Musiknacht mit breit gefächertem Programm

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Rolf Schneider
Redakteur

Wenn man den Wetterfröschen hätte glauben können, dann wäre die Leutkircher Musiknacht ein sehr kaltes, sehr feuchtes und sehr unkommodes Event geworden – doch Metereologen sind auch nur Menschen mit Irrtumsfaktor, weshalb das Wetter hielt, die vielen Leute trockenen Fußes von Location zu Location wandelten und die Aussichten für eine passable Musiknach gut standen. Tobias Pflug wagt am Abendanfang einen Blick in den Himmel und sagt keck: „I bin sehr gut gestimmt.“

Dazu ist ein Organisator grundsätzlich ja auch verpflichtet. Weniger grundsätzlich ist es oft, dass der berufsbedingte Optimismus sich auch mit der Realität deckt. Am Samstagabend war dies wettermäßig der Fall und dass sowohl die Auswahl wie auch die Qualität der Bands rundherum stimmte, passte ins positive Bild. Schon die Opener der Musiknacht, „Lied ‚s n Beat“ heizte im proppenvollen „Sai Thai“ den Leute gehörig ein und wählte mit Klassikern wie „Mrs. Robinson“ von Simon and Garfunkel die sicheren Weg. „Ab 21.00 Uhr ist Happy hour“, verkündete alsbald der Gitarrist, was ein noch sicherer Weg ist, die Leute zufrieden zu stimmen. „Die Zahlungsmoral stimmt“, urteilte der Kassier am Eingang. „Keiner meckert. Jeder zahlt.“ Hat man auch nicht immer und überall.

Allerdings hat man auch nicht immer und überall so ein breit gefächertes Programm wie bei dieser Musiknacht. Pez Mago imn „Blauen Affen“ streichelte sanft und eingängig die latino-geneigte Seele, die Jungs von „Propeller“ im Eiscafe Venezia setzten mit exakten, fein getimten Saitenklängen auf Django Reinhard, Stevie Wonder und Paco de Lucia und „Neon Diamonds“ im picobello ausstaffierten Atelier „Lammart“ wagten sich auf die ganz neue, ganz überraschend eingängige Ebene mit fein austarierten Gitarrenklängen und Texten wie „Schließ die Augen und die Tränen klingen wie Applaus.“ Eindrucksvoll, neu, überzeugend.

Variationsreicher Musikabend

An Applaus wurde nicht und nirgendwo gespart, wahrlich nicht. „Run the Fun“ im „Drops“ hatten als Lokalmatadoren so etwas wie in Heimspiel – das sie furios gewannen, „Erwin and the Tigers“ machten im „Lamm“ die dichtgedrängte Zuhörerschar wuschig und auch die Fans von „In the Wrong Century“ in der Kulturbrauerei zeigten sich zahlreich und sehr geneigt. Diesmal stimmte sogar der Vorankündigungstext: „Von Techno über Mainstream, Hi-Hop, Deep--,Dance-,Technohouse bis hin zu den 90ern – für jeden Geschmack ist etwas dabei“. Keine Widerrede. Die Gigs im Jugendhaus rundeten das Angebot ab. Dass der Geräuschpegel bei manchen DJs grenzwertig ausgereizt (ehemaliger Feneberg-Supermarkt) wurde, gehört zum Geschäft. Nichts Überraschendes.

Dass auch etwas im Angebot war, was nicht in der Vorankündigung stand und dann als Überraschung doch einen ganz besonderen und ganz besonders guten Akzent setzte, passte ins Bild dieses variationsreichen Musikabends. Das Duo „Mister Fabulos and Friends“ probierte im minimalistisch hergerichteten ehemaligen Schnickschnack mit Spider Murphys „Schickeria“ eher sichere, wenn auch nicht sonderlich originelle Pfade aus, ehe es sich auf Eigengewächse besann, aktuelle „Monster“ originell besang und zu Joe Dassins unsterblicher „Champs Elysee“-Melodie eine gleichermaßen bitterböse wie geistreiche Abhandlung zu zeitgeistigen Gesichts-Optimierungsmaßnahmen zum Besten gab:„Schönheitschurgie“ – ein absolutes Gutsele.

Dass sich die Zahl der „Schnickschnack“-Gäste wie auch die anderen Orten in überschaubaren Grenzen hielt, gehört zu einem Event in diesen kalten Tagen und zum Risiko der rührigen Veranstalters ebenso. Organisator Tobias Pflug macht kein Hehl daraus, dass etliche Besucher mehr seine Stimmung aufgehellt hätten.

Aber das Unternehmen Musiknacht soll bleiben und vielleicht ist es nächstes Jahr ja auch ein bissle wärmer. Pflug: „Es geht uns ja vor allem auch um Leutkirch. Wenn i des wegen dem Geld machen würde, dann würde ich keine Musiknacht machen.“ Es wär grad schad drum.

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