Prozession führt auf den Kapellenberg

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Eingebettet in einen Landstrich: Von Engerazhofen aus schlängelt sich eine lange Prozession hoch zum Kapellenberg.
Eingebettet in einen Landstrich: Von Engerazhofen aus schlängelt sich eine lange Prozession hoch zum Kapellenberg. (Foto: Wolfgang Roth)
Schwäbische Zeitung
Wolfgang Roth

Zum La-Salette-Kapellenfest in Engerazhofen haben sich am Sonntagvormittag auf dem Fuchsberg in der Mulde vor der Wallfahrtskapelle zahlreiche Gläubige versammelt. Das Besondere in diesem Jahr: Am 19. September 1866 wurde die Kapelle zu Ehren „Unserer Lieben Frau von La Salette“ geweiht. Und heuer jährt sich dieser Tag zum 150. Mal.

Der Ursprung dieser Kapelle liegt in den Hochalpen Frankreichs bei Grenoble. 20 Jahre zuvor, also 1846, erschien zwei Hirtenkindern die Jungfrau Maria. Sie wurde von den Kindern „schöne Dame“ genannt und weinte vor Kummer und übergab den Kindern Botschaften.

Die Allgäuer Panoramalandschaft zeigt sich an diesem Septembermorgen von ihrer schönsten Seite, strahlend blau der Himmel, eine klare Weitsicht vom Fuchsberg aus in alle Richtungen. Von der Ortschaft Engerazhofen aus macht sich eine große Prozession auf in Richtung Kapellenberg. Angeführt von den Ministranten und dem Kreuzträger folgen die Musikkapelle Engerazhofen, die Geistlichkeit und eine beträchtliche Anzahl von singenden und betenden Menschen. Die Musikkapelle spielt feierliche Prozessionsmärsche, trotz der Steigung kommt ihr Spiel nicht zum Erliegen.

Große Bronzefigurenstellen das Ereignis nach

Pater Robert begrüßt die unterhalb der Kapelle in der Mulde versammelten Menschen. Bronzefiguren in Lebensgröße stellen das Ereignis nach, das sich in Frankreich vor 170Jahren zugetragen hat. Hauptzelebrant der Messfeier ist Dekan Ekhard Schmid aus Weingarten. Er hält auch die Festpredigt. In seinen Worten versucht er zu ergründen, welche Botschaft auch heute von Maria an die Menschen ausgeht. Zentral dabei sei die Frage, wo Gott heute im Alltag vorkommt. Zunächst beginnt er mit einem Zitat über das Oberland. Es sei ein Land der Bildstöcke, ein Passionsland, ein Landstrich, der religiös geprägt sei, und eben mehr als nur ein Urlaubsparadies. Die Seele, die diesen Landstrich geprägt habe, zeige sich auch heute noch in den zahlreichen Wallfahrtsorten.

Die Gottesmutter sei den Kindern weinend erschienen. Er legte diese Feststellung in der Richtung aus, dass Gott den Menschen nicht egal sei. Er ging auch auf die Zeitumstände ein, in denen dieser religiöse Kleinod im Herzen des Allgäus entstand. Ausgegangen war der Bau der Kapelle von einem Gelübde des damaligen Ortspfarrers, der versprach, der heiligen Maria eine Kapelle zu bauen, wenn er eine schwere Krankheit überstehen sollte.

Mit dem Dekan konzelebrierten drei weitere Priester: Pfarrer Hans Schall, Pfarrer Siegfried Knaus und Pater Robert Gubala. Die Musikkapelle Engerazhofen gestaltete den Berggottesdienst würdevoll. Ein Blick in die Festschrift anlässlich des 150-jährigen Bestehens gibt Auskunft über die wechselvolle Geschichte. Mit traditionellen Liedern, einer grandiosen Sicht, bei überwältigendem Spätsommerwetter wurde der Festgottesdienst in der Mulde bei der La-Salette-Kapelle zu einem religiösen Erlebnis.

Die Gottesmutter Maria rief die Hirtenkinder auf, zu beten und den Sonntag zu heiligen. Dekan Schmid gab den Gläubigen Ideen mit, wie dieser Tag gestaltet werden kann. Er sollte als von Gott gegeben nicht kritisiert werden, Zeit zur „Rekration“, also Neuschaffung des Menschen, bringen. Der Besuch der Messe in der eigenen Pfarrei und die Auseinandersetzung mit dem Sonntagsevangelium, das seien die prägenden Elemente eines im christlichen Sinne gestalteten Tag des Herrn. Im Anschluss bedankte sich Pater Robert bei allen, die bei Vorbereitung und Durchführung geholfen hatten. Er lud alle zu einer von Schülern vorbereiteten Präsentation über die Kapelle und anschließend in das Haus der Mitte zum Mittagessen ein.

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