So macht Integration richtig Spaß

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Ein bunter Haufen macht Party: „Noir Blanc“ in der Malztenne.
Ein bunter Haufen macht Party: „Noir Blanc“ in der Malztenne. (Foto: Bernd Guido Weber)
Bernd Guido Weber

Kein Gejammere über den „Heimathorst“, auch nicht über irgendwelche Dumpfbacken. Dafür eine fröhliche Party in der Malztenne, bei der von Anfang an alle richtig abgehen: die zwölf Musikerinnen und Musiker von „Noir Blanc“, das zahlreich erschienene Publikum. Auf dem Programm: Hits aus aller Welt, ausgesucht vom Bandleader Dietmar Lohmiller. Der Bürgermeister von Aichstetten hat ein ganz besonderes Integrations-Projekt auf die Beine gestellt. Zum Mitsingen, zum Mittanzen.

Nein, Profis sind die zwölf alle nicht. Junge Menschen aus Kamerun, Syrien, Gambia, Irak, ein Senior aus Leutkirch. Zwei Mädchen aus Aichstetten und Aitrach als Frontfrauen, mit schönen Stimmen. Eine Frau am Bass und am dritten weiblichen Mikro. Nur Lohmiller selbst macht schon lange Musik, die anderen haben vor höchstens zwei Jahren erstmals ein Instrument in die Hand genommen. Kein Problem – die Begeisterung zählt, mangelnde Routine, kleinere Fehler fallen kaum auf. Superstimmung.

Dazu trägt natürlich das breitgefächerte Repertoire von „Noir Blanc“ bei. Bei der K4-Nacht, der Premiere in Leutkirch, haben sie in der Lammgasse fünf Stunden aufgespielt. Dabei nur zwei Stücke wiederholt, erzählt Lohmiller. Das Rezept: Sounds aus aller Welt. Afrika, Jamaika, in verschiedenen Sprachen, natürlich auch auf Deutsch. Musikalisch ohne Grenzen, ziemlich schmerzfrei, was die Auswahl angeht.

Heihei – der Abend beginnt afrikanisch, mit Bongo, und einer Hymne aus Sambia. Dann kommt der Löwe, der nachts schläft – „ojiiii, ooo oo bambe“. Der „Happy Day“ wird besungen, von Adele stammt „Someone Like You“. Das musikalische Erweckungserlebnis von Lohmiller, „My Butterfly“, 1977 nach der Tanzstunde im Postsaal in der Leutkircher Disco „Pfeife“, wird intoniert. Der Schmalzhit „Tornero“ ist auch dabei. „Mamy Blue“ mag bei manchem schöne Erinnerungen wecken.

Ganz frisch ist der von Lohmiller komponierte Reggae aufs Härle-Bier. Da dreht sich auch Frau Härle im Tanz. Wir sind alle Menschen, so der Hit von Rag’n’Bone Man, klingt gut. Zwischendurch wird auch mal an die Himmelspforte geklopft, Bob Dylan und Guns’n’Roses lassen grüßen, Lohmiller serviert dazu ein knackiges Gitarrensolo – hey, Slash!

Die Backstreet Boys sind auch mit von der Partie, „Nanana“ von der Kelly Family macht Laune. Immer schön ist der zu Herzen gehende Song „Seven Seconds“ von Neneh Cherry und Youssou Ndour. Irgendwann trabt auch das Pferd ohne Namen durch die Wüste.

Namen sind Nachrichten, eine alte Zeitungsweisheit, also seien alle aufgeführt, die vereinten Schwarzen und Weißen: Anita und Melanie Prinz, Lena Fähnle, Mohamed und Mustafa Zein, Ayman und Aghied Kendakiy, Klaus Debus, Mohamed Sisawo, Frank Eyock, Gerald Gregy. Und natürlich der Bürgermeister, der mehr als „nur“ Verwaltung kann. Schon ein bunter Haufen.

„Wir stehen für eine Welt, eine Heimat“, sagt Lohmiller ohne Pathos, „und hoffen, dass es in einer Generation keine Grenzen, keine Ausweise und keine Ausweisungen mehr gibt“. Ein Statement. Eine Hoffnung.

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