Egal ob Seniorensportgruppe oder Wintersportverein: Vereine müssen sich ab dem 25. Mai an neue Datenschutzbestimmungen halten.
Egal ob Seniorensportgruppe oder Wintersportverein: Vereine müssen sich ab dem 25. Mai an neue Datenschutzbestimmungen halten. (Foto: dpa)

Noch mehr Bürokratie für Vereine: Ab dem 25. Mai gelten in Deutschland neue Regeln für den Datenschutz. Betroffen sind Unternehmen und Privatpersonen. Aber auch auf die Vereine in Leutkirch, Isny und Bad Wurzach kommt ein höherer Verwaltungsaufwand zu.

Die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) soll das Datenschutzrecht innerhalb der EU vereinheitlichen, um den Umgang mit sensiblen Daten überall zu verbessern. Verbraucher sollen geschützt und ihre Rechte gestärkt werden. Für Vereine bedeutet das neue Gesetz unter anderem, dass sie genau dokumentieren müssen, wer welche personenbezogenen Daten der Mitglieder nutzt. Eine Telefon- und E-Mail-Liste aller Kursteilnehmer zu verteilen, könnte also künftig zum Problem werden. Wer sich nicht an die neuen Regelungen hält, dem drohen hohe Bußgelder.

Tezer Leblebici, Vorsitzender des Leutkircher Altstadt-Sommerfestival-Vereins (ALSO-Verein), hat keine Angst vor der DSGVO. „Wir sind ein ziemlich kleiner Verein und haben es daher etwas einfacher. Wir haben uns gut informiert und vorbereitet“, lässt er wissen. Der gesamte Vorstand habe eine Fortbildung zum Thema besucht. Bis zum Stichtag im Mai muss der Verein seine Formulare und den Internetauftritt ändern.

„Die neue Datenschutzregelung ist in unserem Verein ein riesiges Thema“, sagt Tom Maus, Vorsitzender des WSV Isny. Dabei finde er die Inhalte des Gesetzes wichtig. „Wir müssen die Daten unserer Mitglieder schützen. Das haben wir bisher aber auch getan“, sagt er. Für ihn schieße die DSGVO über das eigentlich angedachte Ziel hinaus. „Die Bürokratie, die dadurch entsteht, hat nichts mehr mit Vereinsleben zu tun. Mit so etwas verleidet man Leuten das Ehrenamt“, sagt Maus.

Ähnlich sieht das auch Michael Krumböck, Vorsitzender der TSG Leutkirch. „Die neue Verordnung sehe ich zunächst positiv. Datenschutz ist für jeden Bürger wichtig. Die Sportvereine möchten auch grundsätzlich dazu beitragen, dass der Datenschutz gesichert ist. Negativ ist natürlich die Mehrarbeit, die dadurch auf die ehrenamtlich Tätigen zukommt“, sagt er.

Dieser bürokratische Mehraufwand bereitet den meisten Vereinsvorsitzenden Sorge. „Das Ehrenamt an sich wäre für viele kein Problem, aber die Bürokratie will sich keiner mehr antun“, sagt Monika Angerer, Vorsitzende vom SV Hauerz, sie erlebe oft, dass sich junge Menschen deshalb nicht ehrenamtlich engagieren. Ein Trainer ihres Vereins habe deswegen sogar sein Ehrenamt an den Nagel gehängt. „Ich kann es niemandem verübeln, die Belastung ist wirklich heftig“, sagt Angerer. Sie selbst ist seit 30 Jahren im Verein, im Vorstand seit 28 Jahren, und sie nimmt eine kontinuierliche Steigerung der Bürokratie wahr. „Die Organisation eines Vereins wird immer schwieriger“, sagt auch Maus vom WSV Isny. „Sogar wenn wir einen Verpflegungsstand organisieren, haben wir bürokratische Hindernisse. Das führt dazu, dass irgendwann keiner mehr helfen will“, sagt er.

Die TSG Leutkirch nimmt sogar professionelle Hilfe in Anspruch, um die zunehmenden Anforderungen zu bewältigen. „Uns belasten auch steuerrechtliche Belange. So kann zum Beispiel ein Verein in der Größe der TSG ohne einen Steuerberater nicht mehr arbeiten“, sagt Krumböck.

Hilfe vom Landessportbund

Was genau durch die DSGVO auf sie zukommt, können viele Vereine bisher noch gar nicht abschätzen. Hilfe erwarten sie sich vor allem vom Württembergischen Landessportbund (WLSB). Auf der Internetseite des Sportbundes wurden bereits einige Informationen und Erklär-Videos zum Thema veröffentlicht. „Unterstützung erhalten die Vereine beim WLSB durch verschiedene Angebote. Neben den Informationen auf der Internetseite können Vereine das WLSB-Vereins-Service-Büro telefonisch oder per E-Mail kontaktieren und erhalten dort Beratung“, sagt Carmen Freda-Koch, Sprecherin des WLSB. Konkrete Handlungsanweisungen kann aber auch der Sportbund den Vereinen nicht geben. „Verbindliche Handlungsempfehlungen kann im Moment leider niemand aussprechen. Das tun auch nach wie vor keine Rechtsexperten. Es wird immer darauf verwiesen, dass erst die künftige Rechtsprechung zeigen wird, wie das Gesetz am Ende ganz konkret auszulegen ist“, sagt Freda-Koch.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen