Musikalische Reise zu den Sternen

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Bernd Guido Weber

So geht sinfonische Blasmusik heute! Eine Multimediashow zeigt auf großer Leinwand faszinierende Bilder der fernsten Galaxien und Sterne, aufgenommen vom Weltraumteleskop „Hubble“. Rotierendes Blaulicht im Zuschauerraum sorgt zusätzlich für kosmische Stimmung. Auf der Bühne, im Dunkel, ein von DirigentenThomas Wolf glänzend vorbereitetes Großensemble – 65 Musikerinnen und Musiker aus 14 Leutkircher Kapellen, dazu diverse Gastsolisten. Die Komposition „Deep Field“ des US-Amerikaners Eric Whitacre bringt ungewohnte, kosmische Klangcluster. Zum Schluss steuert das Publikum – so es die entsprechende App heruntergeladen hat – per Handy ein flirrendes Gesumme der Unendlichkeit bei. Ergreifend, beeindruckend.

Die kleinlichen Sorgen dieser Welt verlieren angesichts der bis zu 13 Milliarden Lichtjahre entfernten Spiralnebel und Sternensysteme doch gewaltig an Bedeutung. Der „normale“ Mensch sollte öfters in die Nachthimmel schauen. Politiker und Militärs ebenso. Und zur Besinnung kommen.

Fulminante Friedensbotschaft

Mit der „Fanfare“ des Japaners Satoshi Yagisawa eröffnet das Symphonisches Blasorchester Leutkirch Allgäu (SBLA) den Abend. Eine fulminante Friedensbotschaft, gleichzeitig Erinnerung an den ersten Auftritt des SBLA im Jahr 2018. Jetzt haben die Initiatoren Thomas Wolf und Luis Lau zum dritten Mal viel Energie und Herzblut in ihr Projekt gesteckt. Der vierte Auftritt, im Jahr 2022 mit neuem Programm, ist bereits in Planung.

Mit Glocken beginnt die Reise ins Mittelalter: In Jan van der Roosts „From Ancient Times“ führen dunkle Orchesterfarben in die turbulente Zeit des damaligen Wandels. Gewaltiges, farbenreiches Blech, virtuose Klarinetten, zurückhaltendes, dann opulentes Schlagwerk. Birgit Bauhofer spielt ein virtuoses Solo auf dem Sopransaxofon. Bravo. Gastmusikerin Sarah Berner lässt ihre Querflöte zärtlich erklingen, bis ins Schwelgerische. Klanggenuss als Gesamtkunstwerk, bis zum hymnischen Schluss.

Dritter Stargast

Der Marsch „Attila“ leitet den zweiten Teil ein, bringt aus dem schier endlosen Raum wieder auf die Erde. „Irish Tune From Country Derry“ ist reizvoll, authentisch – Percy A. Grainger hat seinerzeit mit einem Phonographen englische und irische Folkmusik aufgenommen, in seinen Kompositionen verarbeitet, auch die berührende Melodie „Danny Boy“.

Einen Stargast hat Thomas Wolf auch wieder aufgetan: Nach Saxofonist Christian Segmehl und Trompeter Thomas Gansch ist der Österreicher Albert Wieder ein Virtuose auf der Tuba, vielfach preisgekrönt, seit vielen Jahren in klassischen Wiener Ensembles aktiv. Bekannt geworden ist er auch mit „da Blechhaufen“ sowie mit dem Trio „Wieder/Gansch/Paul“. Seit 2012 lehrt er als Professor am Haydn-Konservatorium in Eisenstadt im Burgenland. Ein Schwergewicht also.

Leichtigkeit, Lyrik, Rhythmik, Vehemenz und Applaus

Das „Concerto for Tuba and Wind Ensemble“ von Gary D. Ziek meistert er mit Eleganz und Leichtigkeit, Tuba-Fanfaren ebenso wie lyrisches Siciliano. Im dritten Satz – Riot! Aufstand! – wird’s wild. Auch das SBLA läuft zu hoher Form auf. Pulsierende Rhythmik, scharfe Riffs, jazzige Bigband-Atmosphäre, vehementer Applaus.

Als Zugabe spielt Paul Wieder eine eigene Komposition: „Tubidoo“, zum ersten Mal öffentlich, sozusagen eine Welturaufführung. Flockig, leicht poppig, eingängig. Fürs Bierzelt ebenso geeignet wie fürs Wirtshaus. Und für den Konzertsaal.

Heißer Mambo im kalten Leutkirch

Lebensfreude versprüht das letzte Stück des Programms: „Windows of the World – Amazonia“ von Peter Graham. Südamerikanische Rhythmen, spanische, portugiesische Einflüsse, ein heißer Mambo. Schon eine Verklärung des riesigen Amazonas-Gebiets – aber wir sind ja im Konzert in Leutkirch, nicht in der brasilianischen Politik.

Dankesworte, Geschenke – dann erklingt der vor vier Jahren erstmals vorgestellte „Leutkircher Marsch“ und als Zuckerl „Rossy Roy“ von Jakob de Haan. Farbenprächtig wie der ganze Abend.

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