Merazhofen will eine Zukunft haben

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Die Einwohnerversammlung mit Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle und Ortsvorsteher Siegfried Edelmann in Merazhofen ist bestens be
Die Einwohnerversammlung mit Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle und Ortsvorsteher Siegfried Edelmann in Merazhofen ist bestens besucht. Auch viele junge Leute sind gekommen. (Foto: Bernd Guido Weber)
Bernd Guido Weber

Das kleine, 175 Einwohner zählende, Merazhofen ist ein besonderes Dorf. Nicht nur wegen seiner idyllischen Lage und wegen des von vielen verehrten „Segenspfarrers“ Augustinus Hieber. Merazhofer sind außergewöhnlich aktiv im Dorfleben, mit Musikkapelle, Landjugend und anderen Vereinen.

Und sie wollen eine Zukunft haben, damit Merazhofen weiter lebendig bleibt. Bauplätze für junge Familien, bessere Lokalitäten für Vereine und die Sanierung bestehender Gebäude sind gängige Themen, die die Einwohner beschäftigen. Alles nicht ganz einfach, wie die Einwohnerversammlung mit Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle und Ortsvorsteher Siegfried Edelmann aus Gebrazhofen gezeigt hat.

Kein Museumsdorf

Edelmann fasst die Wünsche an die Stadt zusammen, diese hören sich wirklich nicht unbescheiden an. Die große Kreisstadt soll den Ort unterstützen, damit die Struktur weiter funktioniere. „Die Schließung des Kindergartens war ein Weckruf“. Eine Teilnehmerin der bestens besuchten Versammlung ergänzt: „Wir wollen nicht zum Museumsdorf werden, wollen das Leben hier erhalten.“ Bekanntlich wird ja gerade das frühere Pfarrhaus zu einem Begegnungshaus mit Cafe und Hieber-Gedächtnisräumen umgebaut. Die Kosten belaufen sich auf rund 675 000 Euro.

Zwölf junge Familien wollen bauen, es fehlt aber der Baugrund. Ein im Flächennutzungsplan ausgewiesenes Gebiet mit acht bis zehn Plätzen am Anfang des Dorfes Richtung Gebrazhofen steht nicht mehr zur Verfügung – die Besitzerin hat sich deutlich geäußert. Es bleiben zwei Flächen, die jeweils der katholischen Kirchengemeinde und der Diözese gehören, insgesamt ähnlich groß. Die liegen zwar am Ortsrand, könnten aber mit Zugriff auf Paragraf 13 B des Baugesetzbuches genutzt werden. Dieses Gesetz, das das Bauen im Außenbereich erlaubt, so die Anbindung an den Ortskern deutlich ist, hat Stadtrat Waldemar Westermayer (CDU) als Bundestagsabgeordneter mit auf den Weg gebracht. Er ist an diesem Abend auch anwesend.

Konkret tun sich allerdings Probleme auf. Die Kirche verkaufe nicht, sondern vergebe ihren Grund in der Regel als Erbpacht auf 99 Jahre, teilen der Kirchengemeinderat Berthold Haas und Jens Hulbert vom Verwaltungszentrum der Diözese mit. Die Stadt dagegen hat einen Grundsatzbeschluss, wonach mindestens zwei Drittel des Grundes im Besitz der Stadt sein müssen. Damit sollen sich Bauträger keine goldene Nase verdienen können und junge Familien zum Zuge kommen. In diesem konkreten Fall könne es eine Ausnahme geben. Dafür plädiert Waldemar Westermayer, da dieser Grund kirchlich und nicht in der Spekulation sei.

Die Haselmaus stört

Oberbürgermeister Henle hört sich alles an, will an einer konstruktiven Lösung mitarbeiten und verspricht an diesem Abend nichts. Er berichtet von der mühseligen Verwaltungsarbeit, bis ein Gebiet baureif sei. „Da muss man mit 20 Behörden verhandeln, und Umweltminister Franz Untersteller ist im Prinzip strikt dagegen.“ In Leutkirch gebe es 200 vorgemerkte Interessenten. Bei einem „kleinen Baugebiet“ mit 30 Plätzen sei plötzlich die Haselmaus dazwischengekommen. Alles sei nicht ganz einfach.

Auch bei der künftigen Gebäudenutzung für Vereine und Gruppen gebe es konkrete Pläne, aber keine Entscheidungen. Der Kindergarten steht leer, ins Erdgeschoss will eine Physiotherapie-Praxis einziehen. Der Ortschaftsrat befürwortet dies. Der Musikverein Merazhofen würde gerne das Untergeschoss nutzen. Vorsitzender Niklas Marka berichtet von 54 aktiven Musikern, die derzeit äußerst beengt in der alten Schule proben.

Eine junge Kapelle, die Hälfte unter 30 Jahren. Das Untergeschoss des Kindergartens bietet mit 110 Quadratmetern ausreichend Platz. Marka beziffert die Umbaukosten auf rund 28 000 Euro, wenn nur das Notwendige gemacht werde.

In Obergeschoss der alten Schule hat die Jugendgruppe der KLJB seit 1976 ihre Räume, mit 42 Mitgliedern ebenfalls besonders aktiv. Sollte die Musikkapelle in den Kindergarten umziehen, möchte die künftige Gruppe „Fit und aktiv in Merazhofen“ das Erdgeschoss nutzen. Eva Stadler, Trainerin bei der MTG Wangen, stellt am Montagabend ein Konzept vor. Aktive der Landjugend erzählen dagegen vom Besuch von Sachverständigen, die den Verkaufswert der alten Schule schätzen sollten.

Henle stellt die Haushaltslage der Stadt dar, die riesige Fläche der Großen Kreisstadt mit vielen Ortschaften und Aufgaben. Der frühere Oberbürgermeister Elmar Stegmann habe zum Verkauf geraten. Fünf Musikkapellen hätten Probleme mit den Proberäumen, bei einer Sondersitzung des Gemeinderates wolle man eine Reihenfolge festlegen. „Es ist aber kein Geheimnis, dass Gebrazhofen auf Platz eins steht“. Die Fakten lägen auf dem Tisch, begraben sei noch kein Projekt. Henle: „Ich nehme mit, was Sie mir mitgeteilt haben. Sie sind die Experten in Merazhofen.“

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