Nebel, Kissen und ein Bockturm-Geheimnis

Lesedauer: 6 Min

Ein spannender Moment: Die Akteure proben erstmals in Kostümen.
Ein spannender Moment: Die Akteure proben erstmals in Kostümen. (Foto: King)

Das Theater findet an folgenden Terminen statt: Freitag, 13. Juli, um 15 Uhr, Samstag, 14. Juli, um 19.30 Uhr, Sonntag, 15. Juli, um 14 Uhr und Montag, 16. Juli, um 19.30 Uhr. Die Eintrittspreise betragen am Freitag für Erwachsene 5 Euro und für Kinder 2,50 Euro, die restlichen Tage 6 bzw. 3 Euro.

Der Erlös kommt hauptsächlich der Otl-Aicher-Realschule zugute und trägt zur Finanzierung des Theaters bei.

Einklappen  Ausklappen 

„Das Trinken ist alle“, beschwert sich ein Sechstklässler, und Festhallen-Hausmeister Olaf Rohne will zeitgleich wissen, „ob nachmittags auch der Nebel gebraucht wird.“ Als dann noch zwei Mädchen von ihr wissen wollen, wann es mittags weitergehe, muss Gertrud Hiemer-Haslach, die Projektleiterin vom diesjährigen Kinderfesttheater, tatsächlich energisch werden und die beiden wegschicken.

Die Otl-Aicher-Realschule führt dieses Jahr „Schlaflos in Schlummerland“ auf, und Hiemer-Haslach hat beim vierten Probendurchlauf alle Hände und Ohren voll zu tun. Hauptprobe ist angesagt, zum ersten Mal mit Kostümen. Morgens und mittags. Dazwischen gibt es Pizza für alle und Seezüngle, spendiert von der Brauerei Härle. „Nein, Nebel, nur morgens, die Feuerwehr weiß Bescheid“, sagt sie, und auch den Fünftklässler kann sie beruhigen. „Da ist noch Wasser da, das weiß ich.“

Im Lohboden liegen Requisiten herum, jeder Schüler kennt seinen Tisch, und in den Künstlergarderoben wird geschminkt. Etliche Mütter sind vor Ort und malen Lidstriche oder blutige Spuren für die „Bösen Träume“, binden Haare hoch oder kleben Bärte an. „Eineinhalb Stunden brauchen wir locker für die Hauptrollen“, sagt eine von ihnen. Nervenberuhigung und Aufbauarbeit inklusive.

80 Schauspieler

Zur anschließenden Kurzbesprechung kommen alle Schauspieler zusammen. Das, was am Tag zuvor noch nicht so gut war, wird angesprochen. „Auf die Kabel müsst ihr hinter der Bühne besser achtgeben, sonst leuchten unsere Häuser nicht“, warnt Hiemer-Haslach ihre Truppe von 80 Schauspielern. 120 machen insgesamt mit, inklusive Blasorchester und Helfer. Mehr als 60 Schüler haben vorgesprochen, „allein das Casting hat Tage gedauert“, erzählt Hiemer-Haslach.

„Wie das Orchester einläuft, proben wir noch, und am Vorhang wird auch nicht gewackelt.“ Auch Monika Brinkmeier, bereits pensionierte Kollegin und als Assistentin für das Stück unverzichtbar, hat noch ein paar Vorschläge: „Bitte nicht lachen, wenn jemand mal ein falsches Wort sagt oder einen Fehler macht“, und sie gibt den Kindern noch eine letzte Regel mit auf die Bühne. „Das mit Kaugummis und diesen Dingen ist eh’ klar.“ Dann sammelt Brinkmeier die Darsteller für die erste Szene um sich, teilt die Plätze nochmal ein und geht als Letzte von der Bühne. Noch eine kurze Probe und ein paar Anweisungen fürs Orchester, bei dem drei Lehrer und etliche Realschüler mitspielen, und dann geht der Vorhang auf.

Wer dann meint, er stehe am Gänsbühl, hat sich nicht getäuscht. Alles da: Bockturm nebst Café Bock und das Rathaus. Detailgetreu. Schon allein wegen dieser grandiosen Kulissen, für die die Lehrer Michael Weizenegger und Andreas Kiechle mit einigen Schülern gesorgt haben, lohnt sich die Aufführung. Und dann beginnt das Spiel um das liebenswerte Städtchen Schlummerstadt, dessen Bürger ihren guten Schlaf der Fürstin Baldriana von Waldburg zu Zeil und Trauchburg sowie dem Nachtwächter Nathan zu verdanken haben. Als die Bürger plötzlich von bösen Träumen geplagt werden und eine schreckliche Entdeckung machen, ist Gefahr in Verzug, was aber – wie erfahrene Kinderfesttheater-Besucher wissen – zu einem guten Ende gebracht wird. Hiemer-Haslach unterbricht ab und zu, lässt ein paar Szenen wiederholen und gibt Kommandos. „Kissen, kauft Kissen – das musst Du langsamer und vor allem lauter rufen.“ Das Stück läuft, die Kinder können ihre Texte, singen mutig und richtig, und dass die Mikros ab und zu quietschen, ist bestimmt bei der ersten Aufführung verschwunden.

Mit „Schlaflos in Schlummerstadt“ ist Gertrud Hiemer-Haslach eine Liebeserklärung an Leutkirch gelungen. Personen wie der Brauer Clemens Bierle, die Pensionärin Herta Leidel-Serch, die Stoffhändlerin Josephine Schwätzler und der Geschäftsmann Oskar Trimmer mischen das Städtchen gewaltig auf. „Ich wollte mal etwas Regionales machen“, sagt Hiemer-Haslach, die die Musik und mit Brinkmeier zusammen das Stück geschrieben hat. „Dass wir damit auch für den Lotto-Musikpreis nominiert sind, der für junges Musiktheater ausgeschrieben ist, macht uns besonders stolz“, so die Projektleiterin. Am Sonntag komme hoher Besuch und bewertete das Stück, sagt sie. Ob dieser allerdings alle Andeutungen und regionalen Bezüge versteht, ist fraglich. Für alle Beteiligten und Probenbesucher ist allerdings jetzt schon klar, dass „Schlaflos in Schlummerstadt“ preisverdächtig ist.

Das Theater findet an folgenden Terminen statt: Freitag, 13. Juli, um 15 Uhr, Samstag, 14. Juli, um 19.30 Uhr, Sonntag, 15. Juli, um 14 Uhr und Montag, 16. Juli, um 19.30 Uhr. Die Eintrittspreise betragen am Freitag für Erwachsene 5 Euro und für Kinder 2,50 Euro, die restlichen Tage 6 bzw. 3 Euro.

Der Erlös kommt hauptsächlich der Otl-Aicher-Realschule zugute und trägt zur Finanzierung des Theaters bei.

Einklappen  Ausklappen 
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen