Ohne Schulgelder kein Zugang zur Bildung

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 Insgesamt besuchen aktuell 215 Schüler die Bildungsreinrichtung in Verrettes, einem kleinen Ort im Karibikstaat Haiti. Ohne die
Insgesamt besuchen aktuell 215 Schüler die Bildungsreinrichtung in Verrettes, einem kleinen Ort im Karibikstaat Haiti. Ohne die Unterstützung des Haiti-Schulprojekts, wäre das nicht möglich. (Foto: Ricardo Longchamp)
Redaktionssekretariat

Im Rahmen der SZ-Weihnachtsaktion „Helfen macht Freude“ unterstützt die „Schwäbische Zeitung“ seit drei Jahren das Haiti-Schulprojekt, das vielen Kindern durch den Bau einer Bildungseinrichtung in Verrettes den Zugang zur Bildung ermöglicht. Mit Ausbruch der Pandemie können sich die meisten Eltern mittlerweile das Schulgeld für ihre Kinder nicht mehr leisten.

Über zehn Jahre ist es her, dass ein verheerendes Erdbeben den zuvor schon von Armut gebeutelten Karibikstaat, der als ärmstes lateinamerikanisches Land gilt, verwüstete und hunderttausende Menschen tötete. Eine Katastrophe, von der sich das Land unter anderem aus politischen und infrastrukturellen Gründen, sowie steigender Kriminalität samt ständiger Korruption, bis heute nicht erholen konnte. Der Ausbruch der Pandemie sowie eine steigende Anzahl an Arbeitslosen, darunter zahlreiche Analphabeten, macht die Situation im Land nicht besser und lässt die Bewohner nach und nach ärmer werden.

Keine Sicherheitsvorkehrungen

„Corona macht die Situation vor Ort nicht einfacher, da es im Land so gut wie keine Tests gibt und somit niemand weiß, wie viele Menschen von Covid-19 betroffen sind. Sicherheitsvorkehrungen wie eine Maskenpflicht gibt es hier einfach nicht“, bedauert Floribert Föhr, Vorsitzender des Haiti-Schulprojekts. Ein Umstand, der laut Föhr zur Folge hat, dass sich immer weniger Eltern das Schulgeld für ihre Kinder leisten können.

Aktuell würden 215 Schüler zum Unterricht kommen. „Bisher sind das 235 gewesen. Ich gehe mal davon aus, dass jetzt einige Kinder zu Hause bleiben müssen, um deren Familien beim täglichen Kampf um den Lebensunterhalt zu unterstützen“, sagt Föhr. Bisher habe der Verein das Schulgeld von etwa neun Euro pro Monat für 75 Kinder bezahlt. Mittlerweile seien es bereits 125 Kinder, für die der Verein aufkommen müsse. Somit würden sich die Kosten für das bevorstehende Schuljahr, anstatt wie bisher auf etwa 8000 Euro auf geschätzte 12 000 Euro belaufen.

Einnahmen fehlen

„Eigentlich wollten wir für die Schule weitere fünf Computer anschaffen (vier wurden bereits angeschafft), so dass jedes Klassenzimmer mit einem PC ausgestattet werden kann, denn der Umgang und die Arbeit mit den neuen Medien ist für die Kinder einfach wichtig“, erklärt der ehemalige Lehrer. Ein Wunschgedanke, der voraussichtlich in der aktuellen Situation nur schwer erfüllbar ist, denn wie bei vielen anderen Vereinen fehlen coronabedingt voraussichtlich Einnahmen. „Unser Haiti-Flohmarkt konnte heuer zwar gerade noch stattfinden und hat uns etwa 3000 Euro eingebracht“.

„Sollte der nächste, für Februar geplante, Flohmarkt entfallen müssen, würde das ein großes Loch für uns bedeuten, denn nicht nur die eigentliche Veranstaltung bringt uns stets Geld in die Kasse, sondern auch die sich daraus ergebenden Synergieeffekte, da es hier immer gute Gespräche mit Besuchern gibt, die oftmals zu einer zusätzlichen Spende bereit sind“, erklärt der Vorsitzende des Vereins. Auch rechne er heuer mit weniger Einnahmen aus der Aktion „Kinder helfen Kindern“, die dem Verein bisher stets ein Viertel der zusammengetragenen Gelder überlassen habe.

Das Schulgebäude steht zum Glück. Dennoch hat der Verein in so einer düsteren Zeit und insbesondere in so einem armen Land ordentlich zu kämpfen, um den Schulbetrieb aufrecht erhalten zu können. Ein Kampf der jedoch sein muss, denn ohne Schulbildung geht gar nichts. Insbesondere in einem Land in dem Tag für Tag Armut und der Kampf ums Überleben herrscht.

Gegründet wurde der Verein für das Schulprojekt auf Haiti im Jahr 2000 von Sieglinde Mayer aus Gebrazhofen, die bereits ein Jahr zuvor im Albert-Schweizer-Hospital arbeitete und hier die Armut des Landes kennenlernte. Gemeinsam mit Ricardo Longchamp, dem Leiter des Hospitals, der nach wie vor wichtigster Ansprechpartner für Föhr ist, beschloss sie in Verrettes, einem 50 000 Einwohner-Ort etwa 60 Kilometer außerhalb der Hauptstadt Port-au-Prince, eine Schule zu bauen. Umgesetzt wurde diese Idee mit dem Baubeginn im Jahr 2004 und der Fertigstellung im Jahr 2009. Es folgten zahlreiche Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen. Außerdem wurde für den Hausmeister, der gleichzeitig auch als Aufpasser arbeitet, im Jahr 2012 eine Wohnung geschaffen.

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