„Met, Guinness, Kilt und mein Dudelsack“

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Darius Pfeffer

Wenn man am Wochenende Baumstämme und Heuballen durch die Luft fliegen gesehen hat, war man höchstwahrscheinlich auf dem Folk im Allgäu Festival in Uttenhofen. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung, als das Festival am Samstagmittag mit den sogenannten Highland Games seinen Höhepunkt erreicht.

Malcom Mc Farlane moderiert die traditionellen schottischen Sportwettkämpfe. Er gehört zu den Schwotten, „das sind die geselligen Schotten aus den oberschwäbischen Highlands“. Mc Farlane ist ein Gründungsmitglied der Schwotten und seit 20 Jahren dabei. Dieses Jahr freut er sich besonders über das ideale Wetter für die Spiele: „Letztes Jahr war es viel zu heiß, heute haben wir zwar Sonne, aber mit dem kühlen Wind ist es ideal.“

In Disziplinen wie Baumstamm-Slalomlauf, Strohballenwurf, Traktor-Rad Lauf und Baumstammwerfen messen sich 20 bunte Zweier-Teams aus den knapp 700 Besuchern. „Egal ob groß oder klein, ob Frau oder Mann, jeder ist willkommen. Das ist ja kein Hochleistungssport hier, es geht um Spaß und Gaudi,“ sagt Hans-Jörg Mendrzyk, der Hauptverantwortliche des Festivals. Zwar findet das Festival schon zum achten Mal statt, doch die Highland Games werden erst zum fünften Mal in Uttenhofen ausgetragen.

Unter den Teilnehmern sticht einer heraus: Robin Wiedenmann. Mit 14 Jahren ist er mit Abstand der jüngste Teilnehmer in den Disziplinen. Zusammen mit seinem Papa bilden sie ein Team und bestreiten die Wettkämpfe als würden sie es jeden Tag tun. Doch ganz im Gegenteil: „Das ist mein erstes Mal auf so einem Festival und auch mein erstes Jahr als Teilnehmer. Meine Mama war mal auf einem schottischen Konzert und das hat ihr so gut gefallen, dass ich danach auch ein paar Mal dabei war.“ Robin hat Spaß bei der Sache, und das sieht man. Eigentlich wohnt er mit seiner Familie in Donauwörth, doch für das Folk im Allgäu mieten sich Robin und sein Vater extra eine Ferienwohnung und leihen sich zwei traditionelle Kilts aus.

Gute Stimmung auf Campingplatz

Auch auf dem Campingplatz ist die Stimmung mindestens so gut wie auf dem Hauptplatz bei den Highland Games. Tina, Andy und Marco kommen zwar aus Nord-Baden-Württemberg, nehmen aber trotzdem eine Anfahrt von über vier Stunden auf sich um dabei zu sein. Während Andy und Marco zum ersten Mal hier sind, besucht Tina das Folk im Allgäu bereits zum siebten Mal. Sie kennen Mendrzyk schon von anderen Festivals in Deutschland und besuchen nun auch das Festival im Allgäu. „Wir finden es toll, dass es noch Leute gibt die sowas organisieren und damit anderen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern“, sagen die Drei Schotten-Fans. Auf der Packliste steht eigentlich nicht viel, erzählt Marco: „Met, Guinness, Kilt und mein Dudelsack“. Die drei sind begeistert vom Festival, dem kostenlosen Camping und vor allem den Leuten. „Nächstes Jahr sind wir, trotz dem schlechten Handyempfang, auf jeden Fall wieder da! Das ist aber auch das einzige Manko“ erzählt Andy schmunzelnd.

Während die Highland Games noch voll im Gang sind, bereiten ein paar der über 100 Helfer bereits die Bühne für die Live-Acts am Abend vor. Viele andere arbeiten an den Essens- und Getränkeständen, denn von Burger über Eis und Käsespätzle kann man hier wirklich alles bekommen. Selbst ein gemeinsames Frühstück ist, zur Freude vieler Camper, mit dabei.

Zehn Fässer Bier mehr

„Hammer… Einfach nur Hammer!“, beschreibt Mendrzyk das Festival. Erst Samstagmorgen um sechs Uhr hat er das Festival verlassen und steht mittags schon wieder in den Startlöchern. „Die Leute rennen uns die Bude ein, wir haben zehn Fässer Bier mehr bestellt als letztes Jahr und die sind schon zur Hälfte aufgebraucht. Auch die Essensstände mussten schon Nachschub holen.“ Menze freut sich über die unkomplizierten und freundlichen Besucher und über die flexiblen Bands: „Freitagabend steckte die Hälfte von der Band Matching Ties im Stau fest, doch dank der flexiblen Bandkollegen und den unglaublichen Tonmenschen war es kein Problem dass die fehlenden Musiker einfach während dem laufenden Auftritt dazugekommen sind.“ Laut Menze waren noch nie so viele Leute auf dem Festival und auf dem Campingplatz wie in diesem Jahr, die Menge vor der Bühne soll sich sogar bis an die nahegelegenen Esstische gedrängt haben.

Er betont, dass ohne seine Frau Claudi, den Bauer Alfons und die über 100 Helfer das ganze Festival nicht funktionieren würde und auch nicht als nachhaltig eingestuft werden könnte. „Ein Green-Festival ist zwar viel mehr Arbeit, das war aber für uns nie eine Diskussion.“ Mendrzyk macht keine Abstriche, sondern sorgt für nachhaltige Alternativen: „Wir haben sogar einen behindertengerechten Klowagen auf dem Gelände, so was hat man auf einem Festival dieser Größe noch nie gesehen. Außerdem benutzen wir ausschließlich wiederverwendbares Geschirr um Plastik zu vermeiden.“ Nicht nur etliche Stunden Arbeit, Stress und Kraft stecken im Folk im Allgäu, sondern auch viel Herzblut und Liebe der vielen freiwilligen Engagierten. „Wenn jeder Spaß hatte und mit einem Lächeln im Gesicht das Festivalgelände verlässt, weiß man wofür man sich die Arbeit gemacht hat.“ Erzählt Mendrzyk stolz. Wer nächstes Jahr auch dabei sein möchte, sollte sich direkt schon informieren, wo es die Karten im Vorverkauf gibt, denn dieses Jahr war das irische und schottische Festival komplett ausverkauft.

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