„Niemand hat das Recht zu töten“

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 Urs M. Fiechtner hat mit Realschülern über den Zusammenhang von Menschenrechten und Todesstrafe gesprochen.
Urs M. Fiechtner hat mit Realschülern über den Zusammenhang von Menschenrechten und Todesstrafe gesprochen. (Foto: Christine Hofer-Runst)
Christine Hofer-Runst

Urs M. Fiechtner, Schriftsteller und Mitarbeiter bei Amnesty International, hat am vergangenen Donnerstag in der Otl-Aicher-Realschule über den Zusammenhang von Menschenrechten und Todesstrafe referiert. Sein manifestierter Grundsatz lautete dabei „Man darf einem Staat nicht das Recht geben, zu töten“.

Anschaulich und in klaren Worten erklärte Urs M. Fiechtner den anwesenden Schülern, dass es sich bei Tätern, die zur Todesstrafe verurteilt wurden, keineswegs immer um Schwerverbrecher handelt. In einer Vielzahl der Fälle sind es regimekritische Mitbürger, sehr häufig Journalisten und Lehrer, die mit den politischen Gegebenheiten ihres Heimatlandes nicht einverstanden sind und dies auch kundtun. Zum aktuellen Geschehen in der Türkei argumentierte Fiechtner folgendermaßen: „Mitarbeiter von Amnesty International, Vertreter der Medien und eine Vielzahl von Kritikern sind in Haft und werden Terroristen gleichgestellt. Dieses Vorgehen ist ein übliches Instrument der Staatsoberhäupter, um die Macht des Staates zu erhalten“.

Auf die regen Nachfragen der Schüler berichtete er schonungslos offen über außergesetzliche Hinrichtungen in Indonesien oder Südamerika. Über Frauen in arabischen Ländern, die dort immer noch gesteinigt werden und über die Entwürdigungen, die Folteropfer körperlich und seelisch erdulden müssen. Helfen und Vollstreckungen verhindern, könne man am ehesten, wenn ein Land über ein einigermaßen funktionierendes Rechtssystem verfüge.

Fragen zu einzelnen Parteiinhalten beantwortete er übergeordnet. „Wir arbeiten überparteilich“ war seine entsprechende Antwort. Er verwies jedoch auf das deutsche Grundgesetz und die Verfassung, die weltpolitisch eine der Liberalsten sei. Bereits 1949 wurden die Menschenrechte als „Geburtsrechte“ anerkannt und heute, im 21. Jahrhundert, stärker denn je umgesetzt.

In seinem Schlusswort plädierte Urs M. Fiechtner für „Vielfalt statt Einfalt“ und erklärte die Aussage den Jugendlichen folgendermaßen: „Bei einem Problem nähert man sich am ehesten der Wahrheit, durch unterschiedliche Ansichten von unterschiedlichen Menschen unterschiedlicher Herkunft“.

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