Super-Auftakt mit „Frl. Wommy Wonder“

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 Mit „Frl. Wommy Wonder“ legt die Leutkircher Kleinkunst einen umjubelten Auftakt auf die Bühnenbretter im Bocksaal.
Mit „Frl. Wommy Wonder“ legt die Leutkircher Kleinkunst einen umjubelten Auftakt auf die Bühnenbretter im Bocksaal. (Foto: Babette Caesar)
Babette Caesar

„Frl. Wommy Wonder“ ist durch die Reihen gefegt und hat einen Feuerreif an Comedy, Chanson und Travestie im ausverkauften Bocksaal hinterlassen. „Sahneteilchen – Süßes aus mehr als 30 Bühnenjahren“ verspeisten die Besucher am Sonntagabend mit Hochgenuss. Die Leutkircher Kleinkunst hat mit Michael Panzer einen phänomenalen Auftakt auf die Bretter gelegt, der aus dem Lachen überhaupt nicht mehr herausfand.

Sie ist grandios. Allein schon ihre Körpergröße, die es mit allem Drum und Dran auf ganze 2,40 Meter bringt, und ihre dralle Oberweite lassen einen den Mund offen stehen lassen. Im Gold glitzernden knapp bis über die Hüfte reichenden Dress und einem gewellten Turmbau als Frisur auf dem Kopf stöckelte sie über die Bühne. „Brett nicht vorm Kopf, sondern überm Kopf“, lachte sie mit sicherem Griff nach dem Deckenbalken. Die „Transe“, die gerade per Bahn aus dem „Nahen Osten“, sprich Chemnitz, angereist war und hier, fast auf heimatlichem Terrain, ein Feuerwerk entzündete, dass manch einem Zuschauer vor lauter Lachsalven die Kontaktlinsen verrutschten und die Kiefergelenke schmerzten.

Sie greift sich turboartig Alltägliches heraus, was geht und kaum einer weiß, wie es geht. Was auch spätestens in der zweiten Halbzeit mit ihrem Alter Ego Elfriede Schäufele keine Rolle mehr spielte. In geblümter Kittelschürze und unverwüstlicher Lockenwicklerfrisur, bewaffnet mit Staubwedel, überschlug sie sich selbst und die Show geriet zum Selbstläufer mit sogartiger Wirkung. Entzug ausgeschlossen.

Der Alltag unter Dauerbeschuss

„Ich bin Stuttgarts Kortisonbunker“, macht sie sich immer wieder über das eigene Dasein lustig, um sofort wieder auszuteilen. In Richtung Navi mit „Ihre Route wird berechnet – das ist ja sexistisch!“ oder ein „Latte to go zum Mitnehmen“ als Angebot eines Kaffeehändlers auf dem Stuttgarter Bahnhof. Auf die Sprache und dessen ungeheuren Verdrehungen hat es Wommy abgesehen. Damit nimmt sie einen unter Dauerbeschuss. „Ich gebe zu, mein Humor kommt nicht überall an. Manchmal ist er auch etwas grenzwertig“, räumt die Zauberfee ein. Soll man ihr glauben, wenn die Transe auf Gefühl macht mit dem Chanson „Das geht keinen was an“.

Panzers Show zielt unter der wärmenden Decke auch auf politisch-gesellschaftliche Themen ab. Sehr versiert und gut getarnt, doch unüberhörbar. Geht es doch alle was an, wenn Menschen diskriminiert werden. Dass Wommy nie besonders sportlich war, damit traf ihr Abgesang auf die entgleisten „Bundesjugendspiele“ mitten ins Herz. „Du musst in die Grube hüpfen“, sprich weit springen, sind gefundene Fressen für das Fräulein und ihren schwarzen Humor. Nicht minder ihr No-Go, was die sozialen Netzwerke mit Googlehupf und Co angeht. So dichtet sie Michael Jacksons legendären „Thriller“ in einer bombastischen Starallüre zu „Wir hatten Schiller“ um, wonach sie mit „Frau Schäufele“ die Trumpfkarte zog.

„Ein Hoch auf die Kehrwoch!“

Hatten sich doch alle schon auf das elegante Chiffonkleid (wie sie da wohl reingekommen wäre in der Pause) gefreut und bekamen jetzt „Ein Hoch auf die Kehrwoch!“ geboten. Schnaubend und prustend ackerte sie sich durch die Zuschauerreihen. „Ich hab’ schon einen im Tee!“, schwadronierte sie, obwohl die nassen Beutel ganz oben auf ihrer Hassliste stehen. Als Sängerin der Fischer-Chöre (man glaubt es kaum) wäre sie fast für die Hochzeit von Prinz Harry und Maggie – kurz „H und M“ – engagiert worden.

Elfriede ist jetzt schon längst nicht mehr zu bremsen. Und auch der eine oder andere Zuschauer hat das Handtuch geworfen im Hinterherkommen hinter diesen Comedy-Kaskaden. „Was is los? Hamse schlechte Laune? Nehmse meine!“, chillt sie sich von einem zum anderen. Von Gustl zu Roland, der ihr den Kaiser machen könnt, schließlich ist sie nicht kompakt, sondern griffig. Andrea Berg und Helene Fischer bekommen scheibenweise Transfettes ab und dann, was bleibt – Spätzle mit Soß à la Udo Jürgens.

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