Richard Zettler stirbt mit 94 Jahren

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Richard Zettler ist im Alter von 94 Jahren verstorben.
Richard Zettler ist im Alter von 94 Jahren verstorben. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Der Kammermusiker Richard Zettler, der am 1. November 1921 in der Leutkircher Marktstraße als Sohn des Kürschnermeisters Richard Zettler und der Stuttgarter Weingärtnerstochter Pauline Stöckle das Licht der Welt erblickte, ist am 13. April in Stuttgart im Alter von 94Jahren verstorben.

Zettler war nach dem Studium an der Musikhochschule Stuttgart (Posaune, Cello, Komposition) und dem Militärdienst im Musikkorps der Luftwaffe Mitbegründer des Radio Sinfonie Orchesters (RSO) Stuttgart, das zu den besten Klangkörpern der Welt zählt.

Seine außerordentliche Musikalität fiel schon sehr früh auf. Als Zehnjähriger spielte er als Autodidakt bereits in der Stadtkapelle Leutkirch die Violine und in der Blaskapelle die Posaune. Für Friedhofsmusik wurde er vom Unterricht freigestellt.

Besuch der Musikhochschule in Stuttgart

Stadtmusikdirektor Xaver Zeh und Gymnasiallehrer Anton Kümmel förderten den kleinen Richard nach Kräften und schickten ihn nach dem „Einjährigen“ an der Latein- und Realschule (heute Hans-Multscher-Gymnasium) nach Stuttgart auf die Musikhochschule, wo er die Fächer Posaune, Cello und Klavier belegte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war er von 1945 bis 1977 Soloposaunist beim neu gegründeten RSO. Neben seiner Orchestertätigkeit komponierte Zettler anfangs sinfonische Musik, wobei er vor allem selten goutierten Instrumenten wie Englischhorn oder Posaune eine Plattform schuf.

Sinfonische Blasmusik und die Bläserbearbeitung

Später beschränkte sich seine kompositorische Tätigkeit vor allem auf sinfonische Blasmusik und die Bläserbearbeitung internationaler Volkslieder.

Er leitete etliche Musikvereine, die er wie Aldingen und später das Städtische Orchester Waiblingen in die Höchststufe führte. Einen Höhepunkt seines späten kompositorischen Schaffens bildete 1999 die Bühnenmusik zu den Altusriedern Festspielen – „Anno 1525 – Bauernkrieg im Allgäu“. Fürst Georg von Waldburg-Zeil gab bei ihm den „Fürst Georg-Marsch“ in Auftrag.

Ab 1963 lehrte er an der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen und an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. In den 1970er-Jahren war er Gründungsmitglied des Landesblasorchesters, dessen musikalischer Leiter er von 1978 bis 1980 war.

Bundesverdienstkreuz am Bande wurde ihm verliehen

1979 verlieh ihm der damalige Ministerpräsident Lothar Späth den Titel Kammermusiker. 1980 wurde Zettler zum Professor für Posaune und Harmonielehre an der Musikhochschule Stuttgart ernannt und 1995 emeritiert. Für seine Verdienste bei der Gründung des LBOs erhielt er 1981 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Der Heimatstadt Leutkirch stets verbunden

Seiner Heimatstadt Leutkirch war Richard Zettler bis zu seinem Tode eng verbunden. Er fühlte sich immer als Allgäuer, weshalb er auch den Allgäuer Dialekt nie ganz ablegte. Er bildete sich auf seine außergewöhnlichen musikalischen Fähigkeiten nie etwas ein, gab sich nie als exaltierter Künstler, sondern handelte immer nach seine Devise „Kunst kommt von Können“.

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