunder Kenner seines Fachs. Und, so sagt er selbst, mit einem „Wetter-Gen“ ausgestattet, das von Kindesbeinen an sein Herz höher schlagen lässt, wenn es blitzt und donnert und die Wolken sich am Himmel auftürmen.

Weil er gut (und schnell) reden kann, landet der studierte Meteorologe schnell beim Fernsehen. Er beobachtet tagaus, tagein die Wetterentwicklung, sammelt Daten, studiert Radaraufnahmen für den abendlichen Wetterbericht („die Prognosen stimmen zu 90 Prozent“) und verfolgt die Statistik über lange Zeiträume. „Ist das jetzt noch Wetter oder bereits Klimawandel?“, fragt Moderator Karl-Anton Maucher seinen Gast. Der muss nicht lange nachdenken. „Es gab immer schon heiße Sommer“, sagt Plöger und nennt Beispiele, die bis zurück ins 19. Jahrhundert reichen.

Hitzerekorde nehmen zu

Auffällig jetzt allerdings sei die Häufung: „Die Hitzerekorde nehmen dramatisch zu.“ Und, mindestens ebenso dramatisch: „In den 11 000 Jahren seit der letzten Eiszeit hat sich das Klima um vier Grad erwärmt. Jetzt geht es um ein Grad in 100 Jahren.“ Absolute Stille im Saal, ein beängstigendes Szenario.

Genau diese Geschwindigkeit sei ein Problem, sagt der Fachmann, dem dringend gegengesteuert werden müsse. Ob Fridays-for-Future-Bewegung, Klimaaktivismus per Diskurs, Regelung oder Verbot: „Wichtig ist, dass ein Paradigmenwechsel einsetzt.“ Am Beispiel der jüngsten Europawahl macht Plöger die Beobachtung fest: „Früher hat man mit Klima Wahlen verloren. Heute gewinnt man mit Klima Wahlen.“ Hoffnung machen ihm die Wähler von morgen, die Jugendlichen. Viele von ihnen machten keinen Führerschein und wollten Städte nicht als Autostädte ansehen. Auch der Klimaexperte ist überzeugt: „Wir brauchen eine Verländlichung der Städte, Begrünung und Belüftung statt immer mehr Verkehr.“

„Es wird Verzicht geben müssen“

An diesem Punkt setzt Moderator Maucher eine gezielte lokale Spitze: Der Leutkircher Wirtschaftsbund verhindere alles, „was dazu führen kann, dass weniger Autos in der Stadt sind.“ Für Plöger keine Frage: „Es wird Verzicht geben müssen“, lieb gewordene Gewohnheiten müssten aufgegeben, in einem demokratischen Prozess gemeinsame neue Regeln erarbeitet werden. Denn sonst, und hier wird der Experte leidenschaftlich, „kommt das Problem auf uns zu wie ein Asteroid in Zeitlupe“. Geradezu „absurd“ findet es Plöger, neue PS-starke Autos zu bauen, die fünfmal so schwer sind wie herkömmliche, um damit in die Stadt zu fahren.

Gesellschaftliches Umdenken sei nötig und, ja, der Einzelne müsse auch eine persönliche Freiheitseinschränkung zugunsten der Freiheit aller akzeptieren. Das Leutkircher Publikum klatscht begeistert. Dass rund um die Festhalle auffallend viele Fahrräder geparkt sind, wie einem auswärtigen Besucher aufgefallen ist, mag da durchaus ein positives Signal sein.

Viel Beifall

Ob es seinem rheinischen Naturell entspricht oder es die Faktenlage hergibt: Sven Plöger ist zuversichtlich: „Wir haben die Erderwärmung zustande gebracht, wir können auch die Reduzierung schaffen.“ Letztlich mache die Summe dessen, was der Einzelne tut, den globalen Erfolg aus. Mit begeistertem Beifall wird der Wettermann in einen milden Spätsommerabend verabschiedet.

Die Saalspende in Höhe von 3189 Euro kommt nach dem Wunsch von Sven Plöger der Stiftung Solarenergie „Bring die Sonne nach Afrika“ zugute. Sie hilft Kindern, ihre Hausaufgaben bei gutem Licht anstelle der gefährlichen Kerosinlampen machen zu können.

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