Schulverpflegung in Leutkirch soll regionaler werden

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 Carola Schraff ist neue Kernig-Projektleiterin bei der Stadt Leutkirch.
Carola Schraff ist neue Kernig-Projektleiterin bei der Stadt Leutkirch. (Foto: Simon Nill)
Redaktionsleiter

Um das städtische Ernährungsprojekt Kernig ist es in den vergangenen Monaten ruhig geworden. Nach mehreren Bürgerdialogen und Expertenrunden hatte der Leutkircher Gemeinderat vor rund einem Jahr Ziele und Maßnahmen beschlossen, die zu einer bewussten, gesunden und klimaschonenden Ernährung führen sollen. Mittlerweile hat die Stadt Leutkirch eine neue Projektleiterin installiert. Zudem sind erste Teilprojekte – vor allem in Zusammenarbeit mit der entstandenen Bürgerinitiative – umgesetzt.

Neue Kernig-Projektleiterin bei der Stadt Leutkirch ist Carola Schraff. Die 28-Jährige stammt aus Friedrichshafen und hat in Kiel Agrarwissenschaften studiert. Über eine Zeitschrift sei sie auf Kernig aufmerksam geworden. Es folgte eine Initiativbewerbung. Das Thema Ernährung liegt ihr persönlich am Herzen, wie sie im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ sagt: „Kernig spricht die Dinge an, die ich selbst als wichtig empfinde.“ Die regionale Landwirtschaft stärken oder gemeinsam mit Bürgern Ideen zur Verbesserung der Ernährung entwickeln, sind zwei ihrer Ziele. Schraff trat am 15. Oktober die Nachfolge von Nadine Zettlmeißl an.

In den ersten Tagen ging es für die neue Mitarbeiterin in Teilzeit darum, Kontakte zu den verschiedenen Kernig-Ansprechpartnern aufzubauen. Aber auch in die Umsetzung erster Projekte ist Schraff bereits involviert. Ganz oben auf der Agenda steht derzeit die Veränderung der Schulverpflegung. „Wir wollen den Anteil regionaler, biologischer Lebensmittel erhöhen“, meint sie. Es gehe auch darum, in den Schulen ein Bewusstsein für gesunde Ernährung zu schaffen.

Zu den anstehenden Aufgaben zählt laut Schraff auch das Erstellen eines Leitfadens, der dafür sorgen soll, dass bei Leutkircher Veranstaltungen überwiegend nachhaltige Lebensmittel zum Einsatz kommen. „Wir wollen da ein ökologisches Kriterium reinbringen“, sagt Michael Krumböck, Umweltbeauftragter der Stadt Leutkirch. Gemeint sind Events wie das Kinderfest oder das Altstadt-Sommerfestival.

Bei den Kernig-Ideen, die bereits umgesetzt sind, ist in erster Linie der Mitmach-Garten am Leutkircher Leprosenhaus zu nennen. Verantwortlich dafür ist vor allem die aus dem Ernährungsprojekt entstandene Bürgerinitiative. Reifes Gemüse und viele Blumen zierten bis vor kurzem die 14 Gartenparzellen an der Memminger Straße.

Demnächst soll das Areal auf das langgezogene Gelände an der Bahnstrecke gegenüber des Leprosenhauses ausgeweitet werden. Für die kommenden Jahre ist geplant, dort Bienen zu halten oder anzusiedeln, einen öffentlichen Zugang für die Leutkircher zu Obst und Beeren anzubieten sowie eine Grillstelle als Treffpunkt für die Mitmachgärtner einzurichten. Eine andere Kernig-Idee, die bereits kurzfristig umgesetzt werden konnte, ist die Abschaffung der Gebühren für den Leutkircher Bauernmarkt.

Michael Krumböck bezeichnet die Bürgerinitiative als „großen Glücksfall“. Denn ein Großteil der Ideen könnte durch rein städtische Kräfte nicht verwirklicht werden. Carola Schraff ist jedenfalls bestrebt, die ehrenamtlichen Kräfte im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu unterstützen.

Solidarische Landwirtschaft

Für 28 Maßnahmen, die in Bürgerdialogen und Expertenrunden entstanden sind, hatte der Leutkircher Gemeinderat grünes Licht zur Umsetzung gegeben. Dazu zählt beispielsweise das Initiieren von Kochkursen mit regionalen Lebensmitteln an Schulen. Dazu zählt die Suche eines regionalen Caterers. Dazu zählt die Attraktivierung des Wochenmarkts. Und dazu zählt auch die Gründung einer solidarischen Landwirtschaft. Da das Kernig-Konzept allerdings langfristig angelegt ist, müssen laut Krumböck nicht alle Ideen vor dem Projektende im September 2019 angegangen werden.

„Wir sind froh, dass es das wissenschaftliche Projekt gibt. Wir haben viele gute Ansätze gekriegt“, sagt Michael Krumböck. Finanziert wird Kernig vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Leutkirch ist neben Waldkirch bei Freiburg eine der Modellstädte für das Konzept und nimmt dadurch eine Vorreiterrolle ein. Die Laufzeit beträgt drei Jahre.

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