Riesenbeifall – im zweiten Anlauf

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 Hoppla – was singt der Tenor denn da? Markus Herzog hat eine Wiederholung übersehen, nicht nur Cantabile-Dirigent Stefan Deusch
Hoppla – was singt der Tenor denn da? Markus Herzog hat eine Wiederholung übersehen, nicht nur Cantabile-Dirigent Stefan Deuschle guckt irritiert. Im zweiten Anlauf wird aber alles gut, sehr gut. (Foto: Bernd Guido Weber)
Bernd Guido Weber

Was ist den da, beim geistlichen Konzert in der Kirche St. Martin, plötzlich los? Stefan Deuschle, Leiter des Kammercors Cantabile, guckt erstaunt. Tenor Markus Herzog blättert hektisch in den Notenblättern von Johann Sebastian Bachs „Aus der Tiefe, ruf´ich, Herr zu dir“. Die Sängerinnen und Sänger wirken ebenfalls leicht verunsichert. Dann klappt Herzog, renommierter Sänger unter anderem an der Bayerischen Staatsoper München, seine Notenmappe zu, geht. Stefan Deuschle bringt die eindrucksvollen Kantate dennoch passabel zu Ende, mit einem jubelnden Chor als Schlusspunkt.

So etwas passiert einem Profi-Tenor selten – aber es kann passieren. Herzog hat ein Wiederholungszeichen in seiner Partitur übersehen, singt an einer Stelle weiter, die noch gar nicht dran ist. Findet nicht mehr ins Stück. Deuschle stellt aber nach dem prasselnden Schlussapplaus der vielen Besucherinnen und Besucher den guten Ruf des Tenors wieder her. Eine zweite Chance. Statt einer Zugabe lässt er diesen Part wiederholen. Markus Herzog singt atemberaubend, auch in höchster Lage. Eine tolle Stimme!

Cantabile eröffnen a capella mit zwei Stücken von Palestrina. Ausgefeilte Mehrstimmigkeit, schöne Intonation. Fröhlich endet die Bach-Motette „Jesu, meine Freude“. Vielschichtig, mit großer Dynamik, bringt der Chor zwei geistliche Stücke von Anton Bruckner. Von schlichter Schönheit ist „Ave Generosa“ des 1978 geborenen Norwegers Ola Gjello, mit langem Ausklang. Zwischendurch erfreut der junge, begabte Lucas Reeg an der Karl-Orgel, bringt neben Choralvorspielen die wirkmächtige 2. Orgelsonate von Felix Mendelsohn-Bartholdy. Fast grell, wuchtig, fordernd dagegen die Pelude op. 9, Nr. 6 von Hermann Schröder (1904-1984).

Höhepunkt ist natürlich Bachs eindrucksvolle Vertonung des Psalms 130. Ein Instrumentalensemble der Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben (KBO) begleitet präzise, mit ausgewogenem Klang, dazu kommen Tenor Markus Herzog und Bariton Tobias Rädle aus Friedrichshafen. Rädle hat Stimme, kann sich aber gegenüber Chor und Ensemble nicht immer durchsetzen. Herzog sehr wohl. Er brilliert, zusammen mit den Sängerinnen und Sängern von Cantabile. Ein würdiger Beitrag zur 500 Jahre „Leutekirche“ St. Martin.

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