Sozialminister informiert sich über Kinderchancen im Allgäu

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Redakteur Leutkirch

Im Rahmen einer Sommertour hat Baden-Württembergs Sozial- und Integrationsminister Manfred Lucha auch die Stadt Leutkirch besucht. Am Montag ist der Politiker im historischen Rathaus empfangen worden. Sein Ziel: sich über die Stiftung Kinderchancen Allgäu informieren. Die Initiative unterstützt Kinder aus benachteiligten Familien im württembergischen Allgäu.

40 000 Euro an Landesmitteln hatte die Initiative – Träger ist die Caritas Bodensee-Oberschwaben – im Frühjahr 2016 erhalten, um Jungen und Mädchen in ärmlichen Verhältnissen zu fördern. Wofür wurde der Zuschuss konkret eingesetzt? Auch das will Manfred Lucha erfahren, um daraus neue Erkenntnisse zu gewinnen. Denn: „Wir müssen schauen, welche Rahmenbedingungen wir dauerhaft setzen, um Kinderchancen zu wahren“, sagt der Sozial- und Integrationsminister.

Antworten liefert zunächst Ewald Kohler, Geschäftsführer der Stiftung Kinderchancen Allgäu. Mit der finanziellen Starthilfe sei es möglich gewesen, eine Koordinationsstelle einzurichten und wichtige Strukturen aufzubauen, erklärt er im Rathaus. Im vergangenen Jahr wurde die Initiative schließlich in eine Stiftung überführt. Ein erstes Projekt war das Programm „Chancenschenker“. Dabei wurden Kindern aus benachteiligten Familien beispielsweise Kosten für eine Musikschule oder einen Sportverein bezahlt.

Großes Projekt heißt „Lesewelten“

Eine weitere Aktion: das „Brückenangebot“ Ponte. Hier berieten pädagogische Fachkräfte in Kindereinrichtungen verschiedene Eltern in Fragen rund um den Erziehungsalltag. Das größte Projekt der Stiftung nennt sich allerdings „Lesewelten“. Dabei lesen Ehrenamtliche einmal pro Woche solchen Kindern vor, die laut Kohler „sonst keinen Zugang zu Büchern haben“. Das Angebot soll zum kommenden Schuljahr auf Leutkirch und Isny ausgeweitet werden. Bisher wird im Raum Bad Wurzach und Aichstetten vorgelesen.

Berichte aus der Praxis liefern dazu die Vorleserinnen Bernadette Stricker und Silvia Schmid. In der Grundschule in Aichstetten lauschen wöchentlich zehn Kinder den Geschichten von Stricker. Über die Jungen und Mädchen habe sie keinerlei Informationen. Dinge wie die Nationalität ließen sich nur erahnen. Erfreulich findet Stricker, dass die Kinder Fragen zu den Texten stellen und sich auch darüber austauschen. Das Ziel sei es, 400 bis 450 Kinder mit den Vorlesestunden zu erreichen, erklärt Walter Herter, Vorsitzender des Kuratoriums, das aus 14 Mitgliedern aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft besteht.

Nachhaltige Struktur aufbauen

„Jenseits der Projekte wollen wir eine nachhaltige Struktur aufbauen, um im Allgäu Kindern zu helfen“, formuliert Ewald Kohler eines der Ziele der Stiftung. Kooperationen mit möglichst vielen Kindereinrichtungen dienten auch dazu, die Jungen und Mädchen besser zu erreichen. Denn es gehe beim Konzept der Stiftung auf langfristige Sicht vor allem darum, den individuellen Förderbedarf herauszufinden und die sozialen Verhältnisse der bedürftigen Kinder zu verbessern. Auch das wird beim Besuch von Manfred Lucha deutlich.

Was macht die Politik gegen Kinderarmut? Das will Walter Herter vom Sozial- und Integrationsminister wissen. „Die Armut der Kinder ist vor allem die Armut der Eltern“, entgegnet Lucha. Wichtig sei unter anderem, dass finanzielle Mittel zielgerichtet verteilt würden und bei den richtigen Menschen ankommen. In diesem Zusammenhang gebe es Überlegungen, die Zuschüsse „passgenauer und unbürokratischer“ anzubringen. Zudem plädiert Lucha für eine „generelle Überwindung von Mindestlohnsektoren“.

Lob für die Stiftung Kinderchancen Allgäu gibt’s auch von Leutkirchs Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle. Die Verantwortlichen bezeichnet der Rathauschef als „Kindeswohl-Vervielfacher“.

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