Region ist bei Einsätzen von Rettungswagen offenbar gut aufgestellt

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 Die DRK-Rettungswache in Isny: In Notfällen fahren die Rettungswagen auch in die bayerische Nachbarschaft – wie umgekehrt die B
Die DRK-Rettungswache in Isny: In Notfällen fahren die Rettungswagen auch in die bayerische Nachbarschaft – wie umgekehrt die Bayern ebenfalls in Baden-Württemberg aushelfen. Seit 2017 ist ein zweiter Rettungswagen in Isny stationiert. Das machte wegen zu wenig Garagen am Bufflerweg den Neubau der Rettungswache am Nordring nötig, die im Frühjahr 2019 bezogen werden soll. Der günstigere Standort und das zweite Fahrzeug lässt in der Statistik dafür bessere Zeitquoten erwarten. (Foto: Tobias Schumacher)

Gute Nachricht für Leutkirch, Isny, Bad Wurzach, Aitrach und Aichstetten: Offenbar kommt in diesen Kommunen der Rettungswagen in den allermeisten Fällen innerhalb der gesetzlich geforderten 15-Minuten-Frist. Eine vom Südwestdeutschen Rundfunk (SWR) erstellte Statistik, in der leicht negativere Werte erfasst wurden, soll demnach für die Region nicht vollständig zutreffen, erklärt Wolfgang Dieing.

Der leitende Notarzt ist unter anderem für den Dienstplan der Notärzte im Bereich Isny sowie Leutkirch zuständig und gehört zum Präsidium des Kreisverbandes Wangen vom Deutschen Roten Kreuz. Dieing verweist darauf, dass in der SWR-Statistik die im baden-württembergischen Grenzbereich eingesetzten bayerischen Rettungswagen nicht erfasst seien. Zudem beachte das Zahlenwerk nicht den Einsatz der sogenannten „Helfer vor Ort“. Auch sie müssten seiner Einschätzung nach berücksichtigt werden, wenn es darum gehe, in einem Notfall schnellstmöglich zu helfen.

Die Studie ist ein Kooperationsprojekt der „Schwäbischen Zeitung“ mit dem SWR, wobei die vom Sender erfassten Zahlen auf ortsbezogene Daten von Organisationen des Rettungswesen und Behörden zurückgehen.

Für das Jahr 2016 besagt die Aufstellung, dass ein Rettungswagen in Leutkirch und Bad Wurzach in 90 bis 95 Prozent der Fälle innerhalb der 15-Minuten-Frist am Ort eines Notfalles ist. Für Isny, Aichstetten und Aitrach ist das Ergebnis in dieser Statistik bescheidener. Hier ist nur von 80 bis 90 Prozent der Fälle die Rede. Wobei sich Isny nach den vorliegenden Zahlen von 2017 auf die Leutkircher und Bad Wurzacher Ebene verbessert hat. Letztere Städte erreichten 2017 erneut 90 bis 95 Prozent, Aichstetten und Aitrach bleiben beim bescheidenen Vorjahreswert.

Mit dem Zahlenverk vertraut

Notarzt Dieing ist nach eigenen Angaben mit dem Hintergrund des Zahlenwerks und dessen Erfassung vertraut und macht auf einige Zusammenhänge aufmerksam, die er als „statistische Mängel“ empfindet. Zuallererst betrifft dies die Rettungswagen aus Bayern: „Sie fehlen in der Statistik. Sie erfasst nur baden-württembergische Rettungswagen.“

Dieing lebt in Isny und engagiert sich seit vielen Jahren für das Rettungswesen in der Region. Er weist darauf hin, dass etwa Aitrach und Aichstetten aus dem bayerischen Memmingen mitversorgt würden. „Würden diese Fahrten erfasst, sähen die dortigen Zahlen wesentlich besser aus“, sie würden denen in Leutkirch, Bad Wurzach oder Isny gleichen, sagt Dieing. Wobei zumindest Leutkirch wie Isny ebenso vom Freistaat aus angefahren werden – beide Städte aus Altusried, Isny zusätzlich aus Lindenberg. „Ebenso helfen wir aus Baden-Württemberg in Bayern aus“, ergänzt Dieing. Von der Leitstelle alarmiert würden eben jene Rettungswagen, die am schnellsten vor Ort sein könnten.

Prinzipiell hält der Notarzt die Bereitschaftsstandorte in diesem Zusammenhang für gut gerüstet. In Leutkirch, Isny und Bad Wurzach stehe jeweils ständig ein Wagen in Bereitschaft. Isny und Leutkirch verfügten zudem tagsüber noch über jeweils ein weiteres Fahrzeug. Wobei der zusätzliche Wagen in Isny erst seit diesem Jahr dort ist. „Dies verändert die Zahlen der Vorjahre natürlich auch positiv“, betont Dieing.

Er fügt an, dass es für ihn mit Blick auf die Zeitstatistik der Rettungswagen ein weiteres Problem gebe: Die Fahrtzeiten würden über ein System namens „Rescuetrack“ erfasst. Wie Dieing erklärt, funktioniere es so ähnlich wie ein satellitengestütztes Ortungssystem (GPS). Sei bei einer Alarmierung aber nicht sofort klar, dass ein Notfall vorliege, würden sich die Fahrer erst einmal auf die normale Geschwindigkeit beschränken. „Kommt dann vielleicht nach zehn Minuten Fahrt die Zusatzinformation Notfall, ist bereits viel Zeit vertan“, erklärt der Notarzt. Ohne dass die Rettungskräfte etwas dafür könnten, sei dann der Ort des Geschehens vielleicht nicht mehr in der 15-Minuten-Frist zu erreichen. Die Statistik erfasse solche Fälle dann als Langsam-Fahrt.

Schuler-Kuon bestätigt Dieing

Die Leutkircher Ärztin Brigitte Schuler-Kuon bestätigt die Aussagen ihres Isnyer Kollegen: „Wir liegen bei den Rettungszeiten gut.“ Sie gehört zu den ehrenamtlich tätigen Notärzten und ist stellvertretende Kreisbereitschaftsärztin im DRK-Kreisverband Wangen. Für Bad Wurzach nennt Volker Geier, Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes Bodensee-Oberschwaben, weitere Zahlen zur Statistik. Im Vergleich zu Leutkirch und Isny gebe es in der Kurstadt eine Besonderheit: Sie verfüge zwar über einen Rettungswagen, der Notarzt ist aber nicht beim Fahrzeug stationiert, sondern kommt von außerhalb. Das heißt, er muss extra fahren. Was nach den vorliegenden Zahlen in Bad Wurzach dazu führt, dass der Rettungswagen immer wieder schneller da ist als der Notarzt.

Schnellstmögliche Versorgung

Generell fordert das DRK, dass die gesetzliche Vorgabe von 15 Minuten in 95 Prozent der Notfalleinsätze eingehalten wird. Daneben existiert noch eine medizinisch wünschenswerte Hilfsfrist von zehn Minuten. Das DRK hätte in diesem Fall gerne eine Quote von mindestens 80 Prozent. Wobei es eine grundlegende Leitlinie gibt: die schnellstmögliche Versorgung von Patienten.

In diesem Zusammenhang kommen die „Helfer vor Ort“ mit ins Spiel. Nach der Definition handelt es sich um mindestens in erweiterter Erster Hilfe und in der Regel grundlegend sanitäts- oder rettungsdienstlich ausgebildete Personen. Sie sollen bei Notfällen die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungswagen beziehungsweise des Notarztes überbrücken.

In der ohne Rettungswagen ausgestatteten Gemeinde Aichstetten sind die „Helfer vor Ort“ womöglich noch relevanter als anderswo. Andreas Löchle-Schmid, Bereitschaftsleiter und Ortsvereinsvorsitzender des DRK Aichstetten, berichtet dazu, dass die „Helfer-vor-Ort“-Gruppe „hauptsächlich für das Gebiet der Gemeinde Aichstetten bei medizinischen Notfällen zeitgleich zum regulären Rettungsdienst alarmiert“ werde. Da diese ehrenamtlichen Helfer in Aichstetten wohnen, würden sie meist vor dem Rettungsdienst eintreffen und könnten die ersten Maßnahmen ergreifen.

In der SWR-Rettungswagen-Statistik werden diese Einsätze nicht erfasst. Schließlich kommen die „Helfer vor Ort“ üblicherweise nicht im Rettungswagen, sondern mit anderen Fahrzeugen.

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