So macht gemeinsames Singen Spaß

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Lebendig und stimmsicher: „Voices in time“ aus München.
Lebendig und stimmsicher: „Voices in time“ aus München. (Foto: Weber)
Bernd Guido Weber

Auch wenn es hier hochkarätige Chöre und Chorprojekte gibt: Die Suche nach jüngeren Sängern gestaltet sich nicht einfach. Massiver Medienkonsum, Selbstdarstellung statt Gemeinschaft – die Jugend heute ist, natürlich, anders. Umso schöner, dass das Hans-Multscher-Gymnasium Kinder und Jugendliche für das gemeinschaftliche Singen begeistert. Und dass viele Eltern, Geschwister dies am Freitag beim Chorkonzert miterlebt haben. Besonderes Schmankerl: der A-Capella-Chor „Voices in Time“ aus München. Pop und Jazz in lebendigen Arrangements.

Den Anfang machen die Mädchen des Unterstufenchores. Annette Lindenthal leitet ihn, hat ein ansprechendes Programm einstudiert. „Summer of Live“ ist der Opener, ein afrikanisch angehauchtes Stück von Elton John aus dem Musical „König der Löwen“. Danach hundert Jahre alter Dixie aus New Orleans, eine noch ältere Polka. Die Mädels moderieren das Programm jeweils zu zweit, herzerfrischend, ohne Lampenfieber. Zum Schluss der Fanta-Vier-Hit „MFG - Mit freundlichen Grüßen“. Viel Beifall.

Schwerpunkt liegt beim Pop

Der Mittel- und Oberstufenchor klingt etwas voller, 19 Mädchen auf der Bühne, plus drei junge Männer, plus Cajun und Klavier. Die Jungmänner also unterbesetzt, Tenorstimmen Fehlanzeige. Das kann nicht nur am Stimmbruch liegen, der ja irgendwann auch wieder vorbei ist. Matthias Christ dirigiert, eröffnet mit „Ain´t nobody loves me better“, Version Felix Jaehn. Der Schwerpunkt des Chores liegt beim Pop, dazu ein bisschen Rap. „80 Millionen“ von Max Giesinger ist ein schöner Song, und als Stefan Joser zur Gitarre greift und mit Darius Pfeffer „Chasing Cars“ von Snowpatrol singt, hören nicht nur Mädels gebannt zu.

Welche klanglichen Möglichkeiten ein fast professioneller Chor bietet, zeigen „Voices in time“. Seit mehr als 20 Jahren singen zwölf Damen und zwölf Herren aus München unter Leitung des Musiklehrers und Hochschuldozenten Stefan Kalmer Ohrwürmer aus Pop, Rock und Jazz. Kunstvolle Tonsätze. Dynamik. Saubere Mehrstimmigkeit. Ausgewogener Klang. „Das ist nicht artgerecht“ vom zu früh verstorbenen Roger Cicero kommt mit Witz, Billie Holiday mit viel Schubidu und farbenfrohem Du-waah. „Jetzt ist Sommer“ von den Wise Guys, schöner als das Original. Da hört man übrigens deutlich durch, dass die Maderl und Mannen aus München stammen. Leopoldstraße trifft Giesing und Schwabing. Eine schwedische Nummer in kleiner Besetzung, nun ja. Fast unverzichtbar Adeles „Someone like you“ mit berührender Solostimme. „Bad boy Leroy Brown“ swingt, da ist Bewegung drin, mit viel Atem, Chat und Tanz. Zum Schluss stehen alle zusammen auf der Bühne, beide HMG-Chöre und die Münchener. Stefan Kalmer hat einen Kanon mitgebracht, den Text aus „Romeo und Julia“ geborgt, selbst in Noten gesetzt. „Music with her Silver Sound“. Könnte auch das Motto des Abends gewesen sein.

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