Provokation gehört dazu

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Der dreifache FDP-Kandidat Ralf Sauer: Doppelt auf dem Plakat und einmal echt.
Der dreifache FDP-Kandidat Ralf Sauer: Doppelt auf dem Plakat und einmal echt. (Foto: Herbert Beck)
Redaktionsleiter

Bei der Landtagswahl am 13. März treten im Wahlkreis Wangen-Illertal Kandidaten aus zwölf Parteien an. In einer Serie geht die „Schwäbische Zeitung“ auf einen Teil der Bewerberinnen und Bewerber und ihre Ambitionen ein. Heute: Ralf Sauer (FDP).

„Mich kann man mieten“, sagt Ralf Sauer, er meint das ganz ernsthaft. Als freischaffender Pilot ist er darauf angewiesen, dass sich Auftraggeber finden. Als Politiker ist das mit dem Mieten aber stark eingeschränkt. Seit 2009 hat Ralf Sauer sein Herz für die FDP entdeckt.

Kann ihm, trotz der zuletzt für die FDP gar nicht so schlechten Umfragen, der Einzug in den Stuttgarter Landtag gelingen? Ralf Sauer möchte sich nicht darauf versteifen, sein Leben ganz auf eine Karriere in der Politik auszurichten. Er weiß um die strukturelle Schwäche der FDP im Allgäu. In dem von der Fläche her großen Ortsverband „Württembergisches Allgäu“ gibt es gerade knapp 30 eingetragene FDP-Mitglieder. „Dabei ist der Allgäuer ein Urliberaler, er weiß es nur nicht“, behauptet Sauer. Das ist so ein Satz, der zu dem Vielflieger passt.

Gerne gibt Sauer Freches, Provokantes von sich. Das kann auch daneben gehen. So räumt der Liberale ein, dass er während des Bundestagswahlkampfs 2013 mit einer Schmähbotschaft gegen die Grünen-Politikerin Petra Roth bei seinem Versuch, „Leute wachzurütteln“, die Grenzen des guten Geschmacks wohl überschritten hat.

Schnell Anschluss gefunden

Da steht er nun, an einem Montag, auf dem Leutkircher Wochenmarkt. Ralf Sauer trägt eine gelbe Weste. Er kommt aber schon deswegen ins Gespräch mit vielen Leuten, weil sie ihn aus der Leutkircher Fasnet als Mitglied des Elferrats der Narrenzunft gut kennen. Sauer, der in einer kleinen Ortschaft nahe Leutkirch wohnt, engagiert sich zudem dort auch im Krieger- und Kameradschaftsverein. Der frühere Bundeswehrsoldat machte neugierig. Sauer sagt deshalb auch: „Ich habe nach meinem Zuzug in diese Landschaft schnell Anschluss gefunden.“ Das wirkt echt.

Bei Sauers politischen Themen bildet die Bildungspolitik einen Schwerpunkt. Nun gehört er nicht zu denen, die generell die Gemeinschaftsschule, die von der FDP als „Einheitsschule“ bezeichnet wird, ablehnen. Als Typ sei diese nicht schlecht, er bezeichnet sie gar als taugliches Modell für bevölkerungsschwache Regionen. „Da muss die Politik für ein breites Angebot an Abschlüssen sorgen.“ Dort aber, wo es die Strukturen hergäben, müssten alle anderen Schultypen ihre Chance bekommen. Obwohl die Bildungspolitik der vergangenen fünf Jahre von der SPD verantwortet worden ist, sieht er im Hintergrund die Grünen als jene Regierungspartei, die den Menschen zu stark ihren Stempel habe aufdrücken wollen. Die Grünen und deren Personal bekommen auch bei Sauers Blick auf die Verkehrspolitik ordentlich Fett ab. Verkehrsminister Winfried Hermann sei eine krasse Fehlbesetzung, viel zu sehr verliebt in seine Fahrradpolitik. Mumpitz sei auch das Ziel der Grünen, aus Baden-Württemberg ein Windkraftland zu machen. „Letztlich werden doch nur Subventionen abgegriffen.“

Keine Scheu vor Kretschmann

Sauer greift auch, trotz aller Beliebtheit, den grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann an: „Er konnte schon deshalb nicht viel falsch machen, weil er ja in den fünf Jahren gar nicht viel gemacht hat.“ Da ist er wieder, der Provokateur, der sich durchaus den Stil seines Spitzenkandidaten Hans-Ulrich Rülke zu eigen macht.

Ralf Sauer gibt zu, dass ein Wahlkampf ohne Rücksicht auf Koalitionspartner im Bund oder in anderen Ländern ein Stück Freiheit mit sich bringt. Deshalb kreidet er der CDU an, dass diese sehr lange gar kein Interesse daran gezeigt habe, den von der FDP vorgeschlagenen Schulfrieden mitzutragen. „Wenn es sein muss, dann muss man auch auf die CDU draufhauen, das schadet nichts.“ Dabei hat die Landes-FDP vorerst noch immer vor der nächsten Regierungsbildung die CDU ganz oben auf ihrem Wunschzettel stehen – trotz deren von ihm entdeckten Versäumnisse in vielen Politikbereichen. So lässt Sauer kaum ein gutes Haar an der derzeit in Berlin regierenden großen Koalition aus CDU und SPD. In der Flüchtlingspolitik entdeckt er zu viel Aktionismus: „Die Gesetzeslage reicht, man muss sie nur durchsetzen.“

Heftig greift der Liberale den Mindestlohn, vor allem aber die damit verbundenen Kontrollen, an. „Das alles schießt weit übers Ziel hinaus.“ 100 Millionen Euro an Steuergeldern seien im vergangenen Jahr verschwendet worden, um aus 5400Verdachtsfällen 124 echte Verstöße herauszufinden. Marktwirtschaftler Sauer bezeichnet das als mittelstandsfeindlich.

Mehr zur Landtagswahl in Baden-Württemberg am 13. März finden Sie im Internet unter

schwaebische.de/landtagswahl

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