Mehrere Mitarbeiter einer Leutkircher Kinderarztpraxis positiv auf das Coronavirus getestet

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 Bei der Leutkircher Kinderarztpraxis Fesseler sind mehrere Praxismitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden.
Bei der Leutkircher Kinderarztpraxis Fesseler sind mehrere Praxismitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden. (Foto: Sebastian Gollnow/dpa)
Redakteur Leutkirch

In der Leutkircher Kinderarztpraxis von Dr. Wolfgang Fesseler sind mehrere Praxismitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden. Wie Fesseler und sein Nachfolger, Dr. Lutz Gantner, erklären, bestand für Patienten, die im Zeitraum vom Montag, 16. März, bis Freitag, 20. März, in der Praxis behandelt wurden, eine erhöhte Ansteckungsgefahr. Im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ erklärt Gantner, was die betroffenen Eltern nun beachten müssen.

727 Patientenkontakte zählte die Leukircher Kinderarztpraxis zwischen Montag, 16. März, und Freitag, 20. März, so Gantner. Für diejenigen, die nur ein Rezept abgeholt haben, bestand nach seinen Worten und der Einschätzung der zuständigen Ärzte beim Gesundheitsamt Ravensburg kein erhöhtes Infektionsrisiko. Der Kontakt dieser Patienten sei zu kurz gewesen und die geltenden Sicherheitsmaßnamen seien eingehalten worden. Der Anteil der Patienten, die lediglich ein Rezept abgeholt haben, liege bei etwa einem Viertel.

Ärzte informieren Patienten

Die restlichen gut 500 Patienten, die durch die Behandlung einen engeren Kontakt zu den Ärzten und Fachangestellten hatten, werden seit Dienstagvormittag telefonisch von Fesseler und ihm informiert, erklärt Gantner, dessen Coronatest negativ war.

Die ursprüngliche Auffassung, dass die Kontakte, die an den Tagen Donnerstag 19. März, und Freitag, 20. März, in der Praxis erfolgten, kein Risiko bergen würden, da streng Mund-Nasen-Schutz getragen worden war, wurde nun, so Gantner, nach erneuter Rücksprache mit dem Gesundheitsamt wieder eingeschränkt: Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz reduziert das Risiko einer Übertragung und Ansteckung erheblich, senkt es aber nicht auf null. Die Praxis selbst ist seit dem Vorliegen der positiven Testergebnisse am Wochenende beziehungsweise Montagvormittag nicht mehr geöffnet worden und steht nur zu einer Telefonsprechstunde zur Verfügung.

Vorsichtsmaßnahmen sollten beachtet werden

Von den Eltern, deren Kindern an den fünf betroffenen Tagen einen engeren Kontakt zu den Praxismitarbeitern hatten, haben Fesseler und Gantner bis zum Mittwochmittag lediglich einen Teil telefonisch erreichen können und darüber informiert, dass es möglich ist, dass sich ihr Kind angesteckt hat.

Ältere Kinder sollten nach Möglichkeit 14 Tage ab letztem Kontakt in einem Einzelzimmer in Quarantäne gehen und den Kontakt zu den anderen Familienmitgliedern so weit wie möglich reduzieren, erklärt Gantner die empfohlenen Maßnahmen des Gesundheitsamts. Haushaltspersonen und eventuelle Besucher sollten sich in anderen Räumen aufhalten oder, falls dies nicht möglich ist, einen Mindestabstand von ein bis zwei Metern zu ihnen einhalten

Bei kleineren Kindern sollte nur die Hauptbezugsperson nah beim Kind sein und selbst entsprechend Abstand zu den anderen Personen im Haushalt halten. Wenn etwa die Mutter diese Hauptbezugsperson ist, sollte diese und das Kind für die 14 Tage nach dem Praxisbesuch Abstand zum eventuell berufstätigen Vater halten. Väter oder Mütter, die selbst keinen längeren engen Kontakt zu den Praxismitarbeitern hatten, sind laut Gesundheitsamt „Kontaktpersonen von Kontaktpersonen“.

Zwar gilt die Empfehlung, dass auch diese sich in Quarantäne begeben, allerdings darf für diese keine ärztliche Krankschreibung erfolgen, erklärt Gantner. Außerdem dürfe das Gesundheitsamt diese nicht in Quarantäne schicken, das gebe die Rechtssprechung nicht her. Hier liegt die Entscheidung beim Arbeitgeber, ob er den betreffenden Mitarbeiter aus infektionspräventiven Gründen freistellt oder das Erscheinen am Arbeitsplatz anordnet.

Die richtigen Ansprechpartner

Eltern, die während dieser 14-tägigen Quarantänezeit Krankheitssymptome wie etwa Fieber, Halsschmerzen, Husten oder Kopf-/Gliederschmerzen bei ihrem Kind feststellen, können sich noch bis Freitag, 27. März, telefonisch in der Kinderarztpraxis Fesseler melden.

Am Montag, 30. März, und Dienstag, 31. März, sind die Isnyer Kinderärzte Ekkehart Hamma und Alexander Moch die richtigen Ansprechpartner. Sollten entsprechende Symptome bei den Eltern auftreten, ist der jeweilige Hausarzt der richtige Ansprechpartner. In allen Fällen sollte man sich vorab erst einmal telefonisch bei diesen Ärzten melden, betont Gantner.

Selbst bei entsprechenden Symptomen werden die Kollegen aber nur in wenigen Fällen auch tatsächlich einen Corona-Test anordnen, sagt der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Denn um das System nicht zu überlasten, sind die Ärzte angehalten, nur dann Tests anzuordnen, wenn eindeutige und erhebliche Symptome vorliegen, es einen Kontakt zu einer positiv auf Corona getesteten Person gab und die betreffende Person im fortgeschrittenen Alter ist oder eine schwere chronische Vorerkrankung hat – oder sie geht einer beruflichen Tätigkeit im medizinischen oder pflegerischen Kernbereich nach.

Deswegen, so Gantner, werde man vermutlich auch in den kommenden Wochen infektionsepidemologisch kein wirklich richtiges Bild davon bekommen, wie „durchsetzt“ die Region von an Corona-erkrankten Kindern ist.

Inkubationszeit von fünf bis sechs Tagen

Bei den zahlreichen Eltern, die er bisher schon erreicht hat, hätten allerdings nur ganz wenige von entsprechenden Krankheitssymptomen berichtet, sagt Gantner. Und das, obwohl die Inkubationszeit von fünf bis sechs Tagen inzwischen bei vielen der Betroffenen schon vorbei sei.

Kinder selbst gehören nach derzeitigem Stand nicht zu den gefährdeten Gruppen, da die Erkrankung in der Regel sehr mild und oft mit wenigen Symptomen verläuft, dennoch können sie natürlich andere anstecken und gelten im Vergleich zu Erwachsenen als eher infektiös, so Gantner.

Wie das Virus in die Praxis gekommen ist, weiß man nicht genau, erklärt Fesseler. Bei den Patienten, bei denen in den vergangenen Tagen aufgrund der Symptome ein Corona-Test angeordnet worden ist, sei das Ergebnis immer negativ gewesen. Allerdings sei auch klar, dass die Praxis durch die vielen Patienten „ein Hotspot“ ist, so Fesseler. Vermutlich war einer davon infiziert. Ihm selbst gehe es trotz positivem Corona-Test gut. Nicht ganz verstehen kann er die Vorwürfe, die teilweise in sozialen Medien geäußert worden sind. Er und sein Team hätten immer zum Wohle der Patienten gearbeitet.

Praxis öffnet zum 1. April wieder

Wie Gantner erklärt, wird die Kinderarztpraxis, wie schon lange geplant, unter seiner Leitung am Mittwoch, 1. April, wieder öffnen. Zusammen mit den Fachangestellten, die wie er negativ auf das Virus getestet worden sind, werden dann wieder Patienten behandelt. Nach und nach würden dann auch die jetzt kranken Teammitglieder wieder einsteigen, die nach ihrer Genesung erst einmal immun gegen das Virus sein werden.

Der Plan von Gantner ist es, dann zu versuchen, durch zwei separate Sprechstunden die Vorsorgefälle von den Akutfällen zu trennen. Gantner ist seit August des vergangenen Jahres Vollzeit als Arzt in der Praxis von Fesseler tätig. Davor war der Wangener 13 Jahre in der Kinderklinik des Dritten Ordens in München beschäftigt, die letzten dreieinhalb Jahre als leitender Oberarzt der Intensivstation für Kinder und Frühgeborene.

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