„Monsieur Pompadour“ swingt, was das Zeug hält

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 Das Quartett Monsieur Pompadour eröffnet den Leutkircher Sommerjazz 2019.
Das Quartett Monsieur Pompadour eröffnet den Leutkircher Sommerjazz 2019. (Foto: Babette Caesar)
Babette Caesar

Diese Band hat ihren Zuschauern am Mittwoch zum Auftakt des Leutkircher Sommerjazz pure Freude bereitet. Aus Berlin angereist kam „Monsieur Pompadour“ mit Geiger Ferenc Krisztián Hegedütok, Bassist Anti Virtavanta und den beiden Gitarristen Ernesto Pompadour und Florian von Frieling. Wobei gleich dazu gesagt werden muss – die vier Herren singen auch und das in Bestlage. Quasi zum Dahinschmelzen an diesem lauschigen Sommerabend im ausverkauften Museumshof.

Django Reinhardt und Stephane Grappelli sind ihre großen Vorbilder. Da braucht es nicht lange, um das zu erraten. Nur ist ihr Gipsy Swing oder „Swing Manouche“, wie der Abend titelte, kein Abziehbild oder Cover der beiden Giganten. „Wir hören quasi mit dem Reinhardt-Ohr“, nannte Hegedütok die Art und Weise, wie sich sie sich mit den Vorbildern auseinandersetzen. Nämlich nicht in der Vergangenheit, sondern im Hier und Jetzt. Sie greifen auf Klassiker zurück wie auf Djangos „Minor Swing“ und bringen sie zu neuen Ufern. Das arrangieren sie äußerst charmant und behände, ohne dabei an instrumentalen und stimmlichen Raffinessen zu sparen.

Einen wirklich interessanten Namen hätten sie sich zugelegt. Der rege die Fantasie an und berge Überraschendes, stimmte Matthias Hufschmid von der Volkshochschule Leutkirch die Zuschauer auf das rund zweistündige Konzert ein. Pepe, Heiko und nun Ernesto nenne sich Monsieur Pompadour als „schwebender Sänger und Conférencier“, den Hegedütok seit 15 Jahren kennt. Der sieben Sprachen beherrscht, in drei Bands gespielt hat und gerade eben noch einmal Vater geworden ist. Ja, sie haben nicht nur smarten Gipsy Swing gemacht, sondern auch viel erzählt. Letzteres in einer unverhofft heiteren und witzig-kabarettistischen Art.

Mit im Gepäck hatten sie ihr aktuelles Album „En Route“ von 2018. So erklang ihre Version von „Bang Bang“, das einst 1966 Nancy Sinatra zusammen mit Gitarrist Billy Strange sang, nun mit Rhythmus-Gitarren, Geige, Kontrabass und eben diesen vier Stimmen, die einen dahin schmelzen ließen in ihrer unerhörten Softness.

Im Vordergrund standen den Abend über Hegedütoks feurige Geigensoli, mit denen er bei vollem Drive in Höhen und Tiefen stets ein ausdifferenziertes Notenspiel vorlegte. Während Ernesto Pompadour sich gerne in epischen Längen ausbreitete über den Sinn des Lebens und vielfach gebrochene Herzen, griff von Frieling zur Abwechslung zum Banjo, um in dem folklastigen Song „Some of these days“ alles aus den Saiten an Tempo und Virtuosität heraus zu holen.

Das Leutkircher Publikum ging von Anfang mit. Diese „vier ganz besonderen Typen“ benötigten keine Warmlaufphase, machten sie doch sofort klar, dass der Up-Tempo Swing beider Akustikgitarren eine Hommage an ihre Vorbilder ist. Diesen Sound wandelten sie fließend mal in Richtung französischem Chanson, mal in Richtung englischem Popsong. Ohrwürmer wie Richard Sandersons „Dreams are my reality“ gaben sich lustvoll arrangiert, um einfach gute Laune zu stiften. Mit dem Charme dieser vier Typen, wenn der eher schweigsame, aus Finnland stammende Kontrabassist die Saiten freejazzig vibrieren lässt zum selbst komponierten Stück.

Denn auch das haben sie mit nach Leutkirch gebracht, entstanden während eines Aufenthalts in Georgien. Von betörender Schönheit sind Gitarren-Intros, die glockenartig und federleicht, im Klang einer Hang gleichend, sich anschicken zu französischen Ambiente. „Django´s Songs“ mit Gesang zu kombinieren, ist der eigentliche Hype dieses Abends. Ein anderer instrumentaler, sobald Hegetdütok seine singende Säge oder gar singende Luftpumpe zückt und in den abendlichen Leutkircher Himmel bläst. Durchdringend und tonal überbordend.

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