Schmidsfelden feiert Erntedank mit Glas und Ochs

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Glas auch für die Kleinen: Kinder verzieren Spiegel und Bilderrahmen mit Glasscherben.
Glas auch für die Kleinen: Kinder verzieren Spiegel und Bilderrahmen mit Glasscherben. (Foto: Fotos: Sabine Centner)
Sabine Centner

Erster Sonntag im Oktober, Erntedank, Glashüttenfest in Schmidsfelden: Diese Kombination scheint in vielen Terminkalendern ganz dick angestrichen zu sein. Und das Jahr für Jahr. Auch heuer wieder nutzten unzählige Besucher den spätsommerlich milden Erntedanksonntag für einen Besuch im historischen Glasmacherdorf. Schlenderten die Marktstände ab, bewunderten die Kunst der Glasmacher, informierten sich über die Vergangenheit des Dorfes und – dies nicht zuletzt – stärkten sich mit Deftigem und Süßem. Das alles gehört zusammen, schließlich steht das Fest seit vielen Jahren unter dem Motto: „Glas trifft Ochs“.

Längst Tradition ist der Gottesdienst zum Auftakt. Durchs gut gefüllte Festzelt ziehen schon erste verlockende Düfte aus Töpfen und Pfannen, der Altar ist liebevoll geschmückt mit Blumen, Früchten und Ähren. Alphornbläser unter der Leitung von Siegfried Leitermann und die Altstadtmusikanten unter der Leitung von Anton Mang sorgen für die musikalische Umrahmung des Gottesdienstes, den Marc Grießer feiert, der Pfarrer der Seelsorgeeinheit Alpenblick.

Ein erleichtert ausgesprochenes „Gott sei Dank“, sagt Grießer in seiner mit viel Beifall bedachten Predigt, sollte mehr sein als ein Stoßseufzer. Es mache die Sehnsucht des Menschen nach dem Größeren deutlich, nach der Wahrheit, nach Engagement und Veränderung – letztlich also nach Christus. Die Fülle der Erntegaben wiederum sei ein Symbol für die Fülle des Lebens. Dafür gelte es zu danken.

Draußen dreht sich derweil schon der Ochs am Spieß, eine lange Schlange Hungriger wartet. Die ersten Bierkrüge werden gefüllt, Schupfnudeln brutzeln in der Pfanne, gebrannte Mandeln duften, Herbstliches wartet auf Käufer, Äpfel und Apfelsaft, Trockenfrüchte und Nüsse, Honig und Bienenwachsprodukte, Pesto und Schokolade.

Und natürlich gibt es Glas in jedweder Form: Glasmacher Stefan Michaelis und seine Kollegin Katharina Hagl lassen sich bei der Arbeit am Schmelzofen und beim Blasen bunter Kugeln zuschauen. Es gibt Glasschmuck, Garten- und Deko-Artikel für zu Hause, Kinder verzieren Spiegel und Bilderrahmen mit farbigen Glasscherben. Vor dem Glasperlenstudio im Oberhaus dürfen sie sogar selbst kleine Kugeln blasen.

Die Heimatpflege lädt Interessierte zu Führungen durchs Glasmuseum oder durch das ehemalige Glasmacherdorf ein. Wer mag, macht einen Spaziergang zum Pocher ganz in der Nähe. Dort zerkleinerten die Glasmacher früherer Zeiten Quarzgerölle, den Rohstoff für die Glasherstellung.

Danach tut dann schon wieder eine Stärkung gut, etwa bei Kaffee und Kuchen. Hungern muss niemand: „1200 Stück Torte und Kuchen sollten wir an den Mann und die Frau bringen“, hatte Rudi Dentler von der Heimatpflege schon am Morgen für das Angebot geworben.

„Seit Jahrzehnten“ ist es Tradition, das Glashüttenfest, wie Dentler erinnert. Seit neun Jahren ist der Lebensmittel-Einzelhändler Feneberg der Partner der Veranstaltung – mit Weideochsen. Diese sind, das macht ein Vertreter der Firma deutlich, den ganzen Sommer über auf der Weide und pflegen so die Kulturlandschaft im Allgäu.

210 Landwirte aus dem Raum Kempten-Leutkirch hätten sich vertraglich an Feneberg gebunden, geschlachtet werden die Rinder am Ende der Weidesaison – oder eben fürs Weidochsenfest in Schmidsfelden. Damit Glas und Ochs sich treffen können.

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