Stadträte diskutieren über Grüngut-Abfuhr

Lesedauer: 5 Min
 Leutkircher Stadträte diskutieren über die Abholung von Gartenabfällen.
Leutkircher Stadträte diskutieren über die Abholung von Gartenabfällen. (Foto: dpa)
Redaktionsleiter

Ab dem kommenden Jahr werden Gartenabfälle in der Leutkircher Kernstadt einmal pro Jahr – im Herbst – abgeholt. Das hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich – bei zwei Gegenstimmen – beschlossen. Neu ist, dass die Abfuhr aus den Haushaltsmitteln der Stadt Leutkirch finanziert werden muss. Das Thema hatte in den vergangenen Wochen viele Bürger beschäftigt.

Bisher gab es im Leutkircher Stadtgebiet sowohl im Frühjahr als auch im Herbst eine Grüngut-Entsorgung. Laut Verwaltung handelte es sich dabei um ein Zusatzangebot der Stadt. Denn es bestehe jederzeit die Möglichkeit, Grüngut in unbegrenzten Mengen beim Wertstoffhof kostenlos abzugeben.

Seit 2016 ist der Landkreis für die Entsorgung des Hausmülls zuständig. Die Abfallberatungen führt allerdings die Stadt Leutkirch durch. Vor allem dafür erhält sie vom Landratsamt einen Geldbetrag. Diese Zuwendung habe es ermöglicht, eine Grüngut-Abfuhr durchzuführen.

Bürger melden sich

Weil die finanzielle Leistung zum kommenden Jahr verringert werde, könne die Abholung der Gartenabfälle nicht mehr aus diesen Mitteln finanziert werden. Das erklärt Oliver Keller von der Stadtverwaltung in der Gemeinderatssitzung. Deshalb sah der Plan der Stadt zunächst vor, die Grünmüll-Abfuhr zu beenden. Daraufhin hätten sich allerdings zahlreiche Bürger gemeldet und gefordert, dass das Angebot bestehen bleiben soll.

Als Gründe wurden laut Keller aufgezählt, dass die Entfernungen zum Leutkircher Wertstoffhof teilweise groß sind. Dass viele Bürger nicht die Möglichkeit hätten, ihr Grüngut mit einem Auto oder gar einem Anhänger zum Wertstoffhof zu fahren. Und, dass es ökologisch betrachtet sinnvoller sei, wenn ein Lastwagen den Gartenabfall einsammelt, als wenn hunderte Bürger mit ihren Fahrzeugen unterwegs sind.

Nach Beschluss des Gemeinderats soll nun eine jährliche Abfuhr im Herbst über die Haushaltsmittel der Stadt finanziert werden. Im Herbst deshalb, weil zu diesem Zeitpunkt die meisten Gartenabfälle anfielen. Die Kosten für beide Abfuhren lagen in den vergangenen Jahren bei durchschnittlich 7200 Euro.

Unter anderen Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle plädierte am Montag für eine Abfuhr pro Jahr. Zwei Abholungen hält er für nicht gerechtfertigt, weil über Steuergelder auch solche Hauseigentümer das Angebot mitfinanzieren müssten, die keinen eigenen Garten besitzen. Zudem verwies das Stadtoberhaupt im Sinne einer fairen Behandlung gegenüber Bewohnern von Leutkircher Ortschaften darauf, dass es dort keine Abholung gibt.

„Wildentsorgung“ befürchtet

Für eine zweimalige Abfuhr pro Jahr plädierte Stadtrat Götz Neugebauer (SPD). Er befürchtet eine „Wildentsorgung der Gartenabfälle im Frühjahr“. Deshalb stimmte Neugebauer, wie auch sein Fraktionskollege Jochen Narr, gegen die einmalige Abholung. Eine solche „Wildentsorgung“ mache für OB Henle wiederrum keinen Sinn. Schließlich müsse das Grüngut in jedem Fall auf ein Fahrzeug aufgeladen werden. Und dann sei es im Vergleich zur Entsorgung im Wald kein größerer Aufwand mehr, die Abfälle kostenlos zum Wertstoffhof zu bringen.

Stadträtin Hedwig Seidel-Lerch (CDU) hält die beschlossene Variante für einen „guten Kompromiss“. Viele Bürger hätten sich bei ihr in den vergangenen Wochen „in großer Sorge“ gemeldet.

Kritik daran, dass das Grüngut nicht „in den eigenen Garten eingebaut wird“, äußerte Gerhard Hutter, Ortsvorsteher von Wuchzenhofen. Auf seinem Grundstück funktioniere diese Variante prima. Zudem wehrt er sich gegen die Begriffe „Grünmüll“ und „Gartenabfälle“. Passender findet Hutter „Grüngut“ oder „Gartengold“.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen