Mehr Blumenwiesen für Leutkirch

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Blumenwiesen können dazu beitragen, dass Insekten genügend Lebensraum vorfinden.
Blumenwiesen können dazu beitragen, dass Insekten genügend Lebensraum vorfinden. (Foto: Götz)
Schwäbische Zeitung
Herbert Beck
Redakteur

Eine neue Bürgerkampagne soll 2018 in Leutkirch starten. „Leutkirch blüht auf“, angestoßen von der Elobau-Stiftung, möchte dazu animieren, dass wieder mehr Blumenwiesen vor allem auch in heimischen Gärten entstehen. Wer mitmacht und sich anmeldet, erhält von der Stiftung für eine Fläche von maximal 60 Quadratmetern eine für das Allgäu angepasste Saatgutmischung bereitgestellt. Deren Wuchs soll dann auch dokumentiert werden.

Noch befindet sich die Aktion, für die Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle als Schirmherr beim Neujahrsempfang der Stadt zum ersten Mal geworben hat, in der Anlaufphase. Schon bis Montagabend haben sich 33 Interessierte im Internet angemeldet und für eine Fläche von 1176 Quadratmeter Saatgut geordert.

Kampf gegen das Insektensterben

Vom Kleinen zum Großen: Peter Aulmann, Geschäftsführer der Elobau-Stiftung, berichtet darüber, dass nicht zuletzt die Berichte über das anhaltende Insektensterben dazu geführt hätten, so ein Projekt in der „Nachhaltigen Stadt“ Leutkirch auf den Weg zu bringen. Henle machte sofort mit. Auch der Umweltkreis, der zunächst in seinem Jahresprogramm eine weiter gefasste Kampagne zum Thema „Naturgarten“ vorbereitet hatte, zieht mit. „Wir haben uns über diese Idee sehr gefreut“, sagt Wibke Wilmanns vom Umweltkreis. Mit ihrem Stab hat sie einen Teil der Beratung für die Elobau-Stiftung übernommen. „Es ist ein komplexes Thema“, stellt sie klar. Der Termin für eine Auftaktveranstaltung zu der Aktion steht schon fest. Am 16. März wird die Landschaftsarchitektin Simone Kern, die bereits Expertisen für die Stadt erstellt hat, im Bocksaal zum Thema „Mein Garten summt“ einen Vortrag halten. Weitere Veranstaltungen sollen folgen.

„Wir sind froh, dass die Elobau-Stiftung das Thema in ihr Programm aufgenommen hat“, sagt Michael Krumböck, der Umweltbeauftragte der Stadt Leutkirch. Auch städtische Flächen könnten durchaus dafür infrage kommen, neue Saaten auszubringen. Vor allem aber im Bereich von Straßen – genannt worden sind in der Vergangenheit bereits Kreisverkehre oder Randstreifen – gehe es immer auch um die Verkehrssicherheit und den Aufwand für die Pflege. Blumenwiesen, die länger wachsen müssen, passen nicht so ideal dazu.

Ein Glas Honig

Mehr Spielraum bietet sich durchaus im privaten Bereich, um ein Wiesen- oder Rasenstück aus dem normalen Mäh-Rhythmus zu nehmen. Mehrfach schon haben Naturschützer darauf hingewiesen, dass der Einsatz von Mährobotern das Insektensterben beschleunige. Dazu kommen die Folgen der intensiven Grünlandwirtschaft und der auch im Allgäu vermehrt verbreiteten Monokulturen etwa durch Maisanbau.

„Wir wollen Bewusstsein für die ökologischen Aspekte schaffen“, sagt Peter Aulmann. So existiere in dem Unternehmen bereits eine „Betriebsbienen-AG“. Die Stiftung hat deshalb für alle Teilnehmer an der Blüh-Aktion zum Jahresende ein Glas Bienenhonig aus dieser Produktschiene in Aussicht gestellt. Anfang Februar werden zudem Biolandwirte aus dem Kreis Ravensburg auf Einladung von Elobau über den Spagat zwischen wirtschaftlicher und ökologischer Bewirtschaftung diskutieren.

Alle drei Partner verweisen auch auf den ästhetischen Aspekt, wenn in der Stadt und in den Gärten der Ortschaften ein buntes Gesamtbild entstehe. Das könnte auch Touristen vermehrt anziehen. Zudem passe „Leutkirch blüht auf“ bestens zu bereits etablierten Kampagnen zur Elektromobilität oder zur Initiative „Kernig“, die seit dem vergangenen Jahr die Ernährung in den Mittelpunkt verschiedener Aktivitäten stellt.

Die, so steht es in den gedruckten Unterlagen, „gemeinsame Blühkampagne“ möchte Leutkirch zusätzlich aufwerten. Wunderdinge dürften aber nicht erwartet werden. Das ausgewählte Saatgut und die Böden in den heimischen Gärten müssten zueinander passen. „Die dauerhafte Pflege ist wichtig“, sagt Krumböck. Der Umweltkreis aber steht generell als Ansprechpartner bereit. Angebote wie die Pflanzaktion zum Jahresende oder die Beratung für Nisthilfen werden deshalb beibehalten.

Registrierung und alle wichtigen Infos unter www.leutkirch-blueht-auf.de

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