Nachwuchs für eine lebendige Demokratie

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Der neugewählte Jugendgemeinderat tagt zum ersten Mal öffentlich
Erste öffentliche Jugendgemeinderatssitzung: Der im letzten Jahr erstmals gewählte Jugendgemeinderat kam am Montagabend zu seiner ersten öffentlichen Sitzung zusammen. Die 13 gewählten Jugendgemeinderäte aus verschiedenen Leutkircher Schulen sind zwischen 14 und 19 Jahre alt. In der Sitzung wählten sie unter anderem die zwei Sprecher, die den Rat zukünftig nach außen vertreten sollen. Bei der Diskussion im Vorfeld entschieden sie sich dagegen, die Posten quotiert mit einem Mädchen und einem Jungen zu besetzen. Die Wahl gewonnen hat Sarah Hilsenbeck vom Hans-Multscher-Gymnasium, zu ihrem Stellvertreter wurde Luis Kistler von der Otl-Aicher-Realschule gewählt. In einem weiteren Tagesordnungspunkt entschieden die Räte über die Förderung verschiedener Jugendprojekte. Die sachliche Debatte zeigte eindrucksvoll, wie ernst die Nachwuchs-Kommunalpolitiker ihre neue Aufgabe nehmen.
Redakteur Leutkirch

Der im vergangenen November erstmals gewählte Leutkircher Jugendgemeinderat kam am Montagabend zu seiner ersten öffentlichen Sitzung zusammen. Im Großen Sitzungssaal des Verwaltungsgebäudes Gänsbühl wählten die Nachwuchs-Kommunalpolitiker unter anderem zwei Sprecher, die den Rat künftig nach außen vertreten sollen und debattierten über die Förderung verschiedener Jugendprojekte.

Tischvorlagen, die an die Räte ausgegeben werden, eine Tagesordnung, die Punkt für Punkt abgearbeitet wird, Zuschauer auf den Besucherplätzen, kontroverse Debatten über verschiedene Anträge mit anschließenden Abstimmungen, Vorstellung der geplanten Vorhaben – die Jugendgemeinderatssitzung am Montagabend glich in vielen Details einer regulären Sitzung der Leutkircher Stadträte. Selbst die dort obligatorischen Getränke und Butterseelen standen für die jugendlichen Kommunalpolitiker im Alter zwischen 14 und 19 Jahren im Großen Sitzungssaal bereit. Und auch die Sitzungsdauer von knapp zwei Stunden konnte mit den Sitzungen des Gemeinderats, der in der Regel im gleichen Saal tagt, locker mithalten.

Als erster Tagesordnungspunkt stand der Rückblick auf das Seminarwochenende in Bad Urach (SZ berichtete) auf dem Programm. Dort besprachen die Jugendgemeinderäte Ende Februar unter anderem, welche Vorhaben sie in ihrem ersten Amtsjahr anstoßen möchten und wie sie diese effizient vorantreiben können. Dazu gehört unter anderem ein neuer zusätzlicher Grillplatz, da der auf der Wilhelmshöhe oft schon belegt sei. Die dafür gebildete Projektgruppe unter der Leitung von Luisa Schmidt von der Geschwister-Scholl-Schule wird dieses Vorhaben nun weiterverfolgen. Eine weitere Projektgruppe unter der Leitung von Michael Räth von der Geschwister-Scholl-Schule beschäftigt sich mit der Modernisierung der Technik an den Schulen. Dabei wurde direkt in der Sitzung abgeklärt, welcher Jugendgemeinderat sich jeweils an seiner Schule darum kümmert, den aktuellen Stand der Ausstattung in Erfahrung zu bringen. Außerdem wurde unter diesem Tagungspunkt noch besprochen, wie der Umfragebogen aussehen soll, mit dem der Jugendgemeinderat alle Leutkircher Schüler nach deren Interessen und Wünschen befragen möchte. Mehrere Ratsmitglieder meldeten sich mit konstruktiven Verbesserungsvorschlägen.

Entscheidung gegen Quote

Anschließend stand die Wahl der Sprecher an. Dabei debattierten die Jugendlichen kurz darüber, ob sie die beiden Posten quotiert wählen lassen sollen, also so, dass ein Junge und eine Mädchen die Posten besetzen. Der Rat entschied sich allerdings dagegen und folgte so dem Argument von Sarah Hilsenbeck, die die Regelung nicht fair fände. Immerhin könnte es ja auch sein, dass sich nur ein Mädchen und fünf Jungs als Kandidaten aufstellen lassen, so Hilsenbeck. Unter den mehreren Jungen und Mädchen, die sich dann zur Wahl stellten, wurde Hilsenbeck vom Hans-Multscher-Gymnasium als Sprecherin und Luis Kistler von der Otl-Aicher-Realschule als stellvertretender Sprecher gewählt. Zu ihrer Schriftführerin ernannte der Jugendgemeinderat Simone Kopp von der Gemeinschaftsschule, zu ihrer Stellvertreterin Efsane Elgörmüs von der Gemeinschaftsschule. Für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig sind Luisa Schmidt und als ihr Stellvertreter Michael Räth.

Im nächsten Tagesordnungspunkt ging es um die Vergabe von Fördermitteln aus dem Jugendfonds. Dieser ist mit 6000 Euro gefüllt, welche Projekte damit gefördert werden, entscheidet der Jugendgemeinderat. Drei Projekte stellten dafür einen Förderantrag. Relativ zügig entschieden sich die Jugendlichen dafür, die Aktion „Cook & Chill“ des katholischen Jugendhauses, bei dem sich Gleichaltrige zum gemeinsamen Kochen, Essen und Chillen treffen, und einen Skate-Contest mit jeweils etwa 1000 Euro finanziell zu unterstützen. Eine längere Debatte gab es beim Antrag für das Highmatland-Festival. Zum einen wies Bürgermeisterin Christina Schnitzler, die die Sitzung begleitete, darauf hin, dass der Antrag sehr unkonkret sei, zum anderen meldeten einzelne Räte bedenken an, ob es wirklich nötig sei, dass das Festival aus diesem Fonds gefördert wird. Die Räte entschieden sich dazu, die Abstimmung über den Förderantrag zu vertagen, bis dieser konkreter ausgearbeitet sei.

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