Sebastian Sladek spricht über Stromerzeugung

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Nicht nur über Erheiterndes hat Sebastian Sladek (rechts) in seinem Vortrag zu berichten.
Nicht nur über Erheiterndes hat Sebastian Sladek (rechts) in seinem Vortrag zu berichten. (Foto: Karl-Heinz Schweigert)
Karl-Heinz Schweigert

„Der Stromverbrauch in den Haushalten steigt. Aber viele wollen nicht sehen, wie er gemacht und transportiert wird.“ So die nüchterne Feststellung von Sebastian Sladek, der als Referent vom Energiebündnis am Freitagabend in den Bürgerbahnhof von Leutkirch geladen wurde. Sein engagiert detaillierter Vortrag lautete: „Die Schönauer Stromrebellen – Herausforderungen damals und heute“.

Die Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 war für die Familie Sladek der Auslöser, sich von den großen Energieversorgern zu entfernen und ihr Dorf, gegen anfänglich erhebliche Bedenken, auf regionalen Ökostrom umzustellen. So wurde 1996, auch dank einer originellen Werbekampagne („Ich bin ein Störfall“), mit einer knappen Mehrheit beschlossen, selber das Netz zu betreiben. 1997 übernahmen die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) das Stromnetz und installierten auf der evangelischen Kirche die erste Photovoltaik-Anlage. Aus dem Familienbetrieb wurde 2009 eine Genossenschaft mit heute mehr als 7300 Mitgliedern und 160 Mitarbeitern. Die EWS betreibt aktuell neun Stromnetze, fünf Wärmenetze und zwei Gasnetze, Wind- und Solarparks und unterstützt Forschungsprojekte.

Sladek verschwieg jedoch nicht, dass seit Jahren der Widerstand gegen den Ausbau von regenerativen Energien wächst. Hierzu führten aus seiner Sicht der Auslauf des Energieeinspeisungsgesetzes, die Opposition vor Ort gegen Windkraft und Stromleitungen sowie der extreme Preiswettbewerb. Chancen sieht er dagegen mit der „Renaissance von kleinen Anlagen mit hohem Eigenbrauchsanteil“ – wie bei der Agrophotovoltaik: Hier werden die Module in einigen Metern Höhe installiert, sodass darunter weiter Ackerbau betrieben werden kann.

„Wie vor 20 Jahren sind die Fragen gleich geblieben“, lautete die desillusionierte Rückschau des Referenten, der fordert: „Wir müssen wieder lauter werden, aber auch im Sinn einer „sozialökologischen Rendite“ fragen: Was kann ich für die Anderen tun?“ Die Klimawende sei nur mit mehr Tempo beim Ausbau regenerativer Quellen und Energiespeichern, mit intelligenter Digitalisierung und Mobilität sowie einer Kohlendioxid-Abgabe zu schaffen.

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