Spezialisten bergen Splittergranate in Leutkirch

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Ein Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes reinigte den Fund vor dem Abtransport.
Ein Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes reinigte den Fund vor dem Abtransport. (Foto: heb)
Schwäbische Zeitung
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Der Fund eines stark verrosteten zylindrischen Gegenstands hat am Mittwoch die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes in die Uhlandstraße nach Leutkirch geführt. Gefahr für die Bevölkerung hat nach deren Einschätzung bei dem Einsatz nicht bestanden. Auf Absperrmaßnahmen wurde deshalb bei der Sichtung und Bergung des Objekts verzichtet.

Nach ersten Erkenntnissen soll es sich um die Überreste einer französischen Splittergranate aus dem Zweiten Weltkrieg handeln. Das teilte am Mittwoch das Polizeipräsidium Konstanz mit.

„Wohl war es mir nicht“

Die Geschichte beginnt am Montag um 14.30 Uhr. Bei Erdarbeiten für den Ausbau eines Sitzplatzes entdeckt der Schwiegersohn von Else Maischberger einen total verrosteten Metallzylinder. Der Verdacht, es könnte sich um Munition handeln, kommt schnell auf. „Wohl war es mir nicht“, sagt Else Maischberger. Die Familie schaltete deshalb am Dienstag das Polizeirevier Leutkirch ein.

Wohl war es auch den herbeigerufenen Beamten nicht. Sie fotografierten das Fundstück, nahmen Kontakt mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes in Stuttgart auf und deckten die Fundstelle vorsorglich ab. Auf dem Bild, so ein Beamter des Leutkircher Reviers, hätten die Fachleute zwar keine akute Explosionsgefahr erkannt. Die Polizisten griffen aber aktiv nicht mehr ein. „Vorsicht ist bei Fällen wie diesem immer geboten“, so ein Beamter des Leutkircher Reviers.

Wie kam die Granate in den Garten?

Am Mittwoch ging die Bergung der Reste der Granate allerdings dank der Vorbereitung schnell über die Bühne. Else Maischberger war informiert worden, dass die Experten noch am Vormittag vorbeikämen. Kurz vor 12 Uhr war es so weit. Schon eine Viertelstunde später fuhr das Fahrzeug mit den beiden Spezialisten wieder ab. Da die Zündvorrichtung gefehlt habe, stuften die Experten den Fund als nicht bedrohlich ein. Mit einer Metallbürste reinigte einer der Beamten noch die frei gelegte Hülse, ehe sie in einem Spezialbehälter im Laderaum des Kleintransporters verschwand.

Aber wie ist das verdächtige Stück in den Garten gelangt? In diesem Bereich der Schillersiedlung wurden zu Beginn der 60er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts die ersten Häuser errichtet. Die Familie Maischberger erwarb das Grundstück vor etwa 30 Jahren. „Wir wissen nicht, was davor war“, sagt Else Maischberger.

Immer wieder tauchen Blindgänger auf

Zwei Vermutungen stellte, vor Ort befragt, der Sprengstoffspezialist an. Das Trümmerstück könne über Bodenarbeiten dorthin gekommen sein. Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden aber auch auf dem Areal des Munitionslagers bei Urlau Sprengungen vorgenommen. Auch so könnten durch den Explosionsdruck die Überreste der Granate auf das damals noch nicht bebaute Grundstück geraten sein.

Vor allem in während des Zweiten Weltkriegs umkämpften Städten tauchen bei Bauarbeiten noch immer die Reste großer Fliegerbomben auf. Großräumige Evakuierungsmaßnahmen wie zuletzt in Augsubrg oder in Neu-Ulm sind dann die Folge, bis die Trümmer beseitigt oder gesprengt sind. Im aktuellen Fall deutete sich so eine Entwicklung zu keinem Zeitpunkt an.

Karte: entschärfte Bomben in Baden-Württemberg

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