Redakteur Leutkirch
Stellv. Redaktionsleiter/Redakteur Bad Wurzach

Mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 Stundenkilometern ist das Sturmtief „Sabine“ am Montag über Bad Wurzach, Leutkirch, Isny und die Ortschaften hinweggefegt. Wegen umgestürzter Bäume und heruntergefallenen Dachziegeln waren die Feuerwehren und Bauhöfe im Dauereinsatz. Ottmannshofen war zeitweise komplett vom Verkehr abgeschnitten, in Arnach stürzte ein Flutlichtmast um, in Isny deckten die heftigen Böen das Dach einer Turnhalle teilweise ab.

Die höchste Windgeschwindigkeit in der Region wurde am Montagvormittag mit 110 Stundenkilometern in Herlazhofen gemessen, berichtete die Feuerwehr. Die maximale Geschwindigkeit im Landkreis wurde demnach mit 113 Stundenkilometern um 10.30 Uhr in Amtzell aufgezeichnet.

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Die Feuerwehr Leutkirch musste alleine am Montagvormittag zu insgesamt 28 Einsätzen ausrücken, wie Martin Waizenegger berichtete. Am Nachmittag habe sich die Situation dann „deutlich entspannt“, gegen 14.30 Uhr lag die Gesamtzahl bei 34 Einsätzen. Bis 18 Uhr, nach über zwölf Stunden im Dauereinsatz, summierte sich die Zahl auf 38 Einsätze. Anlass waren vor allem auf Straßen gestürzte Bäume und abgedeckte Hausdächer. Los ging es um 5.37 Uhr mit einem umgestürzten Baum in der Sudetenstraße, so Waizenegger.

Im Bereich Herbrazhofen und Ottmanshofen mussten mehrere Straßen gesperrt werden. Ottmanshofen war zeitweise komplett abgeschnitten, da alle fünf Zufahrtswege blockiert waren, berichtete Waizenegger. Im Laufe des Vormittags sei zuerst die Zufahrt von Hofs aus wieder freigeräumt worden. Insgesamt war die Leutkircher Feuerwehr am Montagvormittag mit sieben Abteilungen und rund 80 Feuerwehrleuten im Einsatz. Zum Glück sei es dabei bei Sachschäden geblieben, Verletzte habe es keine gegeben.

 Auf der Grundschulturnhalle im Siloah wurde das Kupferdach teilweise abgerissen und aufgerollt, die Freiwillige Feuerwehr Isny
Auf der Grundschulturnhalle im Siloah wurde das Kupferdach teilweise abgerissen und aufgerollt, die Freiwillige Feuerwehr Isny war mit rund 20 Helfern im Einsatz, darunter vier Höhenretter. (Foto: Tobias Schumacher)

Die Bad Wurzacher Feuerwehr war am Montag von 6 bis 16.30 Uhr im Einsatz, wie Gesamtkommandant Rolf Butscher berichtete. Insgesamt gab es in dieser Zeit 25 Einsätze. Schwerwiegendster war der auf der L 300 zwischen Haidgau und Haisterkirch, wo ein Auto unter einen umgestürzten Baum geriet. Verletzte habe es aber keine gegeben, so Butscher. Ansonsten hatten es die 55 im Einsatz befindlichen Feuerwehrleute aus Bad Wurzach, Haidgau, Seibranz, Hauerz und Unterschwarzach vor allem mit auf Straßen gestürzten Bäumen zu tun. Einmal war auch ein Strommast vom Sturm umgeknickt worden.

Die Isnyer Feuerwehr zählte bis 16 Uhr sieben Einsätze der Abteilungen Stadt und Rohrdorf. Die gravierendste Schadensmeldung erreichte Feuerwehrkommandant Markus Güttinger dabei erst kurz nach 12 Uhr, als schon mit einem Abflauen des Orkans gerechnet wurde, er die Bereitschaft im Feuerwehrhaus beenden und selbst „eigentlich zum Mittagessen gehen“ wollte.

 Ein Bauhof-Mitarbeiter entfernt lose Ziegel vom Dach des früheren Gasthauses „Blume“ in der Isnyer Obertorstraße.
Ein Bauhof-Mitarbeiter entfernt lose Ziegel vom Dach des früheren Gasthauses „Blume“ in der Isnyer Obertorstraße. (Foto: Tobias Schumacher)

Mit rund 20 Einsatzkräften, darunter vier Höhenrettern, musste er stattdessen aufs Siloah-Gelände ausrücken: Der Sturm hatte das Kupferdach der Grundschulturnhalle auf der Nordseite über eine Länge von etwa zehn Metern abgelöst und aufgerollt. Mit der großen Drehleiter und an Seilen gesichert fixierten die Höhenretter zunächst die riesige, gefährlich im Sturm wippende Blechrolle. Dann baute die Feuerwehr mit Holzlatten und Planen ein Notdach, um das Eindringen von Regenwasser in die Halle zu verhindern. Nach rund vier Stunden erklärte Güttinger den Einsatz für beendet.

Bis um die Mittagszeit war in Isny zunächst nur ein umgewehtes „Bäumle“ im Industriegebiet am Achener Weg gemeldet worden. Die Abteilung Rohrdorf musste die Straße von Rengers nach Schwanden bei Lexenhof wegen umgestürzter Bäume sperren. Mitarbeiter der Straßenmeisterei hatten sie bis zum frühen Nachmittag entfernt. Kurzzeitig gesperrt war auch die Verbindungsstraße von Rengers in Richtung Ratzenhofen.

 Der Sturm hat am Montagmorgen auch beim Leutkircher Friedhof seine Wirkung hinterlassen.
Der Sturm hat am Montagmorgen auch beim Leutkircher Friedhof seine Wirkung hinterlassen. (Foto: Melitta Mahle)

Kurz vor 14 Uhr rückte stellvertretender Abteilungskommandant Claus Frey mit einer Hand voll Wehrlern zum früheren Gasthaus Blume aus, die Polizei sperrte die Obertorstraße kurzzeitig für den Verkehr, weil sich Dachziegel gelöst hatten. Ein Mitarbeiter des städtischen Baubetriebshofs entfernte die losen Platten von einer Hebebühne aus, wie wenig später an zwei weiteren Häusern im Stadtgebiet. „Wir bedanken uns beim Bauhof für die reibungslose Zusammenarbeit“, hieß es um 16 Uhr aus dem Feuerwehrhaus, nachdem alle Einsatzkräfte unversehrt zurückgekehrt waren und die Bereitschaft wenig später zumindest in Isny aufgehoben wurde.

Die Aufräumarbeiten im Landkreis würden den ganzen Tag über dauern, hatte Kreisbrandmeister Oliver Surbeck bereits am Montagvormittag gemutmaßt. Kleinere Straßen durch Waldstücke habe man einfach gesperrt, wenn dort Bäume umgestürzt seien: „Da schick’ ich keinen in den Wald rein, wenn’s oben in den Bäumen pfeift“, so Surbeck. Er lobte die Zusammenarbeit mit der Polizei als „genial“. Dass sich das Polizeipräsidium jetzt wieder in Ravensburg befinde, erleichtere die Zusammenarbeit, sagte Surbeck. Auch die Kooperation mit den Straßenmeistereien, die beispielsweise Absperrungen vornahmen und Schäden meldeten, habe gut geklappt.

Ein Flutlichtmast am Trainingsplatz des SV Arnach ist am Montag umgestürzt.
Ein Flutlichtmast am Trainingsplatz des SV Arnach ist am Montag umgestürzt. (Foto: Privat)

Angesichts der Wetterprognosen hatte das Kultusministerium schon am Samstag mitgeteilt, dass die Eltern selbst entscheiden können, ob der Schulweg für ihre Kinder zumutbar ist. Im Leutkircher Hans-Multscher-Gymnasium war trotz Sturms ein Großteil der Schüler am Montag zum Unterricht gekommen, berichtete Schulleiter Thomas Tomkowiak. In der Grund- und Werkrealschule Wuchzenhofen erschienen laut Schule ebenfalls rund zwei Drittel der Schüler. Rund 400 von 700 waren in der Leutkircher Realschule im Unterricht, erklärte Schulleiter Manfred Trieloff. In der Gemeinschaftsschule war laut Schulleiter Jan Henning Gesierich-Kowalski in der Primarstufe rund die Hälfte der Schüler da, in der Sekundarstufe ist ungefähr ein Drittel gekommen. Das Leutkircher Busunternehmen Hutter erklärte, dass mit Ausnahme von Ottmannshofen am Morgen und Vormittag alle Fahrten regulär durchgeführt wurden.

In Bad Wurzach sind die Schulen am Montag recht leer geblieben. „Rund ein Drittel der Schüler sind da“, berichtete Julia Kiebler, Schulleiterin der Werkrealschule. Gekommen seien vor allem jene, deren Schulbusse recht früh fuhren, also die aus Richtung Aichstetten, Aitrach und Hauerz, sowie die Bad Wurzacher. Auch wenn einige Kollegen ebenfalls fehlten, wurde auch die Mittagsschule regulär angeboten, betonte Kiebler. Den Eltern sei aber auch angeboten worden, dass sie ihre Kinder abholen dürfen, wann sie wollen. „Ohne dass der Schnee Ursache ist, hatten wir so etwas noch nie“, so Julia Kiebler.

Die Leutkircher Feuerwehr ist am Montagvormittag mit sieben Abteilungen und rund 80 Feuerwehrleuten im Einsatz.
Die Leutkircher Feuerwehr ist am Montagvormittag mit sieben Abteilungen und rund 80 Feuerwehrleuten im Einsatz. (Foto: Feuerwehr Leutkirch)

Rund 200 von 456 Jugendlichen kamen in die Bad Wurzacher Realschule. „Vor allem, weil die Busse nicht gefahren sind“, so Rektor Dietmar Schiller, in dessen Sekretariat zahllose Mails und Anrufe den Morgen über eingingen. Ähnlich die Situation am Gymnasium Salvatorkolleg. „Etwa die Hälfte unserer 720 Schüler sind da“, sagte der stellvertretende Schulleiter Klaus Amann.

Das Bad Wurzacher Busunternehmen Ehrmann, das viele Linien und den Schülerverkehr fährt, stellte am Montag zwischen 7.30 und 11 Uhr den Fahrbetrieb ein. „Viele unserer Busse konnten wegen umgestürzter Bäume nicht weiterfahren und in der Folge Haltestellen gar nicht oder mit großer Verspätung anfahren“, berichtete Kathrin Ehrmann.

In Isny konnte der Unterricht großteils regulär abgehalten werden, verlautete gegen Montagmittag aus dem Rathaus, lediglich die Verbundschule habe den Unterricht früher beendet. Auch die Buslinien konnten störungsfrei verkehren, lediglich die Linie nach Kempten war am Vormittag zeitweise eingestellt worden.

 Das Häuschen der Bushaltestelle in Unterzeil hat dem Sturm nicht standgehalten.
Das Häuschen der Bushaltestelle in Unterzeil hat dem Sturm nicht standgehalten. (Foto: Feuerwehr Leutkirch)

Sturm „Sabine“ hat im Landkreis Ravensburg auch für zahlreiche Stromausfälle gesorgt. Im Bereich Oberschwaben-Bodensee-Heuberg hat es in der Nacht auf Montag und am Montag 40 größere Stromausfälle gegeben. Grund dafür waren vor allem umstürzende Bäume auf Mittelspannungsleitungen. Der Schwerpunkt lag laut Netze-BW-Sprecher Ulrich Stark im östlichen Landkreis Ravensburg. Am meisten betroffen war der Bereich Aichstetten entlang der A 96 in Richtung Wangen. Stromausfälle gab es auch in Altusried und Merazhofen, Leutkirch war laut Stark lediglich am Rande betroffen.

Umgestürzt sind dabei nicht nur Bäume: Auf dem Sportgelände des SV Arnach ist ein Flutlichtmast an einem Trainingsplatz umgestürzt. Wie Ralf Quednau, Abteilungsleiter Fußball beim SV Arnach, erklärte, ist der Mast zum Glück „nur“ auf einen Zaun gefallen.

Ein „Opfer“, über das viele Autofahrer nicht allzu traurig sein dürften, hat es am Montag in Wangen erwischt: Zwei mächtige Tannen stürzten am Ortsausgang Richtung Ravensburg auf die B 32 und zerstörten den dortigen Blitzer.

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