Sich mit 16 wie mit 80 fühlen

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Während Jonas mit Hilfe der Mitarbeiterinnen des Seniorenzentrums in den Alterssimulationsanzug schlüpft, versuchen sich seine
Während Jonas mit Hilfe der Mitarbeiterinnen des Seniorenzentrums in den Alterssimulationsanzug schlüpft, versuchen sich seine Klassenkameradin am Demenzparcours. (Foto: Vinzenz von Paul gGmbH)
Schwäbische Zeitung

Der Lutscher im Mund ist mehr als eine Süßigkeit. Denn sobald es ans Sprechen geht, wird es schwierig. Die Worte wollen nicht so richtig über die Lippen, der Gegenüber versteht einen schlecht. Für Menschen nach einem Schlaganfall Alltag, für die 15 Schüler der Otl-Aicher-Realschule eine praktische Übung beim Besuch im Seniorenzentrum Carl-Joseph in Leutkirch.

Wie die Vinzenz von Paul gGmbH in einem Pressetext schreibt, erkunden die Zehntklässler im Rahmen des Fachs Mensch und Umwelt altersbedingte Veränderungen und überlegen gleichzeitig, was das für den Umgang mit Älteren bedeutet. Dafür sind sie einen Vormittag in der Pflegeeinrichtung zu Gast und lassen sich mit Alterssimulationsanzug, Demenzparcours und Praxiseinheiten, wie dem gegenseitigen Anreichen von Essen, auf das Alter und typische Krankheitsbilder ein. „Die Theorie ist das eine, aber so können die Schüler auch praktisch erfahren, was es heißt, auf Unterstützung angewiesen zu sein“, sagt Lehrerin Christine Bergmann, die die Kooperation mit dem Seniorenzentrum schätzt. „Nach dem praktischen Erlebnis bei uns, haben die Jugendlichen ein anderes Verständnis für das Leben im Alter und werden das nächste Mal an der Kasse geduldiger sein, wenn ein älterer Mensch nicht gleich das Kleingeld parat hat“, ist sich Einrichtungsleiterin Simone Simon sicher.

Gemeinsam mit ihrem Team hat sie ein am Lehrplan orientiertes Praxisangebot erstellt, aus dem die Lehrkräfte für ihren Unterricht wählen können. „Uns war es wichtig, dass junge Menschen zu uns kommen und im direkten Kontakt Hemmschwellen abbauen. Es gibt viele Vorurteile über die Themen Alter und Sterben. So können wir ein wenig dazu beitragen, dass damit aufgeräumt wird und es ist klasse, dass die Schule das Angebot so rege nutzt“, sagt Simon.

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